Meteorologie.
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Uhr gewaltsamer, allgemeiner Landregen, die ganze Nachthindurch.
Montag, den 22. Mai.
Früh um neun Uhr Andeutung einer Ausheilung, welcheauch mit Absätzen erfolgte; die untere Atmosphäre ward durchvorüberziehende und aufsteigende Nebel immer getrübt. Beidurchbrochenen Momenten beobachtete man höbere Wolken,welche sich steter zeigten. Dasselbige abwechselnd bis zur Nacht.
Dinstag, den 23. Mai.
Cumulus, weit und hochstehend, hellweiß und geballt.Regenwolken, drunter herziehend, selten Donner, wenig Regen.
Mittwoch, den 24. Mai.
Wie gestern; doch mehr zum Regen geneigt, und von Zeit zuZeit Regen, mit Donner begleitet. So dauerte es über Mittagbis gegen fünf Uhr, wie wir auf einer Fahrt nach dem Hornerfuhren. Nun klärte es sich auf, und Mends acht Uhr standder Mond hell am Himmel, später durch sehr leichte Wölkchengetrübt.
Donnerstag, den 25. Mai.
Heiterer Morgen, leichtes Gewölle den Tag über. StarkerWolkenzug in der höhern Region von Südwest her. Sehrwarm; ruhiger Abend. Herrliche Mondnacht.
Freitag, den 26. Mai.
Heller Morgen. Windstöße. Mehr bewölkt. Um drei Uhrsanfter Regen, Donner. Abwechselnd bis Abend. SchöneMondnacht, nicht so klar wie gestern.
Sonnabend, den 27. Mai.
Wolliger Cumulus, in Cirrus aufgelöst; dieser sich andinander reihend und steigend, jener wieder sich ballend undsinkend. Diese Erscheinungen glaubte man in drei Etagenüber einander vorgehen zu sehen. Immer mehr zur Auflösungder Wolken und zur Heiterkeit geneigt.
Sonntag, den 28. Mai. Rückreise.
Früh vier Uhr allgemeiner Landregen; um sechs Uhr brichtsich der Himmel, ohne jedoch Blau sehen zu lassen. Der Regenpausirt. Starker Wolkenzug vom Erzgebirge her, deßgleichenüber den Horn in die Tepelregiou. Neun Uhr. Der Regenbeginnt wieder, wird sehr stark mit Nordwcst. Zehn Uhr deckter uebelartig ferne und, verhältnißmäßig, auch nahe Gegen-stände. Eilf Uhr. Auf der Höhe von Maria-Kulm bemerkteman, daß die Himmelsgegend über dem Fichtelgebirge sich auf-hellt. Mittag. Unendliche Nebel- und Regenwolken ziehen, vomNordwesl herbeigebracht, am Erzgebirge hin, auch über denHorn in die Tepelregiou. Ganz Böhmeu überdeckt von Ge-wölk, niedrig schwebend, grau, flockig, zottig, ungestaltig, injedem Momente sich in Wassergüsse aufzulösen drohend. In-dessen auf dem sich aufklärenden langgestreckten Rücken desFichtelgebirges ruhen gelagert Cumulus, nicht ganz fest geballt.Drei Uhr. Im Nordwesten hellt sich's immer mehr auf, nachund nach klärt sich daselbst der Himmel; die Sonne tritt hervor.Auch im Süden wird's rein. Wenige Wölkchen, vom Westgetrieben, ziehen leise aus ihrer Bahn. Cirrus in der obernblauen Luft.
Von da an unerfreulicher West, bald gegen Norden baldgegen Süden sich umsetzend, Regenschauer bringend, aus-trocknend, widerwärtig zu beobachten. Dieser Zustand dauertebis den 24. Juni, da sich denn mit Nordost das Wetter be-stätigte , und der Himmel sich aufklärte.
Zur Erläuterung.
Zu befserm Verständniß der in vorstehendem Aufsätze ge-brauchten Ausdrücke wird nachträglich angezeigt, daß, inUebereinstimmung mit Männern, welche die Sache bisherbearbeitet, angenommen wird, es gebe drei Luftregionen, dieobere, mittlere und untere, welcher man die vierte, die unterste,noch hinzufügen kann. Die Herrschaft der obern Region mani-festirt sich durch trockenes, Helles Wetter: die Atmosphäre istin einen: Zustande, daß sie Feuchtigkeit in sich aufnehmen,tragen, emporheben kann, sey es nun, daß sie das Wässerigezertheilt in sich enthalte, oder daß sie solches verändert, in seineElemente getrennt, in sich aufnehme. Dieser Zustand derAtmosphäre wird durch die größte Barometcrhöhe offenbart,und wir erfreuen uns eines schönen, beständigen Wetters; derHimmel ist klar, in gewissen Weltgegenden ganz wolkenlosund hochblau. In diese Region gehören alle Cirrusarten, dieman mit verschiedenen Namen bezeichnen kann.
Die mittlere Region ist die des Cumulus; in ihr wirdeigentlich der Conflict bereitet, ob die obere Luft oder die Erdeden Sieg erhalten soll. Diese Region hat die Eigenschaft, daßsie zwar viel Feuchtes in sich aufnehmen kann, allein nicht invollkommener Auflösung; es vereinigt sich zwar zu einer leich-ten, aber doch dichten Körperlichkeit, und erscheint uns geballt,gehäuft und nach oben in bestimmten Formen ansgebogt undbegränzt; unterwärts haben diese Wolkenhaufen eine horizon-tale Grundlinie, wodurch eine dritte Region angedeutet wird,auf welcher sie wie auf einer Schicht auf einem Elementeruhen und schweben.
Gewinnt nun die obere Region, ihre trocknende, Wasserauflösende, in sich aufnehmende Gewalt, die Oberhand, sowerden diese geballten Massen an ihrem obern Saum auf-gclös't, ausgezupft; sie ziehen sich flockenweife in die Höhe underscheinen als Cirrus und verschwinden zuletzt in dem unend-lichen Raum. Ueberwindet nun aber die untere Region, welchedie dichteste Feuchtigkeit an sich zu ziehen und in fühlbarenTropfen darzustellen geneigt ist, so senkt sich die horizontaleBasis des Cumulus nieder, die Wolke dehnt sich zum Stratus,sie steht und zieht schichtweise, und stürzt endlich im Regen zuBoden, welche Erscheinung zusammen Nimbus genannt wird.
Wie wir nun von oben herunter gestiegen sind, so kannman wieder von unten hinauf steigen, so daß sich dichte Nebelerheben und in der untern Luft schwere Schichten bilden, die sichaber doch wieder an ihrem obern Theile ballen, höher dringenund zuletzt nach und nach in die obere Luft aufgelöst werden.
Man nimmt diese drei Regionen als Norm an, bemerktaber dabei, daß die Disposition der obersten Luft alle Feuchtig-keit in sich vollkommen aufzunehmen, auch bis zur Erde heruntersteigen könne, da denn jeder Dunst- und Nebelstreif sogleich inCirrus aufgelös't und sodann verflüchtigt wird.
Und so mag sich auch der eigentliche Stratus, diese hori-zontal gebildete Masse, einmal höher erheben als das anderemal,