Band 
I.
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202 Auswahl

gar nchtS und mit der Prägekunst nur in so-fern etwas zu schaffen haben, in wiefern siedurch die Vermehrung der Ehre die Vermin-derung des Ehrenpfennigs gebieten. »Diese nichtgemeine Nvthmünze, sagte der Bukzivnpro-klamator, bildet auf der Hauptseite die schlesischeWassers noth oder die Ueberschwemmnng von4783 mit der Legende ab: O! wieviel! auf demRevers steht die dadurch erregte Hungersnothmit der Legende: o! wie wenig-' O! wiesonderbar! sagt' ich und that ein ansehnlichesGebot darauf, nämlich das einer mir zu Ehrengeschlagnen Medaille.

Ich erstand doch einige Blechmünzen oder Hohl-pfennige, blos um sie in die Höhe zu heben undzu sagen; das ist die wahre erlaubte Devalvazion,wenn in der Münze mehr Lust ist als Blech.Bischöfe, Siebte, Aebtissinnen sollten ihr Münz-recht besser benutzen und gar nichts anders schla-gen : eine so erbärmliche magere Münze würdemehr an das Christenthum und die Eitelkeit aller(metallischen) Dinge erinnern als die Bücker, dieKreuze und Kirchen, womit man die geistlichenMünzen putzt. Ich drehte die Blechmünze umund ersah an der innern hohlen Seite kein Ge-präge: aber ich machte keine neue Betrachtungdarüber, sondern fuhr in der alten fort undbrachte zuletzt heraus, daß die Fürsten Hepengeldmachen können. Es gibt aber im Grunde nurzweierlei Hepenmünzen; die eine Art ist die derHeckthaler, die das Geld ärger vermehren als derGeiz, ohne daß man nur weiß woher; und wei-ter hat auch ein Fürst nichts vor, wenn er ent-weder durch ein Edikt oder durch Las Geprägez. B. alle Dreibätzner des ganzen Landes in Vier-bähner verwandelt: eS soll nämlich einer, derals ein armer Teufel zu Bette gegangen, als einreicher, wenn er die Münzerhöhung im Zeitung-anhang liefet, wieder aufstehen. Die zweiteArt von Hexenmünzen fressen wie ungerechtesGut das andere Geld weg, und man wird blosdadurch arm, daß man Geld hat: das ist die ei-gentliche bekannte Devalvazion, durch die einRegent dem guten Vater gleich wird, der zwardem Kinde einen einzigen Rechenpfennig zwei,drei, viermal in die Hände drückt und jedesmalsagt: »da hast du wieder einen Pfennig», der aberdoch ihm zuletzt devalvierend bekennt: »es ist nurein Rechenpfennig, die andern drei sind ver-schwunden.» Ja dieses 'herabgesetzte Hepengeldnimmt der Regent,' aus Liebe zu den verarmen-den Unterthanen, gern in seiner Münze an undschlägt die bessern Heckmünzen daraus, deren ichviele meinem Sattler, meinem Reitknecht undmeinem Hofmeister schuldig bin. Da die Venusdie unbekannte Oberin und Koadjutvrinvon vielen Thronen ist: so will der Inhaber vonbeiden durchaus haben, daß sie auch auf allemGelde neben ihm in der Gestalt des Kupfersmit residiere, daß die Chymisten mit dem NamenVenus längst bezeichneten, und es ist die stärkendeEisenkur des Staats. Uebrigens kaun eSdem filzigen England keine große Ehre machen,daß fast alle europäische Länder es im gutenSchrot und Korne überholen, in denen es-rtwasgemeines ist, Laß man die Silberinünzen gar

mit Golde versetzt und fast so mehr Gold als Sil-ber daran thut; daher man solche Silbermünzenwirklich überall Goldmünzen nennt. Die Ku-pfermünze hingehen 'wird mit so vielem Silberlegiert, daß sie mit Fug und Recht Silbermünzeheißet, und wir haben deswegen auch keine andereSilbermünze. Ost sieht man auf F ü r ste n d' v rden Durchgang der Venus (Kupfer) Lurch dieSonne (Gold); oft macht auf einem Goldstückder Beitritt der Luna ( Silber) diese Planetcn-konjunkzivn noch vollständiger. Man wünschtumsonst, es wäre in England eben so.

Bei tapfern Völkern, z. V. bei den Spartern,waren die Münzen zugleich Waffen, so langwaren sie: bei uns, die wir fast »och tapferersind, dienen sie auch dazu, so kurz sind sie, dieMünzen; und mit solchen Waffen wird neuererZeit gar oft der stärkste Feind — man schießetihm blos die Hand, den Beutel und die ganzeKleidung mit solchen Kugeln voll — zum Friedengenöthigt. Von diesem kriegerischen Gebrauch desGeldes leitet eben nicht jeder Philosoph, sondernnur der gegenwärtige es her, daß auf der Kehr-seite des Geldes die Wappenthiere über einemNest von Waffen brüten; allein warum nicht?Vielleicht deswegen, weil selten vernünftige undangenehme Menschen in Münzversteigerungen ste-hen und auf keinen Heller bieten, und mithin inihren Münzbetrachtungen dann auf die obige kom-men können, wenn gerade Krieg-, Sieg- undFriedenmünzen losgeschlagen werden.

Der Proklamator rief einen ächten kupfernenOtho aus, den fast die ganze lebendige Stu-fensammlung der gegenwärtigen Numismatikeranbeten wollte, als wär' er noch ihr fleischernerKönig. Ein vernünftiger Magister aber fischteden Otho unS allen weg; er thats im Namenund mit dem Gelde eines nürnbergischen Patri-ziers, der alle Monate seine Prunkküche und seinMünzkabinet aussott und an dessen Kupfergeschirrund Kupfermünzen nicht so viel alter Firniß saß,daß damit eine Ratze wäre zu vergiften gewesen.Da wir indeß alle um den Otho traten: so dankteein alter Antiquar hinter mir seinem Gott, daßer den Otho nicht erstanden hätte, »denn es wäre,sagte er, nur ein alter Nero, an dessen Namen,Haaren und Angesicht der Verfälscher so lange ge-kratzt hätte, bis er wie ein Otho ausgesehen."»Eine solche Umstempelung eines Nero in einenOtho, sagte der Antiquar zu mir und wolltemich belehren, so ein verfluchter aber gemeinerBetrug eigennütziger Münzkenner,» Auch derHofleute,» sagt' ich. In Nürnberg sagte manmir, den Nero, den der Falsarius vervthonethätte, habe der Patrizier gar übergoldet, und manwisse zur Zeit noch nicht, wo dessen Avencemcntstille stehen werde. Noch mehr: der Patrizier hat— da er neulich einen stählernen modischen Rock-knopf mit einem französischen 6 auf dem Wegsnach Erlangen aufstöberte und er ilm für nichtsanders als eine alte Münze halten konnte — et-was Numismatisches und Philologisches über Lasrömische 6 unter der Feder, und der ganze Knopf! ist schon sauber abgestochen.

Da so viele Denkmünzen auf Fürsten, auf ihreI Geburt, auf ihre Vormundschaft, auf ihre Ver-