Mineralogie
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1821.
Schon seit seiner ersten Erscheinung hat uns dieses Werkaus mehr als Eine Weise beschäftigt. Man sieht hier den höch-sten durch Europa sich schlangelnden Gebirgskamm, welcherdurchgängig die Wasserscheide macht und die Flüsse entwedernach Nordwest oder Südost zu strömen nöthigt. Er beginnt amsüdwestlichen Ende unseres Welttheils, in Spanien, und bildet,einigemal hin und her gehend, die solide Halbinsel; sodannstreicht er Zickzack, in größern oder mindern Abweichungen,diagonal durch die Karte, so daß wir ihn endlich nordöstlich inRußland noch immer antreffen.
Wir haben diese Schlangenlinie, wie sie nach DeutschlandHineintritt, aus die Kefersteinsche Karte gezeichnet, und betrach-ten sie oft mit Aufmerksamkeit. Hier eine flüchtige Andeutungihres Ganges, um die Liebhaber aufzumuntern, ihrer geogno-stischen Karte ein gleiches Interesse zu geben. Sie geht vomSimplon auf den Gotthard bis an's Vorarlbergische immergranitisch; dann über Schiefer und Alpenkalk in den Quader-sandstein , über dem Bodensee weg, und nöthigt den Rhein,von da sich westwärts zu wenden; sie tritt in's Würtembergische,geht über Schiefer, rothen Sandstein auf den Schwarzwald,wo sie wieder granitisch wird, und indessen links der Rheinseine Zuflüsse daher erhält, rechts die Region der Donau vor-bereitet wird; sodann als wenn sie sich besänne, daß sie vondem vorgeschriebenen Wege zu weit abgelenkt, wendet sie sichüber den rothen Sandstein in den Schiefer, zieht über dierauhe Alp, sich am Schiefer lange haltend, zwischen Ellwangenund Dünkelsbühl durch, abwechselnd über Quadersandstcin,Schiefer und bunten Sandstein bis nach Rothenburg, wo einemerkwürdige Scheide gebildet ist, die ihre Wasser mittelbar inden Main und Rhein, rechts aber unmittelbar in die Donausendet. Dann schlängelt sich die Linie durch den bunten Sand-stein in den Schiefer, läßt Ansbach, Schwabach, Nürnberglinks, schickt die Rednitz nach dem Main, steigt über den buntenSandstein bis zum Granit des Fichtelbergs, und sendet vondort die Stab zur Donau. Sodann wendet sie sich stracks, erstabwechselnd zwischen Schiefer und Granit, nach Böhmen, undverfolgt lange, immer granitisch, die südöstliche Richtung,-steigtsodann wieder gegen Nordost, bildet nordwärts die Regionender Eger, Moldau und Elbe. Endlich tritt sie in Mähren anden Schiefer der Sudeten und gelangt zum Granit des karpa-thischen Gebirges, wo wir sie bei Jablunka verlassen.
Wie fruchtbar eine solche Betrachtung sey, darf man Ein-sichtigen nicht erst anpreisen; doch werden sich künftig auch vonunserer Seite hierüber noch manche Gedanken entwickeln lassen.
D'Äubisson de Voijins Geognosie,
übersetzt von Wiemann. Erster Band. Dresden 1821.
1821.
Auch dieses Werk verfehlen wir nicht sogleich in unsernNutzen zu ziehen; es verspricht uns schon auf dem Titel eine
und Geologie.
Darstellung der jetzigen Kenntnisse in diesem Fach oder viel-mehr weitem Kreise. Der erste Band liefert uns vorzüglichNomenclatur, wodurch wir denn in den Fall gesetzt werden,uns über die Erscheinungen im allgemeinen zu verständigen,was und wie man es vorgetragen, zu erfahren, wo wir gleichdenken, beizustimmen, wo wir eine andere Vorstellung haben,solches zu bemerken; wir finden einen ernsten, festen Grundund Mittelpunkt, woran sich Altes und Neues anzuschließenaufgerufen wird; das Allgemeine der Erscheinungen wird unsgesichert.
Nun, zum Ueberflusse vielleicht, bemerke ich, daß die Hefte,Schriften und Bücher, deren ich erwähne, in einem eigenenSinne aufgefaßt sind; denn wenn ich davon spreche, gebe ichnicht etwa eine Anzeige des Inhalts, noch eine Würdigungdessen, was sie leisten und liefern, viel weniger ein Aufzählendes Mangelnden und Nachzubringenden; dieses alles überlasseich andern Behörden: ich erwähne nur solcher Arbeiten, größe-rer oder kleinerer, in sofern sie mich im Augenblicks berühren,mich fördern, einen Wunsch erfüllen oder nnr eine Thätigkeiterleichtern. Ich danke ihnen daher auch als für ein Erlebtes,mir in meinem eigenen Sinne Erfreuliches; denn allem dem,was uns widersteht oder widerstrebt, können wir unmöglichdanken, als sehr spät, und in sofern es uns auf die rechtenWege genöthigt hat.
Wie wir Menschen in allem Praktischen auf ein gewissesMittlere gewiesen sind, so ist es auch im Erkennen. Die Mitte,von da aus gerechnet, wo wir stehen, erlaubt wohl auf- undabwärts mit Blick und Handeln uns zu bewegen; nur Anfangund Ende erreichen wir nie, weder mit Gedanken noch Thun;daher es räthlich ist, sich zeitig davon loszusagen.
Eben dieß gilt von der Geognosie: das mittlere Wirken derWeltgenese sehen wir leidlich klar, und vertragen uns ziemlichdarüber; Anfang und Ende dagegen, jener in den Granit,dieses in den Basalt gesetzt, werden uns ewig problematischbleiben.
Wenn bei einem problematischen, verschiedene Ansichtenzulassenden Gegenstand eine Vorstellungsart didaktisch geworden,so fragt sich, was man gewinnt, indem man eine gegen dieandere vertauscht? Wenn ich statt Granitgneis sage Gneis-granit, so wird nur evident, daß beide Gebirgsarten, als nahverwandt, in einander übergehend gefunden werden, so daßwir bald den einen, bald den andern Ausdruck zu gebrauchenuns veranlaßt glauben.
Wie ich darüber denke, habe ich bereits ausgesprochen, wo-bei ich verbleibe, und wenn ich auch nur dadurch einen stetigableitenden Vortrag gewönne; denn alles, was wir von derNatur prädiciren, ist doch nur Vortrag, womit wir erst uns,sodann unsern Schülern genugzuthun gedenken.
Warum ich zuletzt am liebsten mit der Natur verkehre, ist,weil sie immer Recht hat, und der Irrthum bloß auf meinerSeite seyn kann. Verhandle ich hingegen mit Menschen, so