Mineralogie und Geologie
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Schweißens, welches mir, nach meinem obigen Bekenntnisse,durchaus widerwärtig von jeher erscheinen mußte.
Nun aber lese ich in den neuesten Französischen Tages-blättern, daß dieses Heben und Schieben nicht auf einmal, son-dern in vier Epochen geschehen. Voraus wird gesetzt, daß unterdem alten Meere alles ruhig und ordentlich zugegangen, daßaber zuerst der Jurakalk und die ältesten Versteinerungen in dieHöhe gehoben worden, nach einiger Zeit denn das Sächsisch-Böhmische Erzgebirg, die Pyrenäen und Apenninen sich erhobenhaben, sodann aber zum dritten - und letztenmal die höchstenBerge Savoyens, und also der Montblanc, hervorgetretenseyen. Dieses von Herrn Elie de Beaumont vorgetrageneSystem wird am 28. October 1829 der Französischen Akademievon der Untersuchungscommifsion zu beifälliger Aufnahme undFörderung bestens empfohlen. Ich aber leugne nicht, daß esmir gerade vorkommt, als wenn irgend ein Christlicher Bischofeinige Wedams für kanonische Bücher erklären wollte.
Da ich hier nur Confessionen niederschreibe, so ist nur vonmir und meiner Denkweise die Rede. Es ist nicht das erstemalin meinem Leben, daß ich das, was andern denkbar ist, unmög-lich in meine Denk- und Fassungskraft aufzunehmen vermag.
Wenn ich aber zu meinem Anfang zurückkehre und nun ihrWerk betrachte, so sehe ich, daß sie von der allgemeinsten Seitein dieses Geschäft hereingegangen sind; Astronomie, PhysischeGeographie, Physik, Chemie , und was sonst noch allgemein ist,waltet über das Ganze, und dient zu Unterstützung jeder ihrerSchritte. Ich hatte schon Kenntniß von der ersten Ausgabe undbeschäftige mich dankbar mit der gegenwärtigen, ungewiß, wasich daraus mir aneignen und in meine gegen diese ungeheuernAllgemeinheiten beinahe abgeschlossenen Richtungen werde be-nutzen könnern Auf alle Fälle sind einige Capitel mir schonhöchst belehrend gewesen, da ihre ausgebreiteten Studien sichüber das Neueste der Entdeckungen erstrecken, denen ich inmeiner Lage nicht folgen kann.
Die Verlegenheit kann vielleicht nicht größer gedacht wer-den als die, in der sich gegenwärtig ein fünfzigjähriger Schülerund treuer Anhänger der so wohl gegründet scheinenden alsüber die ganze Welt verbreiteten Wernerschen Lehre findenmuß, wenn er, aus seiner ruhigen Ueberzeugung aufgeschreckt,von allen Seiten das Gegentheil derselben zu vernehmen hat.
Der Granit war ihm bisher die feste, unerschiitterte Basis,aus welcher die ganze bekannte Erdoberfläche ihren Ruhestandnahm; er suchte sich die Einlagerungen und Ausweichungendieses wichtigen Gesteins deutlich zu machen; er schritt überSchiefer nndUrkalk, unterwegs auch wohl Porphyr antreffend,zum rothen Sandstein, und musterte von da manches Flöz zeit-gemäß, wie es die Erscheinungen andeuten wollten. Und sowandelte er auf dem ehemals wasserbedeckten, nach und nachentwässerten Erdboden in folgerechter Beruhigung. Traf erauf die Gewalt der Vulcane, so erschienen ihm solche nur alsnoch immer fortdauernde, aber oberflächliche Spätlingswirkungder Natur. Nun aber scheint alles ganz anders herzugehen; ervernimmt, Schweden und Norwegen möchten sich wohl gelegent-lich aus dem Meere eine gute Strecke emporgehoben haben,die Ungarischen Bergwerke sollten ihre Schätze von untenaufeinströmenden Wirkungen verdanken, und der Porphyr Tyrols
solle den Alpenkalk durchbrochen und den Dolomit mit sich in dieHöhe genommen haben — Wirkungen freilich der tiefsten Vor-zeit, die kein Auge jemals in Bewegung gesehen, noch wenigerirgend ein Ohr den Tumult, den sie erregten, vernommen hat.
Was sieht denn hier also ein Mitglied der alten Schule?Uebertragungen von einem Phänomen zum andern, sprung-weise angewendete Induktionen und Analogien, Assertionen,die man auf Treu' und Glauben annehmen soll.
Wiederholt viele Jahre schaute ich mir die Felsen desHarzes, des Thüringer Waldes, Fichtelgebirges, Böhmens,der Schweiz und Savoyens an, ehe ich auszusprechen wagte,unser Ur- oder Grundgebirg habe sich aus der ersten großenchaotischen Infusion krystallinisch gebildet, und seyen also allejene Zacken und Hörner, alle Bergrücken und die zwischenihnen leer gebliebenen Thäler und Schluchten nicht zu bewun-dern, oder sonst woher abzuleiten als aus jener ersten großenNaturwirkung. Eben so betrachtete ich ferner das Uebergangs-gebirg, und konnte durchaus das Bestreben selbst der größtenMassen zu gewissen Gestaltungen nicht mehr zweifelhaft finden.Die dem Ursprung gleichzeitigen Gänge und die Verrückungenderselben klärten sich auf; die Uebergänge, Anlagerungen, undwas sonst vorkommen konnte, ward sorgfältig und wiederholtbeobachtet, bis zuletzt die Flöze, sogar mit ihrem Inhalt vonKohlenversteinerungen, sich naturgemäß rationell anschlössen,wobei man freilich nicht übereilt verfahren durste.
Alles, was ich hier ausspreche, habe ich wiederholt und an-haltend geschaut; ich habe, damit ja die Bilder im Gedächtnißsich nicht auslöschen, die genauesten Zeichnungen veranstaltet,und so habe ich, bezüglich auf den Theil der Erde, den ich be-obachtet, immer Regelmäßigkeit und Folge, und zwar überein-stimmend an mehrern Orten und Enden, gefunden.
Nach diesem Lebens- und Untersuchungsgange, wo nurBeständiges zu meinem Anschauen gekommen, da denn selbstder problematische Basalt als geregelt und in der Folge noth-wendig erscheinen mußte, kann ich denn meine Sinnesweisenicht ändern, zu Lieb' einer Lehre, die von einer entgegen-gesetzten Anschauung ausgeht, wo von gar nichts Festem undRegelmäßigem mehr die Rede ist, sondern von zufälligen, un-zusammcnhängenden Ereignissen. Nach meinem Anschauenbaute sich die Erde aus sich selbst aus; hier erscheint sie überallgeborsten, und diese Klüfte aus unbekannten Tiefen von untenherauf ausgefüllt.
Durch dieses Bekenntniß gedenke ich keineswegs mich alsWidersacher der neuern Lehre zu zeigen, sondern auch hier dieRechte meines gegenständlichen Denkens zu behaupten, wobeiich denn wohl zugeben will, daß, wenn ich von jeher, wie dieNeuern, die mit so großer Uebereinstimmung ihre These be-haupten, auch ausAuvergne oder wohl gar von den Andenmeine Anschauung hätte gewinnen und das, was mir jetzt alsAusnahme in der Natur vorkommt, mir als Regel hätte ein-drücken können, ich wohl auch in völligem Einklang mit der jetztgangbaren Lehre mich befunden hätte.
Gar manches wäre noch zu sagen, allein ich schließe, indemich die Meinung eines Wohlwollenden, oder vielmehr die Art sichauszudrücken, inir zu eigen gemacht; er hat mich über mich selbstmehr aufgeklärt, den Grund und die Folge meines Daseyns michbesser fühlen lassen, als ich ohne dieß kaum je erreicht hätte.