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Mineralogie und Geologie.
läßt sich daher gar wohl ableiten, daß der Erdbrand auf dasverschiedenste, zwischen über'und neben Brennbarem liegendeGestein zufällig wirkend, die rnannichfaltigsten Erscheinungenhervorbringen mußte.
Hier steht uns aber noch eine Arbeit bevor, welche auchschon begonnen ist. Bei Vulcanen, so wie bei Erdbränden,ist für den Naturforscher die erste Pflicht, sich umzusehen, obes wohl möglich sey, die ursprüngliche Steinart zu entdecken,aus welcher die veränderte hervorgegangen. Hiermit haben wiruns in der letzten Zeit sorgfältiger als sonst beschäftigt; deßhalbschon eine große Anzahl Gebirgsarten im Töpserfeuer geprüftworden, wodurch uns denn merkwürdige Erscheinungen vonwiderspenstigem und leicht angegriffenem Gestein vorgekom-men. Wir haben davon eine Sammlung angeordnet, wobeidie ursprünglichen sowohl als die durch's Feuer gegangenenExemplare zusammengelegt und ordnungsmäßig mit Nummernbezeichnet sind.
Diese Gegenstände sämmtlich, wie sie vorliegen, bekanntzu machen und zu beschreiben, würde zu unnützer und unerfreu-licher Weitläufigkeit führen; wir werden daher nach den unsdurch die Erfahrung gewordenen Andeutungen weiter schrei-ten und, unter Beistand des Herrn Hofrath Döbereiner,das Unterrichtende in überdachter Folge vorzulegen bemüht seyn.
Marienbad überhaupt, und besonders inRücksicht auf Geologie.
1821.
Wir haben uns so viele Jahre mit -Carlsbad beschäftigt,uns um die Gebirgserzeugnisse der dortigen Gegend gemüht,und erreichen zuletzt den schönen Zweck, das mühsam Erforschteund sorgfältig Geordnete auch den Nachkommen zu erhalten.Ein ähnliches wünschten wir für Marienbad, wo nicht zuleisten, doch vorzubereiten, und deßhalb sey ohne weiteres zumWerke geschritten.
Zuvörderst also möge von der Lage des Stiftes Tepel dieRede seyn, dessen Polhöhe 49" 58^ 53" bestimmt worden.Ferner hat man durch Erfahrung und Rechnung gefunden, daßdasselbe 242 Pariser Klafter höher als die Königliche Stern-warte zu Prag gelegen sey. Ist nun zugleich avsgemittelt,daß die äußerste Felsenspitze des Podhora (Podhornbergs), audessen östlichem Fuße Tepel gelegen, um 324 Pariser Klafterüber gedachte Präger Sternwarte hervorragt, so folgt dieUeberzeugung, daß man sich auf einem der höchsten Punkte vonBöhmen befinde.
Dieß bestätigt die weite Aussicht, deren man schon aufeiner Mittelhöhe genießt, ingleichen der Lauf sämmtlicher amgenannten Berg entspringenden Gewässer: denn an der östlichenSeite des Rückens gießen mehrere Quellen ihre Wasser erstostwärts nach dem Stifte zu, und laufen sodann, nachdem sieverschiedene Teiche gebildet, vereint, und nun Tepel genannt,unter Carlsbad in die Eger; andere nicht weit abliegende ander Westseite, nur durch geringe Erhöhung gesonderte Quellenergießen dagegen sich südwärts, bis sie endlich, mit vielen Bächenund kleinen Flüssen vereinigt, in der Gegend von Pilsen denNamen Beraun erhalten.
Nun aber bemerken wir, daß nachstehender Vortrag in
Gegenwart von Kefersteins erster Karte geschieht, welche gleich-falls vorzunehmen der Leser freundlichst ersucht wird.
Die Urgebirgsmasse, welche den Raum von Carlsbad bishierher einnimmt, südwestwärts mit dem Fichtelberg, nordost-wärts mit dem Erzgebirge zusammenhängt, begreift vielfacheAusweichungen des Grundgesteins und Einlagerungen ver-wandten Gesteins, dessen Abänderungen wir bei und um Carls-bad weitläufig behandelt, bis Schlackenwalde verfolgt, und'nun den dortigen Punkten von hier aus entgegenzugehen ge-denken. Auch hier beginnen wir, den Grund einer Sammlungzu legen, indem wir einen vorläufigen Katalog mittheilen/um einen jeden zu eigenem Aufsuchen und Forschen zu ver-anlassen.
Wir haben jedoch bei Verfassung des Katalogs nicht dieVortheile wie in Carlsbad, wo die Felsen überall steil, aus-gesprochen von Natur oder durch Steinbrüche aufgeschlossen,und von mehrern Seiten zugänglich gefunden werden; in demKessel aber — wenn man das Local so nennen soll, worinMarienbad liegt — so wie in der Umgegend, ist alles in Rasen,Moor und Moos verhüllt, von Bäumen überwurzelt, durchHolz - und Blättererde verdeckt, so daß man nur hie und daMusterstücke hervorragen steht. Zwar kommt das jetzige Ter-rassiren, die mehr gangbaren Steinbrüche und sonstige Rührig-keit des Ortes dem Forscher zu Hülfe, doch tastet er nur in dernähern und fernern Localität schwankend umher, bis ein weiteresUntersuchen ihm auslangende Aufschlüsse gewähren kann.
Wir bemerken jedoch vorläufig, daß große Abänderlichkeit,das Schwanken der Urbildung gegen dieses und jenes Gestaltenhier ausfallend und merkwürdig sey. So kommen partielleAbweichungen vor, die wir nicht recht zu benennen wissen;nicht etwa gangweise, sondern mit der Schichtung des Granits,wie er sich in mehr oder weniger gesenkte Bänke trennt, gehteine solche veränderte Bank, parallel sich hüben und drübenanschließend, fort, und zeichnet sich dadurch aus, daß sie einemehr oder minder abweichende Steiuart bildet, einen Schrift-granit, oder gegen Jaspis, Chalcedon, Achat hingeneigt, wiewir bei einzelnen Nummern andeuten wollen.
Im ganzen aber ist hier noch ausznsprechen, daß wie dieUrbildung sich in allen Welttheileu gleich verhält, also auchhier um so mehr dieselben Phänomene vorkommen müssen,welche bei Carlsbad zu bemerken gewesen; deßhalb wir unskünftig auf die dort beliebten Nummern beziehen werden.
Anleitender Katalog.
Granit betrachten wir als den Grund hiesiger Höhen; manfindet ihn, gegenwärtig durch Baurnlagen entblößt, anstehendals Felsmasse, und zwar an dem Hauptspaziergange, wo ebendie Mauer vorgezogen wird; ferner in dem Gräflich Klebels-bergischen Hof, wo er gleichfalls abgestuft zu sehen war, indemman die abschließende Mauer aufzuführen sich beeilte.
Da aber diese Stellen nach und nach verbaut werden, sohat man ihn künftig in den Steinbrüchen hinter und über derApotheke zu suchen; nach jetzigen Beobachtungen aber darf maudiesen Granit als eine große, gegen Norden ansteigende Masseansehen, welche gegenwärtig in Terrassen geschnitten wird.
1) Er ist von mittelmäßigem Korn, enthält aber bedeutendeZwillingskrystalle, nicht weniger reine Quarztheile von mäßigerGröße.