Band 
I.
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Die unsichtbare Loge.

Der Edelmann hoffte, ich würde auf seinen Papaund seine Mama bieten; aber ich «war bei nichtsder Mehrbieter als bei Gustavs Portrait, daS erauch losschlug. Der Edelmann hieß — Röper,von dem ich oben gesagt, daß er an Einem TageEhemann und Stiefvater geworden.

Und hier hängst Du ja, Gustav mir und mei-nem Schreibtisch gegenüber, und wenn ich überetwas sinne, so stößet mein Auge immer auf Dich.Viele tadeln mich, mein kleiner Held, daß ichDich hier zwischen Shakspeare, und Winkelmann(von Baust) aufgenagelt; aber hast Du nicht —das bedenken zu wenige — einen Nasen - Schwib-bogen, auf dem schwere und hohe Gedanken ru-hen, einen solchen, der oft unter der Hand desTodes sich noch schöner wölbt, und hast Du nichtunter dem Knochen - Architrab ein weites Auge,durch das die Natur wie durch eine Ehrenpfortein die Seele zieht, und ein gewölbtes Hausdes Geistes und alles, womit Du Deine in Ku-pfer gestochne Nachbarschaft verdienest und aus-hältst?

Der Leser sollte wissen (es geschieht aber weiterhinten) was mich jetzo nöthigt, meinen Sektorplötzlich auszumachen und einzusperren....

Zweites Extrablatt.

Strohkranzrede eines Konsistorial - Sekretärs, wo-rin er und sie beweisen, das) Ehebruch undEhescheidung zuzulassen sind.

Ich gesteh' es hier, unser aufgeklärtes Jahrhun-dert sollte man das ehebrechende nennen. Ichsagte allerdings einmal auf dem Marktplatz zuMarseille, ich hielte den Bettel für recht, den Ehe-bruch — schon weit vor München, sagt' ich, mansollte an die Mutterkirche des Ehebettes noch ei»Ehefilial stoßen — im Obersächstschen sagt' ich,wenn jene Gräfin ein ganzes Jahr fortgebar,jeden Tag etwas: so wäre noch jetzo bei Gräfin-nen wenigstens das vorhergegangene Jahrzu haben — in den zehn deutschen Kreisen drückt'ich mich gewiß auf zehn verschiedene Arten

aus:-aber es war damals nirgend der Ort,

die Sache klar aus der Physiologie darzuthun, alsblos hier.

Sanktorius wars,* der sich auf einen del-phischen Nachtsiuhl setzte und da die Wahrheitaussaß, daß der Mensch alle elf Jahre einen neuenKörper umbekomme — der alte wird wie derdeutsche Reichs - Körper stückweise flüchtig, undes bleibt von der ganzen Mumie nicht so vielsitzen als ein Apotheker klein geschabt in einemTheelöffel eingeben will. Bernoulli wieder-sprach gar "diesem ganz und rechnete uns vor,

- In Halters großer Phustologic steht es, daß der Menschnach S a »k t o r i u S alle elf Jahre den alten Körper fahrenlasse—nach Bernoulli und Blumen dach, alledrei Jahre — nach dem Anatomikcr Keil jedes Jahr.

Sanktorius stolpere, denn nicht in elf, sondernin drei Jahren dampfe der eine Zwilling - Bruderweg und schieße der andere an. Kurz Russen undFranzosen wechseln den Körper öfter als dasHemd des Körpers, und eine Provinz bekommtallzeit neue Leiber und einen neuen Provinzialmit einander, in drei Jahren wie gesagt.

Die Sache ist gar nicht gleichgültig. Denn esist sonach unmöglich, daß ein Kahlkopf, der seinEhejubiläum begeht, an seinem ganzen Leibe aufein Stückchen Haut HcllerS groß hinweise undanmerke: »mit diesem Läppchen Haut stand ichvor fünf und zwanzig Jahren auch am Altar undwurde sammt dem übrigen an meine jubilierendeFrau hinan kopuliert." Das kann der Jubelkö-nig unmöglich. Der Ehering ist zwar nicht her-unter, aber der Ringfinger längst, um welchen ersaß. Im Grunde ists ein Streich über alleStreiche und ich berufe mich auf andre Kvnsistv-rial - Sekretäre. Denn die arme Braut steigtfreudig mit der Status eurutis von einem Bräu-tigamkörper unter den Betthimmel und denkt —was weiß sie von guter Physiologie — am Körperhabe sie etwas Solides, ein eisernes Stück, einJmmobiliargut, kurz einen Kopf mit Haaren, vondenen sie einmal sagen könne, an meinen und anmeiner Haube sind sie grau geworden! Das hofftsie; indeß schafft unter ihrem Hoffen der Schelmvon einem Körper seine sämmtlichen Glieder wieein Student sein verschuldetes Studentengut nachdrei Jahren infinitesimaltheilchenweise bei Nachtund Nebel fort. — Wendet sie sich am Neujahr-abend um: so liegt im Ehebette blos ein Gipsab-guß oder eine zweite Auflage neben ihr, die dervorige Körper von sich darin gelassen und in 'welcher kein altes Blatt der alten mehr ist. Wassoll nun eine Frau, wenn der Kubik - Inhalt desBrautbettes und der des Ehebettes so verschiedensind, von der Sache,denken? — ich meine, wennz. B. ein ganzes weibliches Konsistorium (z. B.die Frau Konsistvrialpräsidentin, die Dicepräfiden-tin, die Konsistorialsekretärin) nach drei Jahrenauf dem Kopfkissen ein ganz anderes männlichesKonsistorium antrifft als das aufgelöste war, dasdie Ehe versprach: was soll eine Frau da anstellen,die, wenns eine Konsistorial - Hälfte ist, recht gutweiß quick sul-is? Sie, sag' ich, die es hundert-mal über dem Essen gehört haben muß, daß einesolche Entweichung des männlichen Körpers eineverfluchte böslicheVerlaffung oder ckossrtlcrIllatitiosa ist, die sie von ihren Ehepflichten ganzlosknüpfet — und es kann vollends eine solcheStrohwitwe gar Lutherum cke eaugls iriati-iino-nit gelesen haben und sich daraus entsinnen, daßer einer böslich Verlassenen nach einem oder ei-nem halben Jahre eine neue Ehe nicht ver-beut.Sich in besagte neue Ehe zu begeben,

wird offenbar die erste Pflicht und Absicht einersolchen Verlassenen sein; da aber der neue testie-rende Ehemanns - Körper nichts für den fortge-dünsteten kann: so wird sie es, um ihn nicht zukränken, ohne sein Wissen und ohne Rachsuchtthun, wenn er etwan auf der Börse ist — oderauf dem Katheder — oder auf der Messe — oderzu Schiffe — oder hinter dem Sessiontisch odersonst aus.