Band 
I.
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290 Die unsich

den freiwilligen Umwegen von Gaffen, durch dieer zu seinem gekränkten Amandus ging, an Be-ata, die nun seine Wanknachbarin wurde, an dieLiebe und den Verdacht seines Freundes, an dieUnmöglichkeit, den Verdacht zu heben; und dagerade Um sechs Uhr vom eisernen Orchester unddein Stephalithurm die abendliche Sphärenmusikin die Gassen »iederfloß: so sank sei» Herz in dieTöne hinein und er brachte seiuem Freunde dasweichste mit, das es außer der Brust Beatensgab. Ich und der Leser Haben hierüber unsreGedanken: eben diese versöhnliche Weichheitschrieb sich blos vom versteckten Bewußtsein her,daß er halb den Verdacht der Nebenbuhlerei ver-diene: denn sonst hätt' er, von Stolz gehoben,dem andern zwar auch vergeben, aber ihn darumnickt stärker geliebt.—Er fand ihn m der schlimmstenStimmung für seine Absicht — in der freund-schaftlichsten nämlich; denn in Zärtlich - Krankenist jede Empfindung ein gewisser Vorbote derentgegengesetzten und alle haben abwechselndeStimmen. Amandus war im Anatomier - Zim-mer seines Vaters — der Sonnenstrahl siel vorseinem Untergang in die leere Augenhöhle einesTodtenschädels — in Phiolen hingen Menschen-Blüten, kleine Grundstriche, nach denen dasSchicksal den Menschen gar ausziehen wollte,Menschchcn mit vorhängendem große» Kopf undgroßen Herzen, aber mit einem großen Kopfeohne einen Irrthum und einem großen Herze»ohne einen Schmerz — auf einer Tafel lag eineschwarze Färbers - Hand, an deren Farbe derDoktor Proben machen wollte. . . . WelcheNachbarschaft für eine Aussöhnung und eins»Abschied; drei Blicks machten und versiegeltenjene — schon Blicke reden in dieser nackten Ent-körpcrung der Seele eine zu schreiende Sprache

— aber als Gustav diesen vom schönsten En-thusiasmus über Verdacht und Furcht hinüberge-hoben, seinem Freunde ansagte; als er ihm, dernoch nichts davon begriff, seine neue Wandnach-barschaft und den Verlust der alten kund that:

— zerflogen war der Freund und ein schwarzerFeind sprang aus seiner Asche heraus — dieseMinute benützte der Tod und schlug die letzteWurzelfaser seines wankenden Lebens gar ent-zwei. .. . Gustav stand zu hoch, um zu zürnen

— aber er mußte sich noch höher stellen — er fielum ihn und sagte mit entschlossener reinerStimme: --zürne uns Haffe, aber ich muß Dir ver-geben und Dich lieben — mein ganzes Herz mitallem seinem Blut -bleibet Deinem getreu undsucht es auf in Deiner Brust — und wenn dumich auch künftig verkennest: so will ich doch alleWochen kommen, ich will Dich ansehen, ich willDir zuhören, wenn Du mit einem Fremden redest;und wen» Du mich dann mit Haß anblickst: sowill ich mit einem Seufzer gehen, aber Dich dochlieben — aber ich werde alsdann daran denken,daß Deine Augen, da sie noch zerschnitten waren,mich schöner anblickten und besser erkannten . . . .o stoße mich nicht weg von Dir, gib mir nurDeine Hand und blicke weg.-- —

»Da! sagte der zertrümmerte Amandus und gabihm die kalte schwarze — Färbers - Faust. . . .Der Haß überlief wie ein Schauer das liebreich-

tbare Loge.

sie Herz, daß sich noch in einer menschlichenBrust verblutete — Gustav zerstampfte auf derErde seine Liebs und seinen Haß und ging ver-stummt mit erstickten Empfindungen aus demHause und am andern Tage aus Oberscheerau.

Kaum hatte Amandus den gemißhandelten Ju-gendfreund über die Gaffe zittern sehen: so ginger in sein Zimmer, hüllte sich mit dem Kopfkissenzu und ließ, ohne sich anzuklagen oder zu entschul-digen, seine Augen so viel weinen als sie konnten.Wir werden es hören, ob er sein krankes Hauptwieder vom Kopfkissen erhob und wann erwieder von Gustav ins stille Land begleitetwurde, aus dem er ihn zurück zu stoßen suchte.O der Mensch! — wacuin will Dein so bald inSalz, Wasser und Erde zerbröckelndes Herz einanderes zerbröckelndes Herz zerschlagen — Acheh' Du mit Deiner aufgehobnen Todtenhand zu-schlägst : fällt sie ab in den Gottesacker hin — acheh' Du dem feindlichen Busen die Wunde gege-ben, liegt er um und fühlt sie nicht, und DeinHaß ist todt oder auch Du.

Fünf und zwanzigster oder XXII.Trinitatis-Sektor.

Gttomars üricst

"Wenn wir Ottomars Brief gelesen: so wollenwir uns an Gustavs neues Theater stellen undihm zuschauen. Im folgenden Briefe herrschtund tobt ein Geist, der wie ein Alp, alle Men-schen höherer und edler Art drückt und oft be-wohnt, und den blos — so viel er auch holländi-sche Geister überwiege — ein höherer Geistübertrifft und hinausdrängt. Viele Menschenleben in der Erdnähe, einige in der Erd-ferne, wenige in der Sonnennähe. — Fenksehnte sich so oft nach seinem Ottomar, zumal nachseinem Stillschweigen von einigen Jahren, und ersprach so oft von ihm gegen Gustav, daß es gutwar, daß die Adresse des Briefes von fremderHand und an Doktor Zvppo in Pavia war: sonsthätte der Doktor sogleich gegen die erste Zeiledes Briefes gesündigt.

--Nenne, ewiger Freund, meinen Namen demUcberbringer nicht: r ch muß es thun. Auf mei-nem letzten Lebensjahre liegt ein großes schwarzesSiegel; zerbrich es nicht, halte die Vergangenheitfür die Zukunft — ich mache sie zur Gegenwartfür Dich, aber jetzo noch nicht — und wenn ichstürbe, ich träte vor Dich und sagte Dir meinletztes Geheimniß der Erde.

Ich schreibe Dir, damit Du nur weißt, daß ichlebe und daß ich im Herbste komme. Mein Rei-sedurst ist mit Alpen - Eis und Seewaffer ge-löscht; ich ziehe nun heim in meine Nuhestat, und