Band 
I.
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G r önl änd i sä) e Prozesse.

zu verschreien, und seinem Ruhme den. Ruhm derVorgänger aufzuopfern, wie die alten Mexikanerzur Ehre der neuen Sonne alle Gefäße zerschlugenund alles Feuer auslöschten, das die verstorbeneSonne beschienen * , diese Gewohnheit verdienetunsern Beifall. Denn eben dadurch gerathen läl-tereZuschaucr in Enthusiasmus für den neuen Gott,eben dadurch macht man die Hände des Beifallswund, so daß das übertriebene Klatschen in Pochenübergeht, so daß der kalte Winter des Tadels denim Sommer des Lobs gemästeten Abgott bis zurMagerkeit abzehrt. Freilich empört die aufwär-mende Nachahmung unsern Magen sogar gegenwahre Schönheiten; eben so ermüdet der Knabeunsere Augen, der uns vermittelst eines Spiegelsunaufhörlich mit dein Sonnenlichte blendet. Dochmuß ich zur Ehre der meisten Nachahmer gestehen,daß sie weniger Schönheiten als Fehler auswär-men , daß sie, zu dumm, um nach ihrer eignenMelodie Thoren zu sein, daher mit fremdenKälbern pflügen. Denn sie glauben durch Fehlergroßer Köpfe ihre eignen Fehler zu schminken;eben so vertrieb man sonst mit dem Kothe desLöwen diej.F lecken im Gesichte. Freilich spürtes der Nachahmer, daß man einige Augenblickenicht mehr sieht, wenn man lange in die Sonnegesehen; daß die Ausdünstung des Lichts jeden na-hen Gegenstand schwarz räuchert, und daß der sil-berne Knopf des spanischen RohreS die Hand des-sen anschmutze, der sich damit stützt und ziert. In-deß trotzen koch diese Lakaien des Genies mit demprangenden Silber ihres Bordenhuts dem versteck- >tern Golde ihres Herrn, dessen Glanz eine Börseverschleiert; und schlüpfen wohl gar zwischen denBeinen ihres Originals zum Thore der Ewigkeithinein, oder werden doch wie 'Knaben einige Au-genblicke von der Kutsche eines vornehmen Man-nes gefahren, an die sie sich von hinten ange-hängt! — Und dieß letzte mich darum, weil diemeisten heutigen Nachahmer schon als eigneOriginale gelten können. Da diese guten Köpfebewiesen haben, daß das Genie nur, mit demMaule, höchstens auf einem Blatte pfeife, indeßdaß das Nichtgenie sich erst eine Flöte kaufe; daßdas Genie bloß den Finger in den Hals stecke, umzu vomieren, indeß das Nichtgenie sich erst einBrechmittel bei dem Batteux hole: so kann manauch die ganze Sippschaft der britkischen Sternezu den Originalen rechnen, die ohne Regelnschlecht sind, und ohne Pillen den Ourchsail ha-ben. Ja dieser Sucht, die Neuern nachzuah-men, verdanken wir die Enthaltung vom Nach-ahmen der Alten. Lange genug schlug das grie-chische Genie das deutsche in Fesseln; jetzv tan-zet es nach nähern fremden Pfeifen.

Die griechische Natur ist von einer gröber»verdrängt worden, deren ich schon oben gedacht.Nämlich weil die heutigen Autoren Freunde derNatur sind, so ziehen sie die schlechte jeder andernvor, setzen ihre Schönheiten ihren Fehlern, undbäurische Naivität bäurischen Zoten nach. Man-che haben zwar die schönere Seite der Natur in

" Ticsc Wilbc» alautc» nömljch, alle c>2 <?oiincniiwrecndiqc die Soniic iprcn Leus und ihr Dasein, und eineneue trete an ihre Steile.

ihrer Gewalt, aber sie gleichen den allen Göttern,die sich, nach einigen, den Menschen nur von hintenzeigten. Vielleicht auch, Laß alle ihre Vorzüge sichin den Fokus desjenigen Orts zusammen gedran-get, wo das Bisamthier mit wohlriechenden Rei-zen pranget. Ihre kleinen Augen ^bemerken imBade einer Pfüze leicht die Vollkommenheit,daß ihr Badegast sich durch bisse Wiekertaufe vonden reinlichen Franzosen unterscheide. Auch ver-räth eine wortreiche Zunge ei» züchtiges Herz;bei den meisten Völkern waschen sich Leidtragendeweiche Leute nicht, und nicht blos in Indien gehenHeilige und Begeisterte nackt. Und endlich unter-scheidet diese Unsittlichkeit von den Franzose», de-ren Uebersetzer sogar die zu natürlichen Stellender Alten ihrem strengen Wohlstände aufopfern;eben so läßt ein französischer Philosoph die Men-schen ohne Hintern wieder auferstehen. Ihre Ge-danken ruhen daher so angenehm in einer unrei-nen Sprache, als die Jungen des Wiedehopfes ineinem Kothneste; und ihre Flughäute üben sich mitGlück im Sinken so wie das fliegende Eichhornnicht anders fliegen kann, al-Z niederwärts. Auchsollen einige den schamlosen Ausdruck zu bessererBekämpfung der Kunsirichter anwenden, d. b. siebeschneiden sich die Nagel nicht, um ein feindlichesGesicht damit tiefer zu verwunden. — Nur Scbadefreilich, daß die Unverschämtheit der heutigen Au-toren mehr affektiert als natürlich ist, daß sie sichmit Unverschämtheit, wie die Weiber mit einer ge-kauften Schamröthe, nur schminken. Denn gewißsind wilde Schweine besser als zahme. Dochhoff' ich von der Zukunft, daß auch gelehrte Ese! *nicht mehr reinlich sein, und lange Ohren sich unterdemselben Lorbeer mit einem ützigen Rüssel galtenwerken.

Zu diesem Geschmack an der Natur gesellt sich dieSchwülsiigkeit, der Bastart des Erhabenen, derenebenfalls oben schon gedacht worden. — Im sech-zehnten Jahrhunderte liebte man Zwerge; im acht-zehnten Riesen — vor nicht langer Zeit trug mankleine und jctzo trägt man große Hüte; kurz diefranzösische» Deutschen sind zu brittischcn gereift.Alle Federn huldigen der Schwulst, das heißt, manschminkt wie die Wilden den ganzen Körrcr stattder Wange, und ziert gleich einigen IndianerinnenFinger und Fußzähcn mit Ringen; d. h. manschlägt, unfähiMu gehen, gleich dem Paradiesvogel,seine Wohnung in den Lüften auf, und weilet, wieSimon Stylites, Jahrelang auf einer Säule; d. b.man treibt das Wasser zu einer Höhe, wo es sich in !Dunst zersplittert, und prangt wie ein Bettler ^Sonn - und Werktage mit demselben Rocke. 'Allesnun so mit gleichen Farben zu schmücken, das Kleineeben so erhaben wie das Große zu schildern, dieWahrheit mit Zierrathen, wie jenes Mädchen imKapitol mit Schilden, zu erdrücken und jdie Naturin die Kunst zu verschleiern, dieses ist freilich keinleichtes Werk unserer schvngcisterischen Fäuste. Soeine Mannigfaltigkeit zeugt von Reichthum, wieeiu banguerotierter Kaufmann in Schottlandbuntfarbige Kleider zu tragen verurtbeilt ^wird. Ein neuerer Hitzkvpf gebiert zwar eben,

* Nach Bussen u. ?l. ist der Esel ein besonders rein-liches Thier.