aus des Teufels Papieren. L01
Da ich das Münzkabinet nur im Allgemeinenüberblickte: so macht' ich blos die allgemeine Be-trachtung über alles zusammen und über die demGelde aufgeprägten Köpfe ins besondere, daß ich,wenn ich ein Fürst wäre, oder noch mehr ein aka-demischer Prorektor, der ihn — seinen Koadju-tor — lateinisch lobte, als Fürst den außeror-dentlichen Vorzug haben, oder als Prorektor ihnerheben würde, daß ich meinen fürstlicken Kopfnicht gerade auf meinem eignen Halse sitzen zu ha-ben brauchte. Der Kopf — an keine Einheitdes O rts gebunden — könnte recht gut auf demHalse meines MinisterS, meines ersten Generalsthronen; er könnte besonders auf den steinernenSchultern meiner Statue seßhaft sein; meinKopf könnte auch — weil er erst dann im eigent-lichen Sinne regierte und jedes Individuum be-sonders lenkte — nirgends als auf dem Münz-stempel,d. h. in meiner Chatvulle, in jederfremden Chatoulle, in meinem ganzen Lande, injedem fremden Lande, in allen Kollegien sitzenund wirken — kurz er wäre, blos meinen Halsausgenommen, auf eine recht fürstliche Art über-all allgegenwärtig. Dann würde man gegründeteHoffnung haben (die uns die jetzigen Anstaltenbenehmen), ein Land so außerordentlich glücklichzu sehen, daß blos der (verjüngte, auf Gold- undSilberblättchen herumschiffende) Kopf des Regen-ten Aemter vergäbe, Frieden und Definitivsenten-zen machte, zu den Dekreten unter seinem Namennicht blos den Namen , sondern auch den Inhalt
diktierte und überhaupt selbst regierte.Ein
paar Gnadenpfennige und Medaillen brachten michauf die zweite Betrachtung.
Wenn man die Welt ein wenig kennt: so schlie-ßet man von selbst aus der Menge von Medaillen,die ein Mann durch Preisschriften und Preishand-lungen zusammengetrieben, auf die Menge sei-ner Verdienste , und bei einem Fürsten sind ebendeswegen weder seine Medaillen , noch seine Ver-dienste zu zählen. Wundern aber muß es man-chen Denker, daß man fast nirgends auch dasGeld zu den Gnadenpfennigen und Medaillen rech-net, unter die es doch sein fürstliches Angesichtund der heraldische Wappenapparat und der la-teinische Zaubsrkreis sollten stellen können. —Frankreich sieht das doch ein und vertheilt deswe-gen seine Aemter nicht an Leute, die statt derVerdienste verdienstvolle Ahnen aufführen, son-dern blos an solche, Leren Amtgaben und Ver-dienste sicher genug erwiesen werden können , wel-ches eine große Menge Medaillen eben am erstenvermag. Diese Medaillen sind gewöhnliche Gold-und Silbermünzen, die der Amtluflige als einenBeweis durch Augenschein — als eine Gewissen-vertretung mit Beweis — als eine hypothekarischeVersicherung seiner todten und lebendigenKräfte in die königliche Kammer niederlegt, wel-che die besagten Kandidatenmedaillett hernach zir-kulieren lässet, damit jeder, besonders auswärtigeGesandte es zur Rechtfertigung des Staates se-hen, welchen Subjekten Frankreich seine wichti-gern Stellen anzuvertrauen gewohnt sei.
Was daher die Römer Talente (lalentn) nann-ten und was wir so nennen, war von jeher einesund dasselbe, obgleich freilich Talente bei uns, we-
gen der Entdeckung und Ermordung und Beer-bung von Amerika, eine weit größere SummeGeldes bedeuten müssen. Rechtschaffene Männersuchen nie um Aemter ohne Talente an; solchehalten es vielmehr für Pflicht nach nichts in derWelt so sehr zu laufen auf jede Art, auf zweiFüßen — auf Händen und Füßen — auf zweiund dreißig Beinen — auf einem Stelzfuß —auf zweien — auf podagristischen Krücken, auf denKnieen, nach nichts so sehr als nach einer unab-sehlichm Menge von goldnen und silbernen Köpfen,die der Münzstempel und sehr wenig Kupfer bil-den — und die man durch einen fleischernen,den eine bloße Privatperson gemacht, nur sehrschlecht ersetzen will. Denn einem Manne, dersich mit recht vielen abgebildeten Köpfenausgelegt hat, setzet nachher die Hochachtung derWelt schon von selbst und auf eine gute Art ei-nen wahren großen scharfsinnigen Kopf auf, dener, wenn er vernünftig sein will, ganz für sei-nen eignen halten kann und wird, und dessen ersich bei allen merkwürdigen Vorfällen am Tischund im Bette — auf Reisen und in den Fami-lienschmäusen und hinter dem Sessivntisch und aufder Leichenbahre mit einer so außerordentlichenSicherheit bedienen kann und soll, als wär' eswirklich sein eigner und auf seinem eignen Halsegewachsen und gemästet — etwan wie beimSchwenkschießen in Leipzig: Menschen nnd Büch-sen schießen da nach gemalten Viktualien aufeiner Leinwand, die von Zeit zu Zeit hin und hergezogen wird, damit sie jeder verfehle; bringt in-zwischen ein Schütz dennoch seine Kugel durch ei-nes dieser Küchenstücke hindurch, z. B. durch eineabkonterfeite Gans, so hebt er eine in nntuin einund erzielt also stets Bild und Sache zugleich.
Der Aukzionproklamator hoffte, ich würde aufeine grüne Huldigungmünze Heinrich des IV. vonFrankreich etwas Billiges bieten: aber ich machtestatt des Kaufs lieber die dritte Betrachtung,daß Heinrich IV. die Dienste des D'Aubignemit nichts vergalt als mit seinem Portrait, dasder Stallmeister mit der Unterschrift ausschmückte:
60 prioes esk cksiran»« nalure,äs ns ssis <^ui äiaUe I's üulz
6»r i> reeomxeose eo xeirturs
Leux iziil le servenl eil eller.
Es gereicht der Fürstenbank und dem Fürsteu-stuhl znm Ruhme, daß in der That nur wenigedarauf seßhafte Fürsten den Fehler begehen, denverdienten Mann mit ihrem bloßen Bildniß abzu-fertigen (wie etwa die Rormalschulen den Fleißder Schüler mit Bildern der Heiligen belohnen),es mag nun dieses Portrait mit dem Pinsel odermildem Münzstempel gemacht sein, dessenKunstwerke bekanntlich Geld heißen. Wenigstensmuß man gegen Einen immer dreizehn oder vier-zehn nennen, die reellere Dankbarkeit für ihrePflicht ansehen und die die Wunden des Kriegers,den aufgeopferten Kopf nnd oft Beutel des Mi-nisters schon genug zu schätzen wissen, um solcheDienste mit nichts geringerem zu lohnen und an-zuregen als mit Ordensbändern, Titel und Adel— positive Belohnungen, die mit der Malerei
Icon Paul's WerkcI.
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