Mineralogie und Geologie.
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Das nächste, dessen wir gedenken muffen, sind die höchstbedeutenden Uebergäuge des Granits in einen durch Glimmermodificirten, ramificirten Feldspath, den wir in dem Augen-blicke gewannen, als man, verwegen genug, den Felsen, auswelchem der Neubrunnen entspringt, abarbeitete, mehrernRaum und bessern Zugang für die Ouellgäste zu gewinnen.
Ferneres über Joseph Müller nnd dessenLammlvng.
Joseph Müller, gebürüg von Liebenau in Böhmen,hatte sich wahrscheinlich in Tnrnau, wo die ediern Gangartendes Riesengebirgs verarbeitet werden, zum Wappen- undSteinschneider gebildet, und kam^-seine Kunst auszuüben, nachCarlsbad, wo er auch gute Geschäfte machte. Seine Absichtwar, sich daselbst niederzulassen, als im Mai des Jahres 1759ein unglückliches Feuer den größten Theil der Stadt in dieAsche legte. Er miethete sich in Schlakenwerth ein, und kamnur nach Carlsbad, um Arbeit abzuliefern oder Bestellungenanzunehmen, woran es ihm nicht fehlen konnte.
Er zeigte im hohen Alter noch Abdrücke seiner Arbeitenvor, und man erkannte daran eine große Fertigkeit, indemächten heraldischen Styl die complicirtesten Familienwappendarzustellen.
Als er hierauf 1760 sich in Carlsbad niederließ, mußte essich ereignen, daß, bei dem Grundgraben so vieler Häuser,gar manche Sorten Sprudelsteine zum Vorschein kamen, dieer wegen ihrer Schönheit, sobald sie polirt waren, auch füreine Art von Edelstein ansprechen durfte, indem sie, bei voll-kommener Glätte und Glanz, den Anschein von Chalcedon,Achat, Jaspis und antikem Jaspis nachahmten und, bei vielgeringerer Härte, sich der Bearbeitung bequemer darboten.
Von besondern Vorzügen waren die aus dem Grund derKirche ausgcgrabenen, die inan, um die Stadt von den Schutt-haufen zu befreien, Hinabwarts nach der Tepelbrücke geschaffthatte, um zugleich die dorthin führende sehr üble Wegstrecke zubessern. Sobald er dieß entdeckt hatte, bot er alles auf, sichdieses Schatzes zu bemächtigen, und erlangte wirklich die Er-laubniß, dort nachzugraben und das Verschüttete wieder inEhre zu bringen.
Hier kam nun seine Steinschneidekunst zu Hülfe: er ließmancherlei Kleinigkeiten daraus fertigen, brachte aber diesesMineral den Naturforschern zur nähern Kenntniß, indem erdie mannichfaltigstcn Abwechslungen zu sondern, zu ordnennnd in gütlichen viereckten Täfclchen den Liebhabern und Ken-nern vorzulegen wußte.
Seit jener Zeit wird nicht leicht eine Mineraliensammlungbestehen, welche nicht dergleichen vorzuweisen hätte. Auch kamdiese Steinart in solchen Ruf, daß man ihrer in vielen Schrif-ten gedacht und ihr sogar eine eigene Abhandlung gewidmet,worin sie abgebildet und colorirt, auch näher beschrieben, ineinem Heft klein Quart, den Bibliotheken der Naturforscherwillkommen gewesen, unter dem Titel:UebelackersSystemdes Carlsbader Sinters, unter Vorstellung schönerund seltener Stücke. Mit illuminirten Kupfern.Erlangen 1782. 4.
Große Tafeln, an welchen man die Abwechslungen vonFarbe in zierlichen, achatartigen Linien am deutlichsten ersehenkann, besitzt das Cabinet der mineralogischen Societät zuJena.
Nachdem sich jener wackere Mann mehrere Jahre mit diesemreizenden Gegenstände beschäftigt, konnte es nicht fehlen, daßer seine aufmerksame Thätigkeit bis auf andere mineralogisch«geognostische Merkwürdigkeiten erstreckte. Die so höchst bedeu-tenden Zwillingskrystalle des Feldspathes war er zu sammelnund den Liebhabern zu überlassen bemüht. Hierbei konnte ernicht stehen bleiben, sondern er bemerkte die vielfachen Ver-schiedenheiten der Gebirgs- und Gangarten in der nähern Um-gegend , und suchte sie nach seiner Weise zu ordnen. Wie er siedenn im Jahre 1807 nebst einem Katalog den dort sich auf-haltenden Naturfreunden vorlegte.
Freilich war es ihm hier, wie allen Autodidakten, garwunderlich ergangen, zu selbsteigenen Erfahrungen zwar nichtzu verwerfende, aber doch eigentlich abstruse und nicht leicht zuenthüllende Gedanken hinzuzufügen; doch war er auf eine ge-wisse Weise leicht zu behandeln. Man ging die Sammlungnach dem Katalog mit ihm durch, und suchte sie nach geogno-stischen Einsichten erst zu sondern und dann an einander zufügen, woraus denn zuletzt diejenige geordnete Sammlung ent-stand, welche noch jetzt eifrigen Geognosten, welcher Meinungsie auch seyn mögen, als Leitfaden dienen kann, um die Gegend,wie sie vor uns liegt, schneller kennen zu lernen und nach eige-ner Weise zu untersuchen.
Dergleichen Sammlungen immerfort einzurichten, hatte erganze Lasten von Steinen bei sich angehäuft, woraus er jederzeitdie erforderlichen Exemplare, nach ihrem instrnctiven Werth,besonders in der einmal angenommenen Große zusammen-zustellen auf das sorgsamste verfuhr, indem er sich dazu Bretermit abgemessenen kleinen Quadraten hatte verfertigen lassen.
Und so beschäftigte er sich unaufhörlich auch sogar im hohenAlter, wo ihm die sonst so dienstfertigen Füße versagten under, nur noch liegend, doch mit heiterm Geiste, bei dem gleichenBeruf unermüdlich verharrte, bis im Jahre 1817, im 84. desLebens, seinem ununterbrochenen eifrigen Bemühen ein Zielgesteckt ward.
Gedachte ganze ungesonderte Hansen, worin die merkwür-digsten Exemplare zu finden waren, hat der HandelsmannDavid Knoll käuflich an sich gebracht und, um zu Aus-stellung gleicher Sammlungen immer bereit zu seyn, nicht ver-säumt, die Fundörter der einzelnen Exemplare, woraus Müllerwohl ein Geheimniß machte, zu erforschen, wodurch er jedenabgängigen Artikel wieder zu ersetzen im Stande ist.
Daß die Wirkung des entspringenden heißen Wassers weiteroben in dem Flusse gewesen, hatte man daran erkannt, daß beidem Grundgraben des Komödienhauses Erbsensteine gefundenwurden. Durch die Bemühung des gedachten gegenwärtigenBesitzers wird nun Kar, daß, sowohl die Tepel aufwärts biszur gedachten Stelle als rechts und links derselben, in vorigenZeiten die heiße Quelle gewaltet und diese Naturwirkung nachund nach sich den Fluß hinabgezogen. Wie denn ja auch schondie Entstehung der Hygicasquelle Andeutung giebt und mandarauf wird zu achten haben, in wiefern dieser Herd sich an derrechten Seite des Flusses zwar langsam, aber doch stetig hin«abzieht.