Band 
I.
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Die un. ficht

tunkten Finger ruhig die Züge folgender Wortean die Wand, die er unaufhörlich ablas: "ekel-"haft wars wohl, verteufelt ekelhaft:" — Jedenandern hätte ein eintretender alter Freund wieFalkenberg sogleich in der ganzen Szene gestört;aber der Professor war nicht aus seinem Spaß zuziehen, sondern hob seine Umhalsung in unverän-dertem Tone mit dem Rapport des gegenwärtigenVorfalls an: --gegenwärtiger Herr Flvßiuspektvr--Peuschel/- begann Hvppedizel, --zeche gern, Wein--nämlich — es habe nichts verfangen, daß die--Frau Jnspektorin (— denn schonende Diskrezion--war nie auf HvppedizelS Lippen —) ihn habe--nmbessern wollen durch einen lebendigen Frosch,--den sie in seinem Weine krepieren lassen. Er--selber habe daher heute Hand angelegt, ihm das--Nippen zu verleiden. Denn er habe zum Glück--einen Blasenstein — so dick wie eine Muskatel---lerbirn — aus einem Universttätkadaver geschnit---ten: den hab' er zu einer Trinkurne ausgebvh-„ret und Hrn. Peuscheln weißgemacht, aus Lava--sei ste; und heute habe er seinem vomierenden--Freund ächten ungarischen Ausbruch daraus--saugen lassen; damit es ihn nun geekelt und z»--einem andern Ausbruch genöthigt hätte, hab' ers--vor einem Paar Minuten dem Pazienten klar--dargethan, daß das vulkanische Spitzglas wahrer--Harn - oder Nierenstein gewesen. Und er hoffe,--sein Freund schlage stch das urinöse Steingut--eine Zeitlang nicht aus dem Kopf.-- Der Pro-fessor ging den Inspektor an, ihm den Gefallenzu thun, und, sobald der Ekel nachließe, heuteAbends in der Gesellschaft des Herrn Rittmeisterszu einem Löffel voll Suppe da zu bleiben.

Man komme noch so oft in gewisse Häuser, soerblickt man alles revidiert und umgesetzt undumgestürzt; aber im Hoppedizelschen am meisten;und des Rittmeisters Winterlager sah immer aus,wie ein Gartenhaus im Winter. Menschen vonfeinem Gefühl bezaubern durch eine gewisse zärt-liche Aufmerksamkeit auf kleine Bedürfnisse desandern, durch ein Errathen seiner leisesten Wün-sche, durch eine stete Aufopferung ihrer eignen,durch Gefälligkeiten, deren seidenes Geflecht sichfester und sanfter um unser Herz herumlegt alsdas schneidende Liebeseil einer großen Wohlthat.— Hvppedizel bediente stch weder des Flechtensnoch Seiles und fragte nach Nichts. Es warnicht Abwesenheit des feinen Gefühls, sondernUngehorsim gegen dasselbe, daß er — wenn derRittmeister die erste Woche Quartier und Verlei-her verfluchte — dazu lachte.

Der zarte Amandus bewohnte den ganzenAbend das Siechbett und Gustav kroch an seineSeite, um mit ihm zu spielen. Wie heitern unsim sieinichten Arabien der hassenden Welt Kinderwieder auf, die einander lieben und deren gutekleine Augen und kleine Lippen und kleine Händenoch keine Masken sind!

Am andern Tage nahm beide Kinder ein Zu-fall wieder auseinander. Der Rittmeister führtesie durch alle Gassen der Stadt wie durch eineBildergallerie und hielt endlich mit den zwei Her-zensmilchbrüdern vor seines Freundes, des Dr.Fenks Hause still, und sah sehnend das Gemäldedesselben an —es bildete eine Doktors-Kutsche vor,

bare Loge.

mit einem Arzt innen, mit dem Tode vorn, derin die Gabel eingespannt war, und mit dem Teu-fel oben, der auf dem Bock saß. --Der gute Narr,dacht' er, könnt' auch einmal aus seinem Ita-lien abziehen und seinen Freunden eine Freudemachen! -- Denn er wußte von seiner Ankunftnichts. - ManduS! Mandus! lauf'rauf!-- schrieplötzlich ein zappelndes Mädchen oben und kamselber gesprungen und zerrte und guckte am Klei-nen. Der gutmüthige Rittmeister wanderte gernaus dem großen Parterre den Kindern nach ins ver-traute Haus, und seine Verwunderung über alleZeichen der Rückkehr Fenks endigte nichts alsder hereinbrechende Doktor selbst. Dieser pralltevvm halben Wege zu einer Umarmung auf denkleinen Blinden zurück und riß unter Thränenund Küssen die Bandage auf — besah die Au-gen lange am Fenster — und sagte nach einemtiefen Athemzug: --Gottlob und Dank! er wirdnicht blind!-- Erst jetzt schlug der Doktor seineArme mit doppelter Wärme um den Freund :--verzeihs, es ist mein Kind!-- Gleichwohl nahmer Amandus wieder anS Licht und beschattete ihnnoch länger und sagte mit hinaufgezogenen Au-genbraunen: - Blos die Selvi-otx-u scheint lä-diert ; die Okulisiin zapfte die wässerige Feuchtig-keit heraus. In Pavia sah ichs alle Wochen anHunden, denen die Zahnärzte (unsre medizinischenLehnsvettern) die Augen aufschnitten und einedumme Salbe darauf strichen. Wenn nachherdie Feuchtigkeit und das Gesicht von selber wie-der kamen: so hatt' eS die Salbe gethan.--

Ich übergehe den Strom von gesprächiger undfreudiger Ergießung beider Freunde, vor dem siekaum mehr hörten und sahen, am wenigsten dieUhr — --Ach sie kommen!-- sagte Fenk, nämlich dieGäste. — Da meine Leser Verstand genug haben:so können sie mich, hoff' ich, auserzählen lassen,eh' sie ihre Zvrnruthe gegen den bildlichenSteiß des Doktors hinter dem Spiegel vorho-len. —

Niemand als er, haßte so brennend das Enge,das Unduldsame und Kleinstädtische der Nnterscheer-auer, womit sie sich ein so kurzes Leben verkürz-ten und ein so saueres versäuerten. —--Mich ekeltsvon ihnen gelobt zu werden,-- sagt' er nicht blos,sondern er erboste auch gern mit dem schlimmstenAnstrich seiner reinsten Sitten alles von einemThore zum andern; indeß vermocht' er aus Her-zens-Weichheit mehr nicht zu ärgern als dieganze Stadt t» grosso, einen allein nie. Des-wegen grassierte er am zweiten Morgen seinerAnkunft wie eine Influenza von einem Hausezum andern und bat alle Muhmen, Basen,'Blut-feinde, Leute, die ihn nichts angingen als dieliebe Christenheit, z. B. den Flößinspektor Peu-schel, den Lottodirektor Eckert mit seinen vierSpätbirnen von Töchtern und was nur Unter-scheerauschen Athem hatte, das bat er sämmtlichzusammen auf den Nachmittag, auf eine Reisesel-tenheit, nämlich auf ein Iierbaiium virum, daser zeigen werde: - es sei kein lebendiges Kräuter-buch, sondern etwas ganz besondres und von denGletschern wäre das beste her.--

Diese kamen eben setze alle — nicht weil siedas geringste nach einem Kräuterbuch fragten,