Band 
I.
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Die unsichtbare Loge.

von Amerika nichts verschenken als den Namen,ist aber nicht das, was einige Päpstinnsn von die-sem Lande uns mittheilen, etwas viel reelle-res?— Könige, die sonst von Päpsten gequältwurden, werden jetzt von Päpstinnen beglückt;und wenn jene höchstens einen oder ein PaarKönige schufen, werden nicht die Könige unter denmeisten europäischen Thronhimmeln von Päpstin-nen gemacht, und zwar in niedlichem Tasche!,for-met, bis sie aus der Taufschüffel nach'und nachheranwachsen, daß sie so lang sind wie ich oderihr Thron? — Küssen wir ihnen nicht den Pan-toffel öfter als dem seligsten Vater, indem diezwei Arme vom Professor MvScati'zu Padualängst als zwei VorLerfüße befunden worden, ausderen lederne oder ssidne Schuhe wir alle Wochenunsre Lippen drücken? — Legen nicht Papst undPäpstin. den alten Namen ab, wenn sie denThron beschreiben, den der eine durch Alter, dieandre durch Jugend behauptet? — Und wenn»wahr wäre, daß Papst und Päpstin ursprünglichnur Bischöfe einer Provinz (eines Mannes) seinsollen und daß es weiter keine Päpstin gibt als diegute Johanna; würd' ich wohl gerade das Ge-gentheil öffentlich in einem Extrablättchen oderheimlich zu ihnen zu sagen wagen, durchlauchtigeKiebiissin? —

Ende des Extrablatts.

Fortsetzung des vorigen Sektors.

Während ich die Bebtissin befragte: kam ichvon der wildlaunischsn Rittmeisterin weg. Ichwill setzen, ich oder der Leser hätten sie geheira-thst: so würden wir zwar dem Himmel danken,an ihren Ringfinger unsern brillantierten Ning ge-schraubt zu haben; — aber doch würden wir unstäglich, wie man sieht, mit ihr herum zu beißenhaben: so gewiß blcibts, daß nicht die weiblichenLasier, sondern die weiblichen Launen so viel Pfer-dsstaub und Dornen in das Chelager säen, daßoft der Satan darauf liegen möchte. —

Ohne Gustav, der so viel zuschleppt, kämenwir vor zehn Minuten nicht auS dem Schlosse.Mein Leser malt sich ihn wider meine Erwartungganz falsch vor, traurig nämlich, weil er ausseiner Kindheit-Erdenwiege, auS seinem Adams-garten und von seinem Abendberge weichen soll.So falsch! — Ein anderer Leser würde sich ihnfreudig denken, weil für Kinder, denen ,nvchjede andre Szene eine neue ist, Reisen die Schö-pfung eines neuen Himmels und einer neuenErde wird, und weil die Phantasieen eines Kindesnoch keine kummerhaften sind. Scheerau mußtein seinen Vermuthungen durchaus die Stadt mitlangen Häusern sein, worin er mit seinerSchwester gespielt. Noch dazu wurde — was al-len Kindern eins Naturalisazionakte ist — seinSpielmagazin eingeschifft^ sogar den Staarmatz,der als geschüttelter Hierarch in der salomonischen

Filialkirche auf und absprang, hielt er auf denstabenden Knieen. Jeden Winkel des Schlossesbedäuerte er sammt dem, was darin war, daßes nicht mit einsteigen dürfte; dieses ganze Kon-chyliengehäus kam ihm so eng, so abgegriffen, soabgeschossen vor! Leute, die wenig gereicht,schauen ihre Stube in den Augenblicken der Ab-reise — der Ankunft — und in den übrigen mitdrei verschiedenen Gefühlen an; aber für Zug-heuschrecken und Zuggeflügel sind die Kunststraßenund Nesidenzsiraßen nur die Korridore zwischenden Zimmern.

Schon eine halbe Stunde saß er auf dem nack-ten Kulschenkasten voraus, mit den Beinen inGepäck eingekeilt und in zappelnder Erwartung,wann die Pferde den ersten Riß thäten. Endlichwurde die Wagenthüre zugeworfen und alles rolltedahin, den Berg hinab, den Gemeindeangerhinüber, auf welchem der weißgeschälte Baum,der zur Kirchweih sich mit gsröthelter Fahne undBänderwimpeln noch einmal in die Erde bohrensollte, unserem Gustav ganz verächtlich wurde,der jetzt in Scheerau hundert schönern Maien-bäumen und Kirchweihen entgegenfuhr. — Aberals es vor der an Freuden fruchtbaren Re-gion seines Berges vorüberging: so zog er vomTrauergerüste der gestorbnen Nachmittage, vomklingelnden Vieh, das am Gipfel grösste, voneinem Weideädjunktus, der ihm schlecht gefiel,vom zusammengetragenen Steinpferch, in den ersein Lämmchen gestellt, LaS nun ohne Band undohne Liebe droben stand, und endlich vom Mark-stein, auf dem sonst seine Traute, seine Schönestrickte, davon freilich zog er die zurückgewand-ten Blicke sehnend langsam weg. --Ach/- dacht'er,--wer wird dir Zitronenkuchen geben und meinem--Lämmchen Brodrinden? Ich will euch aber schon--alle Tage recht viel herschicken! --

ES war ein reiner Oktobsrmvrgen, der Nebellag zusammengefaltet dem Himmel zu Füßen, derwegfliegende Sommer schwebte mit seinen blauenSchwingen noch hoch über den Aesten und Blumen,die ihn getragen und schauste mit, dem weitenstill erwärmenden Sonnenaugs den Menschen an,"von dem er Abschied nahm. Gustav wollte ausdein Wagen, um den bethaueten fliegenden Som-mer, der zartgesxonnen wie ein Menschenleben dieErde überzog, zusammen zu wickeln und mitzu-nehmen. Aber du Mensch! hängst so oft alsstinkende Pest- und Nebelwolke in die reine Na-tur herein!

Denn sie mochten kaum eine Stunde gefahrensein, nach der er schon jedes Dorf für Scheerau

hielt_ Ich will aber erst angeben, wo eS war.

Bei Jssig schrie er im Wald: --o! nun dort wird--der schwarze Arm hineinlangen und mich Hinau-Z---ziehen!-- Als sich der Alte noch darüber wun-derte, woher der Kleine wüßte, daß jetzt eineArmsäule komme, die wirklich aus den Bäumenherauswies: so fings auf einmal darhinter an zuschreien: --ach meine Augen, meine Augen! --Den Kleinen und die Mutter versteinerte derSchrecken; aber der Rittmeister stürzte sich aus,oder durch den Wagen, zerstieß die Gläser undprallte in den Wald hinein — und an ein küssen-des feines Kind hinan, aus dessen zerschnittenen