Band 
I.
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8 Grönländische

Urin leuchtenden Phos p h o r schafft; undihre Dinte wird die vermoderten Reliquien derGenieinsekten zum neuen Leben erwecken, wie auseiner mit Rindblut bespritzten Krebsascheneue Krebse auferstehen Don der Kunst solcherKritiker hat also die heutige scheinbare Dummheitnach ihrem Tode die Verwandlung in Weisheit zugewarten — eben so schuf sich Virgil aus einemtodten Ochsen einen ganzen Schwärm vonBienen, eben so macht man aus dem wässe-richten Gehirn des Pottfisches Lichter. — Ge-setzt aber auch, euer Ruhm hinkte eurer auf zulangsamen Stunden nach; gesetzt alle Eingänge zumTempel der Ehre wären verschlossen, so sieht dochjedem noch die Hinterthüre offen. Denn nämlich, ob-gleich derParnaß durch die Umgrabung und Umwüh-lung von tausend schriftstellerischen Händen, unend-lich an Fruchtbarkeit gewinnen muß; so ist doch aus-gemacht, dMihm durch die Verwesung aller dieserGlieder eine noch größere zuwachsen müsse, wieman an einigen Orten die Weinberge nichtohne Nutzen mit Ochsenklauen düngt. Wennnun der Tod des Schriftstellers der Literaturfrommet, so kommt er auch dem Ruhme desselbenzu statten — und so nährt die Verwesung seinenLorbeer, so wurzelt auf seinem Grabe seine Un-sterblichkeit — Aus diese Weise ist jeder Schrift-steller seiner Verewigung versichert, und die Men-ge seiner Tadler beweist nur seine Untadelhaftig-keit, und ihr Sieg über das Leben seines Ruhmsseine Vorzüge: denn je mehr Träger, destovornehmer die Leiche. — Ja jede Schande,eht Ehre voraus; wer hängt, ist über die Erde er-haben. Und oft macht diese Schande berühmt undgroß; eben so lassen die Rezensenten das Tadel-hafte einer Schrift mit größer» Buchstabendrucken, eben so wird eineMutter durch eine Miß-geburt und ein Verbrecher durch den Pranger be-kannt. — Zn den obigen Gründen für die Vere-wigung der heutigen Schriftsteller fällt mir ebenein Beispiel aus den neuern Zeiten ein. Nämlich:wer hätte sich je die Möglichkeit träumen lassen,daß Dichter des dreizehnten Jahrhunderts dem ge-schmackvollen Gaumen des achtzehnten behagenkönnen, wer je den Minnesängern ihre jetzige Auf-erstehung weissagen mögen? Und doch hat der Ge-schmack unter-Friedrich und Joseph, die bestäubtenMusen unter den schwäbischen Kaisern geplündert.Dieser lvbenswürdige Fleiß nun, , der in den Bi-bliotheken, den literarischen Gottesäckern, nach al-tem Unrath scharret, wird auch auf unsere Nach-kommen erben. Dann werden die künftigen Freundedes grauen Unsinns, die jetzigen Freunde desselbenbelohnen und zweite A — Z werden die poetischenReliquien unserer Zeit für den Geschmack ihresPublikums verbessern, und sie von verstorbenenSchönheiten säubern, — eben so kämmte D. Kuna-strokius Eselschwänze klar, und rupfte die tau-ben Haare mit den Zähnen aus

* Mit dieser Auferweckungkraft ist der Mischiitzbare Ver-fasser ^tnnuius plaionis begabt, welcher aunuius 1781,schreib ein tausend sieben hundert ein und achtzig her-aus kam, und tu welchem Mn»Ms der alchymistische Un-sinn , wie der Papagei im Ringe seines Bauers sichwieget.

" Siehe Tristam Shandi's Leben, I, Theil, 7, Kapitel,

Prozesse.

Allein nicht alle schreiben, um Ehre zu erhalten;einige auch, um sie andern zu nehmen. Von die-sen Nun, die der Neid zu Tadel begeistert, LerenEhrgeize fremde Schande schmeichelt, und die mankurz unter den Namen der Rezensenten befasset,von diesen weiter unten!

Das dichterische Feuer steht dem Schriftstellernicht immer zu Gebote, und das Genie fällt ebenso oft in Ohnmacht, als ein Frauenzimmer. —Dieser Ermattung nun helfen verschiedene künst-liche Neizungen ab. Der Schöpferkraft des Weinsverdanken wir manchen gereimten Unsinn, und demSchaume desselben manche Venus. Die Poetenund die Hunde nämlich verlieren ihren Verstandauf entgegengesetzte Arten. Der Mangel an Ge-tränken macht die Hunde närrisch, wüthend oderdichterisch; allein nur der Ueberfluß daran sprichtden Dichter von seinem Verstände los, und spornetihn über die träge Vernunft hinweg. Diese Hitzedes Weins stört den Unsinn der Phantasie aus sei-nem Winterschlafe, und weckt die buntscheckigeBrüt der Träume anS ihrem Schlummer; — ausallen Winkeln des Gehirns kriechen verborgeneEinfälle hervor, jede Aehnlichkeit, jede die Stamm-mutter einer Familie von Metaphern, sammletihre unähnlichen Kinder um sich, und gleich einerwandernden Mäusefamilie, hängt sich ein Bild anden Schwanz des ankern; — alle Saiten des hoh-len Kopfes tönen zn einem gleichzeitigen Miß-klang, das Gedächtniß wirft seine gestohlnen'Schätzeaus, und wie Heu durch die Nässe, erhitzt sich derzusammengeraubte Hansen von verwelkten Blumendurch das Getränk. Nur auf diese Weise kannder Parnaß mit einem Bedlam wetteifern, nurdurch Las Einsangen einer solchen Lange kann derUnsinn'zu einer pindarischen Höhe aufschießen.Darum waren auch alle gefleckte Thiere demBacchus heilig; — wenn man nämlich das bunt-austapezierte Gehirn eines Musensohnes mit einemvielfarbigen Thierfelle vergleichen darf. Daher istbegreiflich, warum Bachus seinen Hörnerschmuckbald an-bald ablegte; vorausgesetzt, daß durch dasvorige die Ebbe und Fluth des dichterischen Unsinnsbegreiflich geworden. — Daher verehre ich nebenden huldreichen Mäzenen, deren Verdienste derMagen dem Schriftsteller in die Feder sagt, nie-mand mehr als die Spinnen. Denn eben diesebeschützen mit ihren Geweben die Trauben vor dengefräßigen Mücken, und bewachen den Wein, dendie Gönner an die Poeten verschenken. Auf dieseWeise hängt an der Fruchtbarkeit des Hintern derSpinnen die Fruchtbarkeit genieartiger Köpfe; aufdiese Weise nutzen dem Parnaß unter allen Spin-nen die natürlichen am meisten. — Daher verehreich neben den huldreichen Mäzenen auch die Esel.Denn die Näscherei eines Esels veranlaßte, nachHerodot, die Beschnsidung der Weinstöcke; dafürerrichteten ihm die Nauplier in Argien ein stei-nernes Ebenbild; und das hölzerne Ebenbild des-selben von den Stadthoren möcht' ich fast derDankbarkeit der Dichter anempfehlen, da noch überdieses seine langen Beine ihr Aetherlebcn füglich ab-bilde». — Allein der Wein ist ein zu kostbares Mit-tel der Begeisterung, er ist öfter der Endzweck alsder Vater der Verse, und manches Weinlied hat derDurst gemacht. Auch verraucht für die vorgesetzte