Band 
I.
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Grönländische Prozesse.

chem Geschmack gebauet. Ich kenne viele Theolo-gen, welche die Orthodoxie fiir ihren Magen, unddie Heterodoxie für ihren Kopf lernen, --um gutin dein Examen zu bestehen -- sagen sie. So heira-thet man oft ein runzlichtes Gesicht des Geldeswegen, und entschädigt dafür das nugebvrne Gefühldes Schönen durch eine Konkubine, die Extrapostder Ehe. So kleidet sich ein armenischer KaufmannzuKonstantinopel öffentsich desto schlechterer reicherer zu Hause ist. So täuscht die Raupe durch dieAehnlichkeit ihrer Farbe mit ihrem Nährblatte dieRaubbegier des Vogels. So spielte David denNärrischen vor jenem Könige. Daß die Freiheitim Denken weniger in den höher» als in den nie-dern Ständen wohnet, daß es nach Verhältnißmehre hetervtoxe Landgeistliche als heterodoxeSuperintendenten gibt, hab' ich oft bemerkt. Dervornehme Mann iffet, was dem gemeinen Mannekelt, z. B. Frösche. Die obersten Fächer des Re-pvsttoriums sind die engsten und nur kurze Saitenklingen am klarsten. Meine Satire scheint alsoweder unbillig noch unnöthig zu sein, und auf ver-wüstete Oerter streuet man ja Salz, der Einpöke-lung des Rindviehes kaum zu gedenken; die Wahr-heit der zweifelhaften Sage nämlich noch voraus-gesetzt, daß das Kupfer auf den Kirchthürmen sichmit der Zeit in Gold verwandle.

Zu No. m. Ein verdienstloser Edelmann ver-dienet mehr Verachtung als jeder andere Ver-dienstlvse, den keine angeborene Ehre zu Verdien-sten aufforderte; ein verdienstvoller aber mehrAchtung als der, der sich sein Verdienst nicht aufKosten eines trägen Stolzes erwerben durfte.Ein Wappen schändet und ehret mehr als keines.Also ein Spott über den Adelstolz, der noch jetztdem Adel mehr als das Verdienst angeboren zusein scheint, schmälert die Verdienste dessen nicht,der sich durch eigene der fremden würdig macht,schmeichelt aber auch der Einbildung dessen nicht,der wie der Mond mit geborgtem Lichte glänzetund eben so oft wie er Sonnenfinsternisse verur-sacht; der auf den Besitz einer Präposition prahletund den man wie die Römer den Dieb, liomoUiuin litterni-um nennen könnte. Man klagtjetzt über die Geringschätzung des Adels; aberman sollte nicht klagen, sondern bedenken, daß alleMenschen den Wilden gleichen, die ihren GötternBeute uud Anbetung so lange opfern, als dieGötter als Götter helfen. Ein jetziger Edelmannverhält sich zu einem vorigen wie die Katze zumLöwen; indessen findet der Heraltiker jene undLinnäus diese als Skelette betrachtet völlig ähn-lich, den Unterschied der Größe und der Eigen-schaften ausgenommen. Die Verfeinerung machtüberhaupt alles gleich, was sich nicht durch denKopf unterscheidet. Mit diesem letzten unterschei-det sich nun der Adel nicht immer von dem Volke,und Minerva schreibt lieber mit stmpeln Gansfe-dern, als mit silbernen, gläsernen oder mit Federnvon welschen Hühnern. Aus dem Obigen läßtsich auch die Ehre erklären, mit der man dem an-dern Geschlechte begegnet; daher ist jetzo eineEdelfrau stolzer als ein Edelmann. Selbst dasVerfahren der Griechen macht hier keinen Ein-wand; denn sie waren erstlich so tapfer als fein,statt daß wir mehr das letzte sind, und wer kennt

zweitens die Schönen nicht, die nicht nur durchSchönheit, sondern auch durch die Kunst, die kör-perliche Schwäche des Geschlechts durch geistigeStärke zu heben, über griechische Weisheit undgriechische Tapferkeit siegten?

Zu No. iv. Wer in dieser Satire blos alltäg-liche Sachen mit neuen Ausdrücken aufgestützt fin-det, hat Recht; wer sie darum tadelt, hat Unrecht.Ich glaube, was schon oft gesagt worden, müsseimmer schön gesagt werden, und nur neue Gedan-ken können marktschreierischen Putz entbehren.Das Letzte zuerst! Ein neuer Gedanke wird vonselbst der Günstling des Verstandes, ohne LasVorgespann des Kammermädchens oder der Frau,ich meine der Einbildkraft, nöthig zu haben, undeine schöne Schöne gewinnt Lurch das Nachtkleid,was eine minder schöne erst durch den Putz ge-winnt, und ein gutes Buch braucht keinen Rezen-senten zum Herold, zum Läufer. Das Große istwie unsere ersten Eltern gerne nackt; der Königvon Preußen kleidet sich simpel, und Herkules hattekeinen Tempel, sondern wurde in der freien Luftverehret. Worte folgen den Ideen wie der Schat-ten dem Lichte; aber in der Mittagsvnne ist derSchatten am kleinsten. Aber warum soll man imGegentheil das Gemeine gemein sagen? warumsoll Schale und Kern, wie bei dem Koriander,gleich hart sein? Ich dächte, die süße Hülle desPfirsichs entschädigte für den ungenießbarenKern. Schmecken doch auch die Nester gewisserVögel angenehmer als sie selber; der unnützeHöfling kann allerdings mit dem Werthe seinerkostbaren Kleider prahlen, und die Federn desPfauen kommen der Schlechtheit seines Fleischeszu Hülfe, und machen ihn zum Stutzer der Dächer.Die meisten Todten werden in einer neuen undschönen Kleidung begraben. Nicht zu gedenken,daß ferner die Worte die Gedanken, der Leib dieSeele, unterstützen, und sie entweder der Prü-fung unter das Glas bringen oder der Ueberzeugungbesser anempfehlen. Nicht zu gedenken, daß diesesalles die Fuhrwege pflastern heißt, die am kothig-sten sind, weil am meisten darauf gefahren wird:so ist auch gewiß, daß die Gemeinplätze sich nichtso leicht verschönern lasse» als man denkt, unddaß auf den Fußsteigen kein Gras wächst. DiePhilosophie erfindet, die Poesie verschönert dieErfindung; die eine ist Kvlumb, der Amerikaentdeckt, die andere Vespuzius Amerikus, der esbenennt; die eine Tuchmacher, die andere Schnei-der; die eine Bergmann, die andere Münzer,die eine schüttelt die Aepfel, die andere sammeltsie in Körbe, und bereitet sie für den Gaumen;die eine ist das Uhrwerk, die andere die Glocke,welche den Kindern desselben, den Stunden, denNamen giebt; die eine ist Fechtmeister, die andereTanzmeister; die eine Mutter, die andere dieFrau Gevatterin. Dieses alles mag die Ant-wort für den sein, der nach der Durchlesung vonNo. iv. mit dem Malebranche fragt, was ist

denn damit bewiesen? --Wer glaubt, man

habe in No. IV. dem schönen Geschlechte nichtdie gehörige euptntio Iionovolontiee gemacht,nicht die Hand desselben in vtlixiv, nämlich denHandschuh, in den sie sich oft verschleiert, geküßt,wie Könige sonst dem Knechte der Knechte den