Mineralogie und Geologie,
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Zur Geognojie und Topographie von Löhmen.
1821 ,
Bei Betrachtung der Geognosie von Böhmen, eines König-reichs, das sich vollkommen abgeschlossen zeigt, das, rings vonGebirgen umgeben, seine ausströmenden Gewässer fast allenur eigenen Quellen verdankt, ist höchst merkwürdig zu beob-achten, wo sich doch wohl irgend eine Ausnahme finden möchte?Wir wenden uns zuerst an die Eger, die, in Bayern ent-sprungen, schon als bedeutendes Wasser nach Böhmen eintritt,sodann zur Wondra, dem Bache, der, gleichfalls in Bayernentspringend, doch in Böhmen als der erste sich mit der Egervereinigt.
Müssen nun bei allen Untersuchungen der jetzigen Erd-oberfläche, und besonders des nutzbaren Theils, dessen Werthuns so nahe liegt, die Restagnationen des uralten Meers unsereAufmerksamkeit reizen, so haben wir die Einbildungskraft biszu jener Zeit zurückzuführen, wo das Böhmische Binnenmeerbis an den Fichtelberg reichte, und dort, mit Vor- und Zurück-treten, gar manche, jetzt reichlich fruchttragende Flächen bildete.Nachfolgendes möge hierzu eine Einleitung seyn.
Fahrt nach Pograd.
Freitag, den 26. Juli 1822. Wir fuhren von Eger absüdwärts; der Weg geht durch aufgeschwemmtes Erdreich,worin sich neben den losen Kieseln auch Breccien finden. Zu-fällig trafen wir eine von weißen, größern und kleinern Quarz-kieseln, durch ein Bindungsmittel von schmalem, zartem Braun-eisenstein zusammengekittet.
Die Eiiengruben, auf die wir unsere Fahrt gerichtet, sindunsern Pograd in einem aufgeschwemmten, von Glimmer-schiefer herzuleitenden Gerölle. Die eine Grube war sechsWachtern tief. Erst trifft man auf ein weißgilbliches, thon-artiges, gebröckeltes Gestein; in weniger Tiefe finden sich dieEisensteine, zufällig zerstreut. Ihre Entstehung erklärt mansich wohl: ein überall flüssig vorhandener Eisengehalt durch-dringt das Aufgeschwemmte und verkörpert es zu größern undkleinern Breccienmassen. Sie liegen als Knollen, oft con-centrisch anzusehen; der größte dießmal vorhandene ovalemochte im Durchschnitt eine Elle seyn; auch hier war das zumGrunde liegende zusammengebackene Conglomerat gar wohlerkennbar. Dieser Eisenstein ist hell- und dunkelbraun. DieArbeiter zeigten aber auch einen eingeschlossenen weißen, densie für besonders reichhaltig erklärten.
In diesem Conglomerat und neben demselben findet sichHolz, zerstückt, zerstreut, mit dem Gestein verwachsen, auchversteint. Wenn nun in der frühesten Zeit ein solches branu-kohlenartiges Holz vom Eisengehalt ergriffen ward, so durch-drang er dasselbe und verwandelte solches in seine Natur;wovon mir sehr schöne Stücke schon in Marienbad zu Theilwurden. Es enthält in hundert Theilen 62,7 metallisches Eisen.
Man machte uns eine über dem Bach liegende Halde be-merklich; dort hatten sie einen Stollen in den abhängigen Hügelgetrieben, und in dem fünfzehnten Lachter einen quer liegendenBaum durchführen, der noch zu beiden Seiten ansteht. Auchhiervon find mir bedeutende Exemplare früher verehrt worden,die mich eigentlich auf diese Gegend aufmerksam gemacht.
Pograd ist eine Herrschaft, Herrn Joseph Gabler, Rittervon Adlersfeld, gehörig; das Flüßchen Wondra fließt vorbei,worin der Bach Kidron, von Kinsberg herabkommend, sicheinmündet. Die Gegend ist ungleich, kleinhügelich, auf ein-gesperrte ruhige Wasser der Urzeit hindeutend.
Das Flüßchen Wondra giebt uns bei geologischen Be-trachtungen manchen Aufschluß; es kommt aus der Oberpfalz,und zeigt an, daß der höchste Rücken der Europäischen Wasser-scheide an dieser Stelle durch Bayern gehe.
Der Bach Kidron hat wahrscheinlich seinen Namen denzweiunddreißig Stationen zu danken, die sich hier dem linkenUfer nähern; chiese.', vor uralten Zeiten errichtet, nach aufge-hobenen Klöstern in Verfall gerathen, wurden im Verlauf derletzten Jahre durch eine alte Frau, die ein gesammeltes Al-mosen hierzu verwendete, vollkommen wieder hergestellt. Schonim vorigen Jahre erzählte mir der Postillon von Eger aufSandau mit frommer Bewunderung, wie das gute Mütterchenan der ersten Station bettelnd so lange verharrt und gespart,bis sie, dieselbe herzustellen, Maurer, Tüncher, MalerundVergolder zu bezahlen im Stande gewesen. Eben so habe sie beider zweiten verfahren, da sich denn schon reichlichere Gaben undHülfsarbeiten hinzugesellt, bis sie nach und nach durchgereichtund nunmehr Anstalten mache, die letzte Hand daran zu legen.
Wir besuchten also den Oelberg, welcher als Schluß undGipfel der ganzen frommen Anstalt zu betrachten ist; auch dieserwird bald fertig seyn, wie man denn alles schon dazu in Bereit-schaft hielt. Sauber zugehauene Granitpfosten, worin dieLatten des Geheges eingelassen werden sollen, liegen umher,und man sieht an den Splittern, daß Steinhauer daran be-schäftigt sind, sie. in's Reine zu arbeiten; auch finden sich frischeHaufen Thonschiefer zu irgend einem Mauerwerk. Offenbarist dieses der Granit, welcher bei Sandau gebrochen wird (Nr.28 unseres Marienbader Verzeichnisses), wahrscheinlich durchBittfuhren herbeigebracht, wie denn auch der eigentliche Oel-bergshügel bald wieder eingehegt und den Garten Gethsemanedarzustellen geeignet seyn wird.
Die Jünger schlafen noch im Grase von alten Zeiten hermit bunten Gewändern, fleischfarbenen Gesichtern, braunenund schwarzen Bärten, daß man davor erschrecken könnte; dertröstende Engel nimmt noch den Gipfel ein, aber den Rückenkehrt ihm der von seiner Stelle geschobene Heiland; auch dieserist von Stein und angemalt, nur die betenden Hände fehlen,welche gewiß nächstens restaurirt werden.
Indessen spricht in einer nächsten Halle Judas' Verrath undChristi Gefangennehmung, schön aufgefrischt, die Augen lebhaftan. Und so sehen wir in frommer Beharrlichkeit eine bejahrteBettlerin dasjenige wieder herstellen, was Mönche mit deinRücken ansahen, da sie sich selbst nicht mehr erhalten konnten.Beobachten wir doch auch hier, wie alles zu seinem An-fange zurückkehrt! Die ersten Stifter vieler nachher so hochbeglückten geistlichen Anstalten waren einzelne Einsiedler undBettler; wer weiß, was sich hier für die Zukunft gründet?Nächsten grünen Donnerstag wird sich gewiß ein großer Zulaufeinfinden.
Unter diesen Betrachtungen sah man auf dem Berge gegen-über St. Laurette liegen, ein Nonnenkloster, das munter in der