Band 
I.
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Die unsichtbare Loge

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rednerische Eigenlob, und auf den als Lobfolie un-tergelegten Eigentadel.

Stehende Verbesserungen aller meiner Auflagenblieben auch hier die Land- oder Buch-Verwei-sungen von faulen Tag - oder Sprachdieben oderWortfremdlingen und die Ausrottung falscher Ge-nitiv-S und Ung's- — Ferner auf allen Blättern,wo es Noth that, wurden Lichter und Schatten,und Farben gehoben oder vertieft, aber nur schwach;und da blos meistens in komischen Stellen. Dennwenn ich hätte — um mit dem Lobe fortzufahren —an den ernsten stärken oder ändern wollen, welchedie Natur und die Liebe und das Große in unsund über uns malen: so hätte ich es in meinemspäten Alter nicht zu machen vermocht, indem ichbei jenen Stellen schon Gott danken muß, daß ichsie nur das erste Mal gemacht. Diese Noth wirdsich erst recht zeigen — so daß ich lieber und leichternach den vier gedruckten Flegeljahren noch so vielneue, als ich Jahre habe, gäbe — wenn ich einmalden dritten oder Schlußband dieser Loge bauenmuß; und ich wünschte herzlich, irgend ein andererNachahmer von mir, als ich selber, übernähme dieLast.

Den» die Gründe liegen offen da. Der Ver-fasser dieses blieb und arbeitete nach den im neun-zehnten Jahre geschriebenen Skizzen noch neunJahre lang in seiner satirischen Essigfabrik (Ro-sen - und Honigessig lieferte aus ihr die Auswahlaus des Teufels Papieren) bis er endlich im De-zember 179t) durch das noch etwas honigsauereLeben des Schulmeisterlein Wuz * den seligen tte-bertritt in die unsichtbare Loge nahm: so langealso, ein ganzes horazisches Jahrneun hindurch,wurde des Jünglings Herz von der Satire zuge-sperrt, und mußte alles verschlossen sehen, was inihm selig war und schlug, was wogte und liebteund weinte. Als es sich nun endlich im acht undzwanzigsten Jahre öffnen und lüften durfte: daergoß es sich leicht und mild und wie eine warmeüberschwellende Wolke unter der Sonne — ichbrauchte nur zuzulassen und dem Fließen zuzusehen— und kein Gedanke kam nackt, sondern jederbrachte sein Wort mit, und stand in seinem rich-tigen Wüchse da ohne die Scheere der Kunst.Gerade ein lange zugedrücktes übervolles Herz be-wahrt in seiner Fluth mehr das Richtige und Ge-mäßigte , als ein immer offen gelassenes, sich leerrinnendes in seiner Ebbe, das Wellensprünge ma-chen muß für die nächste Buchhändlermeffe. Ach!

» Es steht am Ende des zweiten Bandes der Loge! wurdeaber früher als diese gemacht, und das Schuimcistcrl'ein zogdann als Logemeister und Altmeister und Leithammel mei-nen romantischen Helden Gustav, Viktor, Albano ic. voran.

man sollte alles Beste, zumal des Gefühls, nurEinmal aussprechen! — Die B l ü t e n d e r K r a ft-bäume sind schmal und haben nur zwei einfacheFarben, die weiße und rothe, Unschuld und Scham;hingegen die Blumen auf ihren dünnen Stän-geln sind breiter als diese, und schmücken sich mitbrennenden Farben. — Aber jedes erste Gefühl istein Morgenstern, der ohne unterzugehen, baldseinen Zauberschimmer verliert und durch das Blaudes Tags verhüllt weiter zieht.

Ich gerathe hier beinahe in dasselbe blumige Un-wesen durch Sprechen darüber; aber eben wiederaus der angeführten Ursache, weil ich über diejungfräuliche Kraft und Schönheit, womit frischeGefühle zum erstenmale reden, schon so oft, undbesonders in Vorreden gesprochen (ich verweise indieser zur zweiten Auflage der Mumien auf dieneueste zur zweiten Auflage der grönländischenProzesse); und so beweiset sich der Satz schon da-durch, wie er sich ausspricht.

Man wird vielleicht dem Verfasser es nachsehen,daß er seinen ersten Roman zwei Jahre zu frühgeschrieben, nämlich schon in seinem acht undzwanzigsten ; aber im Ganzen, gesteht er selber,sollte man Romane nicht vor dem Jahre schreiben,wo der alte Deutsche seinen spielte, und ihn so-gleich in Geschichte durch Ehe verwandelte, näm-lich im dreißigsten Jahre. An Richardson, Rous-seau , Goethe (nicht im lyrischen Werther, son-dern im romantischen Meister), an Fielding undvielen bewährt sich der Satz. — Der Verfasser derunsichtbaren Loge hatte von Lichtenberg so starkeBußpredigten gegen die Menschenkunde der deut-schen Romanschreiber und Dichter gelesen, undgegen ihre so große Unwissenheit in Realien ebensowohl als in Personalien, daß er zum Glückden Muth nicht hatte, wenigstens früher als imacht und zwanzigsten Jahre das romantische Wag-stück zu übernehmen. Er fürchtete immer, einDichter müsse so gut wie ein Maler und Baumei-ster etwas wissen, wenn auch wenig; ja er müsse,(die Sache noch höher getrieben), sogar vonGränzwissenschaften (und freilich umgränzen alleWissenschaften die Poesie) manches verstehen, sowie der Maler von Anatomie, von Chemie,Götterlehre und sonst. — Und in der That hat sichNiemand so stark als Goethe —der unter allen be-kannten Dichtern die meisten Grundkenntniffe insich verknüpft, von der Reichpraxis und Recht-kehre an, Lurch alle Kunststudien hindurch bis zurBerg- und Pflanzen, und jeder Naturwissenschafthinauf — als den festen und zierlichen Pfeiler deSGrundsatzes hingestellt, daß erst ein Dichter,