Mineralog!« und Geologie.
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Unbeschadet des Glaubens an eine fortschreitende Cultur,ließ sich, wie in der Weltgeschichte, so in der Geschichte derWissenschaften, gar wohl bemerken, daß der menschliche Geistsich in einem gewissen Kreise von Denk- und Vorstellungsartenhermnbewege. Man mag sich noch so sehr bemühen, man kommtnach vielen Umwegen immer in demselben Kreise auf einen ge-wissen Punkt zurück.
Pater Kircher, um gewisse geologische Phänomene zu er-klären, legt mitten im Erdball ein Pyrophylakium an, unddaneben herum manche Hydrophylakien. Da ist denn allesfertig und bei der Hand. Die kalten Quellen entspringen fernvon der Feuergluth; die lauen schon etwas näher; die heißenganz nahe, und diese müssen einen unendlichen Grad von Hitzeannehmen, da sie noch siedend bleiben, nachdem sie einige tau-send Fuß sich durch das festeste Grundgestein durchgeschlnngenhaben. Braucht man einen Bulcan, so läßt man die Gluthselbst durch die geborstene Erde durchbrechen, und alles gehtseinen natürlichen Gang.
Dieser ältern anfänglichen Vorstellung ist die neuere ganzgleich. Man nimmt eine Feuergluth an unter unserm Ur- undGrundgebirge, die hie und da sich andeutet, ja hervorbricht,und überall hervorbrechen würde, wenn die Urgebirgsmaffennicht so schwer waren, daß sie nicht gehoben werden können.Und so sucht man überall problematische Data dahin zu deuten,daß dieses ein - oder das anderem«! geschehen sey.
Kirchers Pyrophylakium ist in allen Ehren und Würdenwieder hergestellt; das Hydrophylakium ist auch gleich wiederbei der Hand: die lauen und heißen Quellen sind oben schonerklärt, und diese Erklärung des Jesuiten im siebzehnten Jahr-hundert ist so faßlich, daß in der ersten Hälfte des achtzehntender Verfasser der ^musemeirs ckes eaux cke 8pa, zu Ver-ständigung und Unterhaltung der dortigen Curgäste, sie zwischenLiebes - und Spielabentheuern und andern romanhaften Ereig-nissen mit der größten Gemüthsruhe und Sicherheit vorträgt.
Livx 6oktl.
1829 .
Die Englische Nation hat darin einen großen Vorzug vorandern, daß ihre wissenschaftlichen Männer das in's GanzeVersammelte, so wie das einzeln Gefundene baldmöglichst inThätigkeit z:.: bringen suchen; am sichersten kann dieß geschehendurch allgemeine Verbreitung des Gewußten. Hierzu ver-schmähen sie kein Mittel, und es möchte vielleicht wunderlichscheinen, daß sie, indem andere Völkerschaften sich mit Streitund Zwist, was als Hypothese oder als Methode gelten soll,leidenschaftlich umhertreiben, sie durch Gedichte ernster undscherzhafter Art das, was jedermann wissen sollte, unter dieMenge bringen.
Didaktische Gedichte sind in England wohl aufgenommen;ein neueres, durchaus munteres und glücklich humoristischesverdient näher gekannt zu seyn. Es soll die geognostischenKenntnisse nicht etwa populär machen, sondern vielmehr geist-reiche Menschen zur Annäherung berufen. Uebrigens nehmensie den Gebirgsbau im Sinne der Wernerschen Schule, undmehr braucht auch ein frei umblickender Reisender nicht, umsich an vielen vorüberfliegenden Gegenständen zu interessiren.
Das Gedicht ist in drei Theilen geschrieben; der erste klivA6oal's I-ovee, or ^eologicsl eti^uetts (dv .lobn 6csle).
König Coal, der Beherrscher, um seiner Gemahlin Py-rite? zu gefallen, fordert die sämmtlichen Gebirgsarten vonEngland und Wallis durch ein gebieterisches Erdbeben zusam-men. Er, auf feinem schwarzen Throne sitzend, ernst und statt-lich , sie, munter und glänzend, präsidiren in dem Audienzsaal,der von glimmergeschmückten Wänden ein blendendes Gaslichtzurückwirft.
Die Gebirgsarten kommen; ihre Rangordnung ist festgesetzt.Herzog Granit kommt zuerst, angekündigt durch Gneis;jener, mit Würde einhertretend, wird vom König Coal be-grüßt, Gneis aber erscheint im verwitterten Zustande undPrägt keinen Respect ein. Hierauf tritt Marquis Schieferheran; er ist aber auch nicht in den besten Gesundheitsum-ständen. Hierauf kommt die Gräfin Porphyry als Wittwe;sie hat ihre Prachtgarderobe in Aegypten gelassen: die Königinspottet über ihre schlechte Tracht; der König erklärt sie füreine gelehrte Dame, die um ihren Anzug nicht genug be-sorgt sey.
Ein schöner Mann, grün gekleidet, vornehm, aber von ge-ringen Besitzungen, Graf Serpentin, erscheint. Dann trittDiscount Syenit hervor, jenem obengenannten Herzog Granitsehr ähnlich; er schien sich selbst zu gefallen: denn er besaßgroße Herrschaften, er war mit einem gewissen Hornblendeverwandt, einem trockenen Manne; sie waren aber beide sointime Freunde, daß wer den einen sah, den andern zu sehenglaubte.
Gras Grauwacke tritt kühnlich auf, tüchtigen Ansehens,mit sommerfleckigcm Gesichte. Der Zauberer Werner inSachsen hatte ihn auferzogen, und nun mit großem Selbstver-trauen macht er Ansprüche auf die Besitzungen des Thon-schiefers; der König meint jedoch, der Streit könne noch laugewähren.
Nachbar Wasserblei, ein weitläufiger Verwandter desKönigs, der überfein trauriges Schicksal, immer eingesperrtzu werden, melancholisch geworden, zeigt sich nur wenig imVorübergehen. Nun tritt ein bedeutender Mann, Sandsteinder ältere, nachdem er lange vergebens auf seinen Vetter,Sandstein den jüngern, gewartet, allein in die Audienz.Ihm folgt sogleich Sir Lorenz Urkalk, ein reichbegüterterHerr, unverheirathet, aber Freund von Miß Gypsum, dieer ihres Reichthums wegen wohl geheirathet hätte; doch ihresüße Nichte Selenit macht gleichfalls Ansprüche an ihn, dochhat sie keine Reichthümer zu erben, und dieß macht die Wahlzweifelhaft.
Die beiden Sandsteine machen auch Ansprüche an MißGypsum; der jüngere führt Salz in allen seinen Reden, wennauch kein Attisches; auch hat das Geschlecht Sandstein vieleSeitenverwandte, wovon die meisten nicht präsentabel sind,aber alle stolz, weil sie sich von dem großen Pair, Lord Quarz,Herschreiben.
Aber Sir Lorenz Urkalk ist bei Hofe wohlgesehen undvon ausgebreiteten Besitzungen; seine vier Söhne werdengleichfalls aufgeführt, und dabei Vetter Mergel nicht ver-gessen.
Nun aber entschuldigt Sir Lorenz seine Mutter, LadyMarmor, wegen ihrer entfernten Wohnung, worauf König