Mineralogie und Geologie.
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gänzlich vertreibe. Man kann sich im Gegentheil vorstellen,daß der Krystall ursprünglich roth sey und das Weiße nurZeichen einer Verwitterung, welche von außen hereinwärtswärts wirkt. So kann man sich auch drittens denken, daß derKrystall sich gleich anfänglich, sowohl roth als weiß, einesmehr als das andere gebildet. Wir streiten mit niemand,halten aber die erste Vorstellung für ganz unzulässig; derdritten sprechen wir nicht alle Wahrscheinlichkeit ab, sind jedochder zweiten zugethan.
Bei Nummer 15 ist zu bemerken, daß die in dem Gesteindisseminirten Quarzkörner sich bei genauerer Betrachtung zumgrößten Theil als doppelte sechsseitige Pyramiden zeigen.
Die Gesteinart Nummer 21 und 22 verdient eine besondereAufmerksamkeit. Es ist ein Feldspath, auf den der Glimmerbesondern Einfluß ausgeübt, so daß eine Art von dendritischerForm daher entspringt. Sieht man gewisse Stücke davon ein-zeln, so kann man sie gar wohl als eine Abänderung vonGneis ansprechen. Ich mache daher auf eine frühere Be-merkung eines fleißigen Mitarbeiters in diesem Fache hieraufmerksam.
In des Dr. Reuß Lehrbuch der Geognosie steht imzweiten Band, Seite 590, folgende Stelle: „Merkwürdig istdas Vorkommen vollkommener Gneisgeschiebe in dem Porphyr-schiefer des Biliner Steins, da wo er auf dem Gneis un-mittelbar aufliegt, also an der Steinscheidung."
Ich besitze ein solches Stück Porphyrschiefer und zugleichein abgesondertes Stück des hier sogenannten Gneises von derSteinschcidung. Es ist aber kein Gneis, sondern vollkommendas unter Nummer 21 und 22 aufgeführte Gestein, welcheswir ein Auslaufen des Granits nennen möchten; wobei unsnoch folgender Umstand bedeutend vorkommt. Dieses unserGestein findet sich bei Engelhaus, wo bekanntlich der großeFels Porphyrschicfer oder Klingstein aufsitzt; und es ist alsohier derselbe Fall wie in Bilin, nur daß bei Engelhaus dieSteinscheidung noch nicht entdeckt ist. Diese sonderbare Lon-nexion des Urgebirges aber mit dem Klingstein an mehrernOrten zu entdecken, wäre um so wichtiger, als die Exemplareeines solchen Vorkommens selbst in Bilin selten sind, und dasin meinem Exemplar eingeschlossene sogenannte Geschiebe nichtdeutlich genug ist, um irgend eine vollständige Vorstellung zuerregen.
Das Gestein, dessen Folge wir von Nummer 25 bis 29beschrieben, ist höchst wichtig, und hat, obgleich schon Herrvon Racknitz desselben in seinen Briesen gedenkt, doch indieser langen Zeit die Aufmerksamkeit der Geognosten nichtgenug auf sich gezogen. Ob man nun gleich gegenwärtig in derMüllerschen Sammlung sehr instructive Exemplare davonfindet, die um so schätzenswerther sind, als man es in derNatur nicht ganz bequem beobachten kann, so wird es docheinigermaaßen problematisch bleiben, weil es dem aufmerk-samen Beschauer einen Widerspruch auszudrücken scheint.
Betrachtet man es auf dem Wege, wie ihn unsere Num-mern andeuten, sängt man an dem Punkte an, wo ganz schmaleHornsteinklüfte durch einen feinkörnigen Granit durchgehen,sich nachher verbreitern, sich theilen, wieder zusammenfließen,und indem sie den Granit aus tausendfache Weise durchschneiden,vereinzelte Theile desselben in sich enthalten; betrachtet mannun weiter, wie die Hornsteinmasse zunimmt, und der Granit,
der vorher das Enthaltende, das Eontinens war, nunmehrdas Enthaltene, das Contentum wird: so sind wir freilichgeneigt, unsere simultane Erklärungsart hier anzuwenden,und wir dürfen es um so mehr, als diejenigen, die sich zu dersuccessiven Erklärungsart hinneigen, zwar wegen der scharf-kantigen Form der Granittheile wohl eine Granitzertrümmerungannehmen, aber doch auch ein unmittelbares Eintreten derHornstcinmasse zugeben. Ueberhaupt ist dieses ein Punkt, wosich die beiden Vorstellungsarten nähern, indem da, wo dereine Beobachter gleichzeitig ausspricht, der andere wenig-stens gleich nachzeitig zu setzen sich bewogen findet.
Uebrigens könnte man vielleicht auch das gegenwärtigeGestein ein Auslaufen des Granits nennen, indem man da-durch das Ende einer Epoche bezeichnet, anstatt daß man da,wo ein folgendes sogleich nachzuweisen ist, das Auslaufen ganzschicklich einen Uebergang nennen kann.
Ueber die Art, wie der Kalk in dieses dem Urgebirg so nahverwandte Gestein sich gefunden, wird man sich vielleicht nochweniger vereinigen. Betrachtet man den Kalkspath, wie wirihn unter Nummer 30, 31 und 33 aufgeführt, so mag mansich wohl vorstellen, daß derselbe in die Zwischenräume diesesunregelmäßigen Gesteins sich eingesintert; wobei denn aberdie Frage schwer zu beantworten bleibt, woher denn der Kalkgekommen, der sich in die Tiefen dieses Gesteins so reichlicheingesenkt? Betrachtet man nun gar den isabellfarbigen körnigenKalkstein, der bei uns mit Nummer 32 bezeichnet ist, und dieArt, wie er sich, keineswegs als Sinter, sondern als einderber Bestandtheil, zwischen den übrigen findet, so wird manwieder daraus gewiesen, daß wenigstens ein Theil dieses Kalksmit dem Gesteine selbst ursprünglich gleichzeitig seyn möchte.
Dem sey nun, wie ihm wolle, so steht dieses Gestein inder genaueste» Verbindung milden heißen und warmen Quellen,die alle daraus hervortreten. Und wenn man auch die in dem-selben offenbar enthaltenen Bestandtheile, den ersterwähntenKalk, den häufig vorkommenden Schwefelkies, nicht für hin-reichend halten sollte, die warmen Quellen mit ihren In-gredienzien und Bedingungen hervorzubringen, so wird mandoch eine entschiedene Mitwirkung nicht leugnen können, welcheschon früher, obgleich vielleicht nicht bestimmt genug, anerkanntworden.
Möchte es doch den Geologen gefallen, zu untersuchen undgelegentlich anzuzeigen, ob sich irgend sonstwo ein Gestein dem-jenigen ähnlich, wie wir es von Nummer 24—35 angezeigt,befinden möchte.
Was sonst noch bei jener Sammlung zu bemerken wäre,verspare ich auf ein andermal, und gebe nur noch einige Nach-richt von ein Paar geologischen Merkwürdigkeiten, die mir diesesJahr bekannt geworden.
Die erste ist ein Gneis, dessen faserige Textur durch deut-liche fleischfarbene Feldspathkrystalle hervorgebracht wird. Diesesind jenen Doppelkrystallen ähnlich, welche wir unter denNummern 6, 7 und 8 eingeführt haben. Nur ist dabei merk-würdig, daß, wie der Glimmer sich nach ihnen in seiner Lagebequemt, auch ihre Krystallisation nach ihn» sich einigermaaßengerichtet hat. Auch lassen sie sich nicht abgesondert darstellen,sondern sind mit dem Glimmer und dem übrigen Gestein innigverbunden. Nicht gar einen Zoll lang, deuten sie, wie jeneabgedachten Krystalle, auf die sechsseitige Säule so wie auf ein