Meteorologie.
Wolkengestalt nach Howard.
1820 .
Vorwort.
Indem man sich zu einem Vortrag über irgend einen Gegen-stand anschickt, so ist es wohlgethan zu bedenken und sodannandern mitzutheilen, wie man auf die Betrachtung gerade dieses !Gegenstandes gekommen, und unter welchen Umständen mandemselben nach und nach mehrere Aufmerksamkeit zu widmenangeregt worden.
Mit kindlichem, jugendlich-frischem Sinn, bei einer städtisch-häuslichen Erziehung, blieb dem sehnsuchtsvollen Blick kaumeine andere Ausflucht als gegen die Atmosphäre. Der Sonnen-aufgang war durch Nachbarshäuser beschränkt, desto freier dieAbendseite, wie denn auch der Spaziergang sich wohl eher indie Nacht verlängert, als daß er dem Tag zuvorkommen sollte.Das Abklimmen des Lichtes bei heitern Abenden, der farbigeRückzug der nach und nach versinkenden Helle, das Andringender Nacht beschäftigte gar oft den einsamen Müßiggänger. Be-deutende Gewitterregen und Hagelstürme, die auch meist vonder Westseite heranziehen, erregten entschiedene Aufmerksamkeit,und es sind noch frühere Zeichnungen übrig in seltsamen Wolken-gebilden verschiedener Jahreszeiten. Weder dem Auge des Dich-ters noch des Malers können atmosphärische Erscheinungen je-mals fremd werden, und auf Reisen und Wanderungen sindsie eine bedeutende Beschäftigung, weil von trockenem undklarem Wetter auf dem Lande, so wie zur See von einemgünstigen Winde, das ganze Schicksal einer Ernst- oder Luft-fahrt oft allein abhängt.
In meinen Tagebüchern bemerkte ich daher manchmal eineFolge von atmosphärischen Erscheinungen, dann auch wiedereinzelne bedeutende Fälle; das Erfahrene jedoch zusammenzu-stellen fehlten mir Umsicht und wissenschaftliche Verknüpfungs-zweige. Erst als Seine Königliche Hoheit der Großherzog eineneigenen Apparat zur Meteorologie auf dem Rücken des Etters-berges errichten ließen, machten Höchstdieselben mich aufmerk-sam auf die von Howard bezeichneten und unter gewisseRubriken eingetheilten Wolkengestaltnngen. Ich verfehlte nicht,aus der Erinnerung, was mir früher bekannt geworden, her-vorzurufen, und erneuerte meine Aufmerksamkeit auf alles,was in der Atmosphäre den Augen bemerkbar seyn konnte.
Ich ergriff die Howardsche Terminologie mit Freuden, weil siemir einen Faden darreichte, den ich bisher vermißt hatte. Denganzen Complex der Witterungskunde, wie er tabellarisch durchZahlen und Zeichen aufgestellt wird, zu erfassen oder daranauf irgend eine Weise Theil zu nehmen, war meiner Naturunmöglich: ich freute mich daher, einen integrirenden Theilderselben meiner Neigung und Lebensweise angemessen zufinden, und weil in diesem unendlichen All alles in ewiger,sicherer Beziehung steht, eins das andere hervorbringt oderWechselsweise hervorgebracht wird, so schärfte ich meinen Blickauf das dem Sinne der Augen Erfaßliche, und gewöhnte mich,die Bezüge der atmosphärischen und irdischen Erscheinungenmit Barometer und Thermometer in Einklang zu setzen, ohnedergleichen Instrumente jederzeit bei der Hand zu haben.
Howards Terminologie.
Wenn man die Lehre Howards beim Beobachten wohlnutzen will, so muß man die von ihm bezeichneten Unterschiedefest im Auge behalten, und sich nicht irre machen lassen, wenngewisse schwankende Erscheinungen vorkommen; man übe sichvielmehr, dieselben auf die Hauptrubriken zurückzuführen.
Howards Terminologie wird hier aufgestellt, in der Ord-nung, wie die verschiedenen Wolkenformen Bezug auf die Erdeoder aus die Hähern Regionen haben mögen.
Stratus.
Hierunter werden alle diejenigen Wolken begriffen, welchesich streifen- oder schichtenweise zunächst auf die Erde beziehen.Von dem Nebelstreis an, der sich vom Sumpf oder feuchtenWiesen erhebt, und darüber eine Zeit lang schweben bleibt,bis zu den Streifen und Schichten, welche theils die Seitender Berge theils ihre Gipfel bedecken, kann alles mit diesemNamen bezeichnet werden. Da nun, wie gesagt, die horizontalgelagerten Wolken eine nächste Beziehung auf die Erde haben,so läßt sich bemerken, daß sie diese Form nur bis auf eine ge-wisse atmosphärische Höhe behalten. Ich vermuthe, daß sienicht über 1200 Toisen, das heißt höchstens bis an unsereSchneelinie, gelangen.
In dem Thal, wo die Rcuß nach dem Vierwaldstätter-Seefließt, habe ich sie gesehen, da denn diese Streifen, wie Soffiten