Mineralogie lind Geologie, 451
Bergfesten stehen laßt, um das Ganze einigermaaßen zu >unterstützen. !
Da nun die 36 Gruben jede für sich einzeln bauten, jede !so viel als möglich aus ihrem Felde herausnahm, ohne sich ium das Allgemeine oder um die Nachbarn zu bekümmern, so !ward der Berg nach und nach ausgehöhlt, daß er sich nichtmehr hielt, sondern zusammenstürzte.
Dieser Unfall jedoch gereichte dem Werke zum Nutzen,indem die Hauptgewerken, ausländische reiche Kaufleute, unterBeirath von klugen Sachverständigen, mit vieler Mühe esdahin brachten, daß die Theilnehmer der 36 zerstörten Grubensich in Eine Gewerkschaft vereinigten, deren Antheile durcheine verhältnißmäßige Anzahl der nunmehr beliebten 128 Küpewieder erstattet wurden.
Diese neue Gesellschaft theilte sich nun wieder in dreiTheile:
1) große Gewerkschaft, bestehend aus den Augsburger,Nürnberger und Dresdener Gewerken;
2) kleine Gewerkschaft;
3) Propre-Theile.
Da nun dieses Unternehmen groß und kühn war, so wußtensie sich zugleich von der Landesherrschaft viele Vortheile zu be-dingen; sie stehen eigentlich nicht unter dem Bergamte, sondernunter einer Direction von drei Personen, die sich in Dresdenaushalten; am Orte haben sie einen eigenen Factor (der gegen-wärtige heißt Löbel), der alles besorgt. Die Kirche haben sieerbaut, die Glocken und die Uhr angeschafft; die Pochmühlengehören ihnen zum größten Theil; auch haben sie Waldungenund ein Rittergut angekauft, so daß ihnen zu den nothwendig-sten Bedürfnissen nichts abgeht. Auch besitzen sie noch einenTheil des Berges, der damals nicht zusammenstürzte, undbauen sowohl unter als neben dem Bruche.
Der Bau unter dem Bruche ist sehr wunderbar, indemman sich nur versuchsweise der zusammengestürzten und zer-bröckelten Steine zu bemächtigen sucht. Alles, was man ge-winnt, wird zwar, wie oben gesagt, verpacht, und das Zinnaus der ganzen Masse herausgewaschen; aber man sucht sichpoch auch im einzelnen von dem mehr oder weniger Gehaltdieser und jener Steinart durch den Sichertrog zu unterrichten.Sie wissen es zu einer großen Fertigkeit zu bringen, und habensich eine Terminologie gemacht, um zehn Grade der Bau-würdigkeit zu unterscheiden; es sind folgende:
1. Mauseöhrchen.
2. 3 er.
3. 6pf.
4. Igl.
5. 2gl.
6. 4gl.
7. 8gl.
8. Sgl.
9. Species Thaler.
10. Fensterscheibe.
Merkwürdig ist es, daß sie einen neuen Bruch befürchtenmüssen, indem sich um die große Binge her das Gebirg aber«mal abgelöst hat; weil aber diese Ablösung ganz seiger ist, undalso wenn auch der vordere Theil nach der Binge zu einstürzensollte, doch die Rückwand stehen bleiben und von oben nichtsnachstürzen würde, so sind sie ohne Sorgen, ja sie bedienen
sich des durch die Ablösung entstandenen Raumes zu Schächtenund sonstigen Bedürfnissen.
Die verschiedenen Gruben, aus denen gebaut wird, habenein schwerer oder leichter Geschäft, und können den CentnerZinn verkaufen von 34 bis 39 Thaler, nachdem es ihnen mehroder weniger zu gewinnen kostet.
Das Gestein des Gebirgs ist an und für sich sehr fest;daher hat ihnen das Zusammenstürzen der ungeheuern Masseden Vortheil gebracht, daß es dadurch zersplittert worden. Wiesie nun aber unter dem Bruche diese Trümmer gewinnen, istmir zwar beschrieben worden, aber schwer zu begreifen, undohne Zeichnung nicht zu verstehen.
Wo sie im festen Gestein arbeiten, setzen sie Feuer, undmachen dadurch das Gestein brüchig; demungeachtet bleibenimmer noch große Stücke; diese werden auf ungeheuernScheiterhaufen neben den Pochwerken abermals durchgeglüht,und auf diese Weise zersprengt, daß man ihrer durch's Pocheneher Herr werden kann.
Von ihrem Schmelzproceß wüßte ich wenig zu sagen: sierösten die Schliche, um den Arsenik und Schwefel weg-zutreiben; übrigens macht die Beimischung von Wolfram undEisen ihnen viel zu schaffen.
Sonntag den 12. Juli bereitete ich mich früh um sechsUhr zur Stolleufahrt,^und dieses um so lieber, als der Steigervon der Grube Vereinigt-Zwitterfeld auch die Aufsicht überden Stollen hat. Ich fuhr bis zum Stollenmundloch imWagen, und fand daselbst den gedachten Steiger und Stein-schneiden
Das erste Gestein, was man mit den Stollen dnrchfahrenhat, ist Porphyr, der seine Gleichzeitigkeit oder wenigstens seinbaldiges Nachfolgen auf die Zinnsormation dadurch beweist, daßZinnflöze noch in ihn hineinsehen. Wir fuhren bis unter denSchacht von Vereinigt-Zwitterfeld, ungefähr 300 Lachten DerStollen ist leider nicht in gerader Linie angelegt, und so ist erauch von verschiedener Höhe, deßhalb unangenehm zu befahren.Auf dem Hin- und Herwege machte mich der Steiger auf allesdasjenige aufmerksam, was er mir gestern über Tage von derNatur des Gebirgs erzählt hatte: er zeigte mir die Flöze, derenGangart, den Quarz, die Saalbänder von Glimmer, diereichen unten, die tauben oben, des Durchstreichen der stehen-den Gänge, besonders aber der Klüfte, wobei ich einen höchstmerkwürdigen Fall, wo ein Flöz durch die Kluft verschlepptward, zwar mit einiger Mühseligkeit, aber doch sehr deutlichzu sehen bekam. So zeigte er mir auch eine große Weitung,da wo die Gruben Vereinigt-Zwitterfeld und Reicher-Trostzusammenstoßen. Hier konnte die ganze Masse zu Gute ge-macht werden, weil die Greißen stockwerkartig metallhaltigwaren. Als sie diese Räume abbauten, trafen sie auf einegroße Druse, in welcher sich schöne Bergkrystalle, theils einzelntheils in Gruppen, fanden.
Ich konnte hiernach die gestern auf den Halden zusammen-gesuchten und bei dem Steinschneider angeschafften Stufen destobesser ordnen, welches sogleich geschah.
Hierbei bemerke ich noch, daß in Zinnwalde, auf Sächsischer