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Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Mineralogie und Geologie.

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zurück. Was übrigens unser Freund bedauerlich so wie ganzbescheidentlich erzählt, bequemt sich keinem Auszug; man höreden Verfasser bei sich zu Hause.

Lasset uns jedoch desto entschiedener und derber auftreten,wo einzig Rettung zu suchen ist. Der historische Fingerzeigdeutet genugsam auf das Bedürfniß, auf die Nothwendigkeit,für jenes vulcanische Product ein ursprüngliches Muttergesteinaufzusuchen und anzugeben; ohne Substrat bleibt alles räthsel-hast und dunkel.

Nehme man ein gutes Beispiel an einem andern minera-logischen Berfabren. Wie sich nämlich in den Steinen undGebirgen gewisse Pflanzen und Thierformen finden ließen,und dieß scientifisch zu erwägen war, da betrachtete man dievegetabilischen und animalischen Organismen ebenmäßig alsGrundlagen, welche vom Mineralreich aufgenommen, demselbenassimilirt und dadurch verändert, d. h. hier im allgemeinenversteinert sind. Je mehr die Bekanntschaft mit dergleichen Ur-stoffen zunahm, je genauer undsvollständiger man das Pflanzen-und Thierreich kennen lernte, je weiter und tiefer man darinforschte, gerade desto vollkommener bildete sich dadurch diePetrefactenkunde aus, desto schneller und erwünschter ver-schwanden die Nebel und Irrungen, welche früher dabei ge-blendet hatten; zu sprechendem Beweise, daß es überall einErstes geben und als solches erkannt werden müsse, wenn einvon ihm abhängiges Zweites gehörig zu nehmen, vollständigaufzufassen, richtig zu beurtheilen und nach classischer, unan-fechtbarer Manier zu behandeln stehen soll.

Wenn daher auch der Basalt, als solcher und als Reihen-führer gewisser Formationen, ebenfalls für eine ursprünglicheGebirgsart anerkannt wird, entstanden, gleich jeder andern,durch eine allgemeine Primordialursache, die immerhin füruns unergründlich sehn und bleiben möge, in irgend einer odermehrern Erdepochen, dann kann es nicht fehlen, man mußdabei sicherer fußen, wie bei jedem Gegentheil, und in vollerm,reinerm Lichte einhergehen.

Der Mineralog? überkommt nunmehr ein für immerfixirtes Ob- oder Subject, seiner Familie rechtsbeständig bei-geordnet, dessen Beschaffenheit und Verhältnisse sammt undsonders beobachtet, erforscht und mitgetheilt, dessen mannich-faltige Prädicate vollständig ausgezählt und ermessen werdenkönnen. Die kleinste wie die größte Veränderung daran, durchFeuer, Wasser, Gase u. s. w. bewirkt, steht alsdann gehörigwahrzunehmen, mit der primitiven Eigenschaft genau zu ver-gleichen und auf ihre Ursache mit Sicherheit zurückzuführen.

Wie sich, nach solcher Manier, die Mutationen einesFossils, auf dem sogenannten nassen Wege, in den verschie-densten Gradationen bestimmt nachweisen lasten, wie derBasalt klärlich von der ersten Stufe der Verwitterung bis zurwirklichen Auslösung in einem specifisch gearteten Lehmen wahr-genommen und verfolgt ist, eben so sind seine Metamorphosendurch jeden modificirten Hitzegrad theils erkenn- und redu«cirbar, theils durch eine Legion von angestellten Beobachtungendarüber in der Natur deutlichst aufgezeichnet.

Gerieth man bei dieser oder jener einzelnen Verkommen-heit auf Schwierigkeiten, schien es zweifelhaft, welcher Ursache, job der Hitze oder Nässe, manche Erscheinung an den Basalten ^zuzuschreiben sey, dann bot sich ein entscheidendes Auskunfts- jMittel dar in der Pyrotechnik. Bekanntlich ist der Basalt mehr !

oder weniger schmelzbar. Unterwirft man ihn nun der Hitze,vom Roth- und Weißglühen an bis zum Schmelzen und Zer-fließen hin, beobachtet man die graduirten Umformungen,welche er dadurch erhält, so ergiebt sich ein sicherer Maaßstab,wonach jeder Feuereffect auf ihn genau zu bestimmen und richtigzu beurtheilen steht, und der insbesondere dazu geeignet ist,ihn den Phänomenen derjenigen Basalte anzupassen, welche dieNatur in gewissen Gegenden des Erdkreises auffinden läßt.

Zeigt sich, bei der Vergleichung solcher Naturerzeugnisse,mit den pyrotechnisch bewirkten Basaltproducten, daß Leidenicht bloß ähnlich, sondern völlig gleich sind, dann schließt manmit Zuverlässigkeit, daß auf beide Arten von Producten eineund die nämliche Ursache, d. i. Hitze gewirkt habe.

Dergleichen Experimente, Vergleichungen und Resultate,hat die mineralogische Basalthistorie, seit dem Jahre 1792,auszuweisen, und bis auf die neueste Zeit geht noch die löblicheBetrachtung und Untersuchung fort.

Ist man nun über die Bildung gewisser Laven aus Basalteins geworden mit sich, wenn auch nicht mit jedem andern, sowird sich das Ordnen und Benennen der Laven, die von andernGesteinen abstammen, ebenfalls ergeben. Nachgewiesen undanzuerkennen sind bereits Laven aus Jlyn (schmelzbarem Thon-stein) , Pech- und Perlstein nebst Obsidian, welche sämmtlichden Eigennamen Bimsstein führen, aus mehrern Basalt-,Porphyr- und Schieferarten, aus Couglomeraten und (ver-glasurten) Sandsteinen.

Hierdurch ist dieser Gegenstand für uns erschöpft, folglichauch eine Regel vorhanden, woran man sich zu halten und ausseinem Wege unverrückt fortzuschreiten hat. Dagegen wird abernicht geleugnet, daß eben diese Naturereignisse noch eine pro-blematische Seite haben, in wiefern nämlich das in der Naturvorhandene, Wärme und Hitze erzeugende Princip, ohne ge-rade in Feuer und Flamme aufzuschlagen, höchst wirksam seynund auf krypto-vulcanische Ereignisse hindeuten möge. Insolchen Fällen, wo das pyrotypische Aussehen des Basalteszweifelhaft seyn könnte, erlaubte man sich die Frage schon imJahre 1790 auszuwerfen, ob nicht etwa manches basaltischeGestein, im großen und lagerweise ursprünglich feinklüftig,rissig oder löcherig gebildet worden, wie mancher Quarz undKalkstein ebenfalls? Die Basalte der Azorischen Insel Gra-ziös» stellen etwas Aehnliches dar; dort wechselt nämlich derdichte Basalt mit porösem und mit Mergel. Der in Mandel-stein übergehende poröse Basalt hat längliche Höhlungen vonzwei bis acht Linien im Durchmesser; man bemerkt nicht, daßsie in Einer Richtung liegen, noch daß der poröse Felsen aufcompacten Schichten aufgelagert sey, wie dieß bei den Lava-strömen des Aetna und des Vesuv der Fall ist. Der dasigeMergel wechselt übrigens mehr denn hundertmal mit demBasalte, und laufen seine Lagen parallel mit denen des Ba-salts. Woraus geschlossen wird, daß beide Fossilien von einer-lei Formation und von gemeinschaftlichem Ursprünge sind.

Um sich die Entstehung jener Cavitäten einigermaaßen zuerklären, erinnere man sich des bedeutenden Wortes: Wenngroße Massen von Materien aus dem flüssigen Zustand in dender Trockenheit übergehen, so kann dieses nicht ohne eine Ent-Wicklung von Wärmestoff geschehen.

Hier ist nun der mächtige Umfang des eigentlichen Vul--canitätsgebietes zu erwähnen. Der ganze bergige Theil des