Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Mineralogie und Geologie.

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Seifen auf dem Fichtelberge. In Schlackenwalde war ichmehrmals; Geyer und Ehrenfriedrichsdorf kannte ich durchCharpentier und sonstige genaue Beschreibung, die dort er-zeugten Minern auf's genaueste durch herrliche Stufen, die ichmeinem verewigten Freunde Trebra verdanke. Von Graupenkonnte ich mir genauere Kenntniß verschaffen, von Zinnwaldeund Altenberge flüchtige Uebersicht, und in Gedanken bis an'sRicsengebirge, wo sich Spuren finden sollen, verfolgte ich dieVorkommenheiten. Von allen genannten Hauptorten bedeutendeStufenfolgen zu verschaffen hatte ich das Glück. Der Mine-ralienhändler Herr Mawe in London versorgte mich mit einervollkommen befriedigenden Sammlung aus Cornwallis, undHerrn Ritter vonGieseckebin ich, außer einem eingreifendenNachtrag aus den Englischen Zinnseisen, auch noch Malacca-zinn schuldig geworden. Dieß alles liegt wohlgeordnet und er-freulich beisammen; der Vorsatz aber, etwas Auslangendeshierüber zu liefern, erlosch in einem frommen Wunsche, wieso vieles, was ich für die Naturwissenschast unternommen undso gern geleistet hätte.

Soll nun nicht alles verloren gehen, so muß ich mich ent-schließen, wie es mit andern wissenschaftlichen Zweigen geschehen,das Vorhandene mitzutheilen, um es möglichst an einander zuknüpfen und vielleicht mit einigen Hauptgedanken zu beleben.

Und so gebe ich denn hier vorerst das wenige, was ich aufeinem Ausflug von Teplitz nach Zinnwalde notirt.

Ausflug nach Zinnwalde und Altenberg.

Den 10. Juli 1813 fuhr ich gegen Abend von Teplitz ab.Bis Eichwald findet mau gute Chaussee; ich gelangte dahin inb/. Stunden. Durch das Dorf selbst ist der Weg schlecht undenge Spur, hinter demselben aber hat man vor kurzem denWeg bergauf dergestalt verbreitert und mit quergelegten Holz-stämmen zur Ableitung des Wassers eingerichtet, daß er garwohl verhältnißmäßig für gut gelten kann; wenigstens leideteine breitere Spur keinen Anstoß, worauf doch eigentlich inGebirgen al6s ankommt.

Um halb acht Uhr war ich aus der Höhe von Zinnwalde.Dieser Ort, durch welchen die Gränze zwischen Böhmen undSachsen durchgeht, ist auf einem flachen Bergrücken, mit zer-streuten Häusern, weitläufig angelegt, die Wohnungen sinddurch Wiesen getrennt, die den anstoßenden Besitzern gehören;^ hier sieht man wenig Bäume, und die Berghalden kündigensich von ferne an. Der bald auf- bald absteigende Weg istschlecht, und hier findet nian wieder enge Spur.

Der Abend war sehr schön, der Himmel klar; die Sonneging rein unter und der Mond stand am Himmel. Ich kehrtein dem Gasthofe ein, der einem Fleischer gehört, und fanduothdürftiges Unterkommen, ging noch aus die Halden, unter-suchte die daselbst befindlichen Gangarten und unterhielt michmit dem Steinschneider Wende, mit dem ich schon frühermeine Ankunft verabredet hatte.

Den 11. Juli ging die Sonne am klarsten Himmel schonsehr früh auf. Mich wunderte, daß in einem keineswegs rein-lichen und durch eine Fleischerwirthschaft noch mehr verun-reinigten Hause auch nicht eine Fliege zu finden war. Es scheintalso, daß diese Berghohen ihnen nicht zusagen.

Goethe, Werke. VI.

Ich ging auf die Grube Vereinigt-Zwitterfeld, und fanddaselbst den Steiger mit seinen Leuten über Tage mit Aus-klauben beschäftigt. Hier sondern sie den Zinnstein von denanhängenden Gangarten, vorzüglich vom Wolfram, der häufigvorkommt und beim Schmelzen Unheil macht. Der Schacht ist48 Lachter tief; eben so viel bringt auch der Stollen ein. Siebauen auf sogenannten Flözen, welche aber völlig die Eigen-schaft der Erzlager haben, meist ganz horizontal liegen und nurgegen das Ende einen mehrern Fall bekommen. Die Bergleutesagen: „Die Flöze richten sich nach der Form des Berges";besser würde man sich ausdrücken: „sie bringen die Form desBerges hervor." Sechs solche Hauptflöze liegen über einander,von verschiedener Mächtigkeit. Der mächtigste ist Ellen/aber nicht durchaus von gleicher Stärke; die schwülsten, von6 bis 8 Zoll, sind die reichsten. Die Flöze bestehen durchgängigaus Quarz, welcher, von beiden Saalbändern herein, gleichsamstrahlenweise krystallisirt erscheint, weil er aber wenig Raumezwischen sich läßt, für derb angesehen werden kann. Zerschlägtman ihn, so sondert er sich in stängelige Stücke. Die beidenSaalbänder dieser Flöze oder Horizontallager sind krystallisirterGlimmer, und in diesen Saalbändern, vorzüglich aber in demuntersten, findet sich der Zinnstein eingesprengt; der Quarzdagegen des Flözes ist durchaus taub, so wie auch das obereSaalband keinen Gehalt hat. Zwischen diesen Flözen liegenzwei verschiedene Bergarten, Greißen und Sandstein — siesprechen Sandstein aus, daß es klingt wie Sansten oder Sansken— genannt. Die erste ist aus Quarz und Glimmer gemischt,derjenigen ähnlich, woraus das Schlackenwalder Stockwerk be-steht, die andere aus Quarz und Thon, und daher leicht ver-witterlich.

Durch diese ganze Waffe nun schneiden stehende, seigereGänge durch (sie sprechen, daß es klingt wie Stehniche),meistens sehr schmal, höchstens 3 bis 4 Zoll breit. Sie streichenin der zweiten Stunde, sind an sich zinnhaltend und veredelndie Flöze, wo sie solche durchschneiden.

Noch eine andere Erscheinung ist das, was sie Klüftenennen; man könnte sie auch für Gänge ansprechen. Siestreichen in der dritten Stunde, gleichfalls seiger, und schneidenalles durch. Sie sind ellenbreit, enthalten einen weichen, thon-artigen Schmant, den die Bergleute Besieg nennen, undführen niemals Metall. Das Merkwürdigste dabei ist, daß siedie Flöze verwerfen. Wie nämlich eine solche Kluft auf dasFlöz trifft, es sey, von welcher Mächtigkeit es wolle, so schlepptsie dasselbe abwärts mit fort und verwirft es dergestalt, daßes erst 3 — 4 — 6 Lachter tiefer wieder vorkommt, und auchwohl wieder zu seiner vorigen Stärke gelangt.

Nachdem ich mir dieses alles erklären und die sogenanntenProducte auf den Halden vorzeigen lassen, auch von jedemMusterstücke abgeschlagen, so begab ich mich mit dem Stein-schneider in sein Haus. Außer einem kleinen Mineraliencadinet,das er für sich gesammelt hatte, findet man bei ihm kleinereund größere Musterstücke von den Producten des LeitmeritzerKreises, besonders von allem, was sich auf die Pseudovulcanebezieht; er hat eine besondere Geschicklichkeit im Zuschlagenseiner Muster, die deßwegen sauber und appetitlich aussehen.

Nun ging ich mit ihm abwärts gegen Nordwest bis an dasStollenmundloch; unterwegs fanden wir viel aufgerissenes Erd-reich, in kleinen Hügeln. Hier wurden vor alten Zeiten die

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