Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Mineralogie und Geologie.

Der Weg von Eger nach Sandau geht über ungeheure An- sHäufungen von Quarzgeschieben, oder vielmehr kleiner Quarz-trümmer, und ist deßwegen, so wie die darauf folgende Kunst-straße, bequem fahrbar; das am Fuß sich ausbreitende Thalliegt so flach, daß man nicht zu unterscheiden weiß, wohin diewenigen Wasser ziehen. Kurz vor Sandau gehen die leicht zer-trümmerbaren Quarzfelsen zu Tage aus; hinter dem Orte er- ,scheinen bald hervorstehende Reste von Granit, die uns hierwie an mehrern Orten zeigen, daß eine große reine Quarz- ^sormation den Granit begleite. !

Keferstein setzt in Böhmen den rothen Sandstein zwischenPodhorsam und Rakonitz, wie die gelbrothe Farbe auf der iKarte deutlich ausdrückt; diese Formation zieht sich nach Westen !fast bis gegen Buchau und greift also aus dem Rakonitzer in jden Saatzer Kreis. Nun wollen wir von einer verwandtenGebirgsart, dem Weißliegenden im benachbarten PilsenerKreise, einige Kenntniß geben, ob wir gleich nicht bestimmenkönnen, in wiefern sie mit dem Rothliegenden unmittelbar zu-sammenstoße.

Zwischen den Herrschaften Theising und Breitenstein findensich vom Weißliegenden drei Brüche, zu Drachau, Kamena-hora (Steiuberg), Bothstuhra; sie liefern seit langer Zeit Mühl-steine für einen großen Theil von Böhmen, auch werden solchein das Ausland verführt: man bricht sie von der feinkörnigstenArt bis zu der grobkörnigsten, in welcher letztem große Ge-schiebe mit eingebacken sind; das Bindungsmittel ist zum TheilPorcellanerde; sie haben die nöthige Härte und lassen sich gutschärfen.

In der Müller-Knollschen Sammlung sind sie unter Nr. 97eingeführt. Jeder in dieser Gegend Reisende kann sich vonsolcher wirklich interessanten Gebirgsart die mannichfaltigsteuExemplare verschaffen, wenn er von den alten MühlsteinenStücke herunterschlägt, welche in der Nähe von jeder Mühleumherliegend und eingepflastert gefunden werden. In Sandauist eine Niederlage frischer Mühlsteine.

Ferner sollen in Rokizan auch Mühlsteine gefördert werden,vop einer Gebirgsart, welche auch zu Schrittplatten au denHäusern hergelegt werden. Ich habe keine Beispiele davon ge-sehen: der Karte nach müßte es eine neuere Formation seyn,vielleicht festere Bänke des Sandsteins, der in der Gegend dieKohlen bedeckt.

Die Herrschaft Walsch im Rakonitzer Kreise ist der Aufmerk-samkeit des Geognosten werth: daselbst kommt Hyalith vor, aufThonschieferklüften, und zwar auf dem Schafberge daselbst;auch finden sich in gedachter Herrschaft im Kalkschieser größereund kleinere Fische, ja Blätter. Eine Formation, die also wohlder Oeninger zu vergleichen wäre.

Der sogenannte Bouteillenstein wird gefunden zu Kornhausbei Schlan.

Was ich schon vor Jahren gehört, was sich mir aber nichtbestätigt hatte, daß bei Lessau, zwischen Larlsbad und Schlacken«werth, fossile Mammalienknochen sich gesunden hätten, wardmir wieder erzählt.

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Sonntag den 28. Juli.

In der Tiefe des Thals, zwischen Gibacht und Siehdichfür,ließ Fürst Metternich einen hohen Brückenbogen errichten, umder Chaussee von beiden Seiten gelindern Abhang geben zukönnen; alles ist noch im Werden, außer der Brücke. Als wiruns nun derselben näherten, fanden wir einen großen, läng-lich-viereckten Block des festesten Sandsteins mitten im Wegeabgeladen, den wir sogleich als ein Erzeugniß außerböhmischerFormation anerkannten.

Auf Erkundigung erfuhren wir, daß diese Masse von Ber-neck aus dem Bayerischen hierher geschafft sey, bestimmt, aufder Brücke aufgestellt zu werden, mit bezeichnender Inschrift,wem man die Verbesserung des Wegs und die leichtere Lom-munication zu danken habe.

Die Schwierigkeit des Transports dieser Masse war groß,wie sie denn auch bei Eger schon einmal strandete. Wir freutenuns der geologischen Einsicht, daß wir diese Steinart sogleichausländisch angesprochen, und als uns Kefersteins Karte in denbunten Sandstein wies, fanden wir uns durchaus befriedigt.

Brand schiefer.

1821.

Hellbraun, zimmetfarben, biegsam bis auf einen gewissenGrad in sehr dünne Blätter zu trennen. Auf seinen Ablösungenzeigen sich Larven von Wasserthieren, auch glaubt man Gras-halmen darin zu entdecken. Durch die Linse betrachtet, scheinter fast ganz aus den feinsten Glimmertheilchen zu bestehen,daher denn auch wohl seine Theilbarkeit.

An der Kerzenflamme leicht entzündlich, nicht lange fort-brenneud, vielen Ruß entwickelnd und einen eigenthümlichen,durchdringenden, aber nicht widerwärtigen Geruch. JmTöpfer-feuer verliert er seine Biegsamkeit, schwillt wellenförmig auf,und ob er gleich theilweise zusammensintert, kommt doch hierseine gränzenlose Theilbarkeit erst recht zum Vorschein.

Da unsere Freunde dieses Mineral für interessant an-sprachen , so möchten wir sie gern an Ort und Stelle des Vor-kommens hinweisen, welches aber einige Schwierigkeit hat.Wir fanden ihn in Böhmen, Elbogener Kreis, eine Stundeüber Zwotau nach Carlsbad hin; da kommt man an einemTeich vorbei ; denselben links lassend, bergunter, durch einzelnstehende Kiefern in eine Tiefe. Da führt ein Steg über einbeinahe stillstehendes Wasser, und von da an geht, an einerSandhöhe, die Straße bergauf. Links ist nun ein Kiefer- undFichtenwald, in diesem findet sich fünfzig bis hundert Schrittehinein eine Schlucht, vom Wasser gerissen, wo dieser Schieferan der rechten Seite vorsieht; es sind mehrere Lager, die zu-sammen wohl zwei Lachtern und darüber mächtig seyn können.Wenn man sich bei vorstehender Beschreibung vielleicht jener.Andeutungen erinnern dürfte, womit Reineke Fuchs den KönigNobel, zwischen Kreckelboru und Hiisterlo, an die Stelle ge-wiesen, wo der wichtige Schatz zu finden seyn sollte, so müssenwir die Naturfreunde um Verzeihung bitten; man verlangtevon uns die genaueste Bestimmung, und wir haben sie nichtanders zu geben gewußt.