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Die unsichtbare Loge.
Gebote für unsre neun und dreißig Artikel undfünfzig Dezisionen halten sollten — daß wir aberdoch für nichts von ihm so viele Achtung zu tra-gen hätten, als für seine drei Einheiten, (die! ästhetische Regel Detri) gegen die nicht einmal! Romane sündigen sollten. Der Mensch iuteres-( siert blos für Nachbarschaft und Gegen-^ wart; der wichtigste Vorfall, der in Zeit oder! Raum sich von ihm entfernt, ist ihm gleichgültigerals der kleinste neben ihm; so ist er, wenn er dieVorfälle erlebt, und mithin auch so, wenn er sieliefet. Darauf beruht die Einheit der Zeit unddes Orts. Also der Anfang in der Mitte einerGeschichte, um daraus zum anfangenden Anfangzurück zu springen — das zeitwirre Jneinandsr-schütteln der Szenen — Episoden — so wie dasKnüpfen mehrerer Hauptknoten, ja sogar dasReisen in Romanen, das den Maschinsngöttsrnein freies aber uninteressantes Spiel erlaubt —— kurz alle Abweichungen von dem TomZonesund der Klarissa sind Sekunden und Septi-men im Aristotelischen Dreiklang. Das Geniekann zwar alles gutmachen; aber Gutmachen istnicht aufs Beste machen, und glänzende verklärteWundenmaale sind am Ende doch Löcher am ver-klärten Leibe. Wenn manche Genies die Kraftdie sie aufs Gutmachen übertretner Regeln wen-den müssen, in der Befolgung derselben arbeitenließen; sie thäten mehr Wunder als der H.Martin der ihrer nicht mehr bewerkstelligte alszweihundert und sechs — Goethe in seiner Zphige-nie und Klinger in seiner Medea thuns vielleichtdem H. Martin zuvor.. -.
-Gegenwärtig trägt man das Cinbein
(mich) über den Fichtelsee und über zwei Stan-gen , die statt einer Brücke über diese bemoosteWüste bringen. Zwei Fehltritte der Gondolierer,die mich aufgeladen, versenken, wenn sie geschehen,einen Mann in den Fichtelsumpf, der darin anseinem Vorredner arbeitet und der mit acht Num-mern Menschen gesprochen und dessen Werk zumGlück schon in Berlin ist.... Bergs über Bergewerden setz» wie Götter aus der Erde steigen,die Gebirge werden ihre Arme länger ausstreckenund die Erde wird wie eine Sonne aufgeben unddann wird ihre weiten Stralen ein Menschen-blick verknüpfen und meine Seele wird unter
ihrem Brennpunkt glühen. Nach wenigen
Schritten und Worten ist die Vorrede aus, aufdie ich mich so lang gefreuet, und der Schneebergda, auf dem ich mich erst freuen soll. — Es istgut, wenn ein Mensch feine Lebcnereignifse sowunderbar verflochten hat, daß er ganz wi-dersprechende Wünsche haben kann, daß nämlich
3ca» Paul's Werke l. "
der Vorredner dauere und der Schneeberg dochkomme.
-In diesen Gegenden ist alles still, wie in
erhabenen Menschen. Aber tiefer, in den Thä-lern, nahe an den Gräbern der Menschen stehtder schwere Dunstkreis der Erde auf der einsinken-den Brust, zu ihnen nieder schleichen Wolken mitgroßen Tropfe» und Blitzen und drunten wohntder Seufzer und der Schweiß. Ich komme auchwieder hinunter und ich sehne mich zugleichhinab und hinaus. Denn der irre Mensch
— die ägyptische Gottheit, ein Stückwerk ausThierköpfen und Menschen - Torsos — streckt seineHände nach entgegengesetzten Richtungen aus undnach dem ersten Leben und nach dem zweiten: sei-nen Geist ziehen Geiste r und Körper. Sowird der Mond von der Sonne und Erdezugleich gezogen, aber die Erde legt ihm ihreKetten an und die Sonne zwingt ihn blos zuAusweichungen. Diesen Widerstreit, den keinSterblicher ^beilegt, wirst Du, geliebter Leser,auch in diesen Blättern finden; aber vergib ihnmir wie ich Dir. Und eben so habe für unver-hältnißmäßige Ausbildung die Nachsicht des Men-schenkenners. Eine unsichtbare Hand legt denStimmhammer an den Menschen und seineKräfte — sie überschraubt, sie erschlafft Saiten —oft zersprengt sie die feinsten am ersten — nichtoft nimmt sie einen eilenden Dreiklang aus ihnen
— endlich wenn sie alle Kräfte auf die Tonleiter
der Melodie gehoben: so trägt sie die melodischeSeele in ein höheres Konzert, und diese hat dannhienieden nur wenig getönet.-
.... Ich schrieb jetzt eine Stunde nicht; ichbin nun auf dem Schneeberg, aber noch in derSänfte. Erhabene Paradiese liegen um mich un-gesehen, wie uni den eingemauerten Menschen-geist, zwischen dem und dessen höherem Mutter-land der dunkle Menschenkörper innen steht; aberich habe mich so traurig gemacht, daß ich in dasschmetternde Trommeten- und Laubhüttenfest, dasdie Natur von einem Gebirge zum andern begeht,nicht Hineintreten will; sondern erst wenn dieSonne tiefer in den Himmel gesunken und wennin ihren Lichtstrom der Schattenstrom der Erdefällt, dann wird unter die stummen Schatten noch ,
ein neuer beglückter stiller Schatten gehen.-
Aufrichtiger zu sprechen, ich kann blos von Euch—Ihr schöneren Leser, deren geträumte, zuweilenerblickte Gestalten ich wie Genien auf den Höhendes Schönen und Großen wandeln und winkensah — nicht Abschied nehmen ; ich bleibe noch einwenig bei Euch, wer weiß, wann, und ob dieAugenblicke, wo unsere Seelen über einem zerstie-