Band 
I.
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Die unsichtbare Loge.

ten selber um und sagte, sie wäre schon sür denganzen Tag aufgesetzt bis aufs Pudern. Alleinsie mochte ihren Weigerungen die schönsten Ge-stalten umgeben, die ihr sein Stand und die vonihrer Mutter anerzogene Hochachtung gegen seinGeschlecht befahlen: am Ende sah sie, sein Wider-legen sei nicht viel besser als sein Frisieren. Alser das letzte anfing, und so nahe vor ihr stand,sah sie wieder das Gegentheil. Jedes Haarwürd' an ihr zu einem Fühlfade» und ihr war,als berührte er ihre wunden Nerven, als gingemit ihm eine flammende Hölle um sie. Auf ein-mal quoll ihre Bangigkeit, »ach den Gesetzen derweiblichen Natur, von der mittlern Stufe zurhöchsten auf — ich möchte wissen obs von seineneigennützigen Stellungen kam, die ihm nichts hal-fen, oder von einem Kusse, als der Einnahme derBenefizkomödie, die er zu seinem Besten auf-führte, oder von ihrem Blick auf die Pyramidedes Eremitenbergs, der ihre zagende Brust mitdem Bilde und Ebenbild ihres Brudersüberfüllte — genug sie sprang fieberhaft auf undnach den Worten: --sie hätte so gewiß versprochen,der Residentin den Hut aufsetzen zu helfen undwäre noch hier!-- erwartete sie gewiß, daß ihn die-ser demüthig - stolze Vvrwurf forttriebe. Erwar nicht fortzutreiben. Dieses Mißlingen zer-riß ihre zarten Kräfte und sie lehnte sich wankendmit dem Arme und frisierten Kopfe an die Ta-pete. Er, vielleicht gelangweilt oder froh, sie anseine Nachbarschaft gewöhnt zu haben, nahm sei-nen Vogel und sie, und führte sie selber zur Resi-dentin; hier holte er mit ihr das Belachen derBenefizkomödie nach und so fort.-

Jndessen hatten sich dennoch die Qualen desäußern Kopfs in die Migräne des innern aufge-löset; sie blieb von der Tafel und — so lang' erdasmal da war — auch aus dem Parke.

Welches letzte zu erweisen nicht so wohl als zuerklären war.

Acht und zwanzigster oder Simon ZudäSektor.

Gemälde — ltcsidenti».

Vorgestern (den 26 . Oktober) war dein Na-mentag, Amandus! Hast du wohl in deinemLeben einen mit freudigen Augen gefeiert? HastDu je am Ende eines JahrS gesagt: möge dasneue eben so sein? — Ich will nicht darauf ant-worte», um nicht trauriger zu werden. .. .

Gustav sah nichts mehr im Garten als was ernicht suchte, den Fürsten und dergleichen: er trugunnöthiges, d. h. verliebtes Bedenken, sich beijemand über Beatens Unsichtbarkeit zu erkundi-gen — bei den zwei Gärtner - Kindern ausgenom-men, die nichts wußten, als daß Beata, wie er,noch immer mit ihnen tändle, und sie beschenke.Vielleicht gab sie ihnen, weil er ihnen gab; denn

er gab ihnen, weil sie es that. Die einzigen Re-liquien von ihr, ihre Spazierwege, zogen ihn destoöfter an sich. O wäre doch der Kies weicher oderdas Gras länger gewesen, damit-beide ihm denmatten Abriß einer Spur, daß sie da gewesen,aufgehoben hätten; so würde dieser Dvrnengartenseiner Unsichtbaren seinen Wünschen noch größereFlügel, und seiner Wehmuth größere Seufzergegeben haben. Denn ich muß es nur einmaldem Leser und mir gestehen, daß er jetzt in jenemschwärmerischen, sehnenden, träumenden Zustandwar, der vor der erklärten Liebe ist. DieserTraumflvr muß über ihm gelegen haben, da ereinmal statt des Schlangenbachs im Abend-thal, den er zeichnen wollte, die schöne Statueder Venus, die aus diesen Wellen gezogen schien,abgerissen hatte; und zweitens, da er nicht sah,wer ihn sah — die Residentin. Er kam ihr vorwie ein schönes Kind, das fünf Fuß hoch gewach-sen-ist; er konnte mit allen seinen innern Vorzü-gen noch nicht imponieren, weil auf seinem Ge-sicht noch zu viel Wohlwollen und zu wenig Weltgeschrieben war. Mit jener scherzhaften Koket-ten - Freimüthigkeit, die die erstgeborne Tochterder Koketten - Geringschätzung des männlichenGeschlechts ist, sagte sie: --ich geb' Ihnen für die'Zeichnung das Original-- und nahm die ersteund besah sie mit schöner (über etwas anders)denkender Bewunderung. Oesel, dem ers er-zählte, schalt ihn, daß,er Nichtsein gesagt hatte:-welches Original?-- Denn er hatte zurlebendigen Venus nichts gesagt.

Er war es auch nicht im Stande; denn siestand vor ihm mit allen Reizen, die einer Junobleiben, wenn man ihr die holde Farbe der erstenUnschuld nimmt, mit ihrem Federn - Walde, denihr in Unterscheermi hundert nachtragen weil siemit wenigen nieincr Leserinnen, die auch mehrFedern aufsetzen als sie in ihrem Leben Federnschließen werden, so viel herausgebracht haben,daß jede Juno eine Göttin und jede Göttin eineJuno sein, und daß man Damenköpfe und Kla-viere stets bekieIen müsse.

Sie fragte ihn nach dem Namen seines Zei-chenmeisters (des Genius); seinen eignen sagte sieihm selbst. Sie konnte Achtung sich erwerben,bei allen ihren Fehltritten, und ihre Sünden undder Teufel schienen ihr nur als Kammmermohrennachzutreten; ihr Gesicht wie ihr Benehmen trugdas innere Bewußtsein ihrer nachgebliebnen Tu-genden lknd ihrer Talente. Gleichwohl merkte siean der scheuen Ehrfurcht, die Gustav weniger ih-rem Stande und Werthe als ihrem Geschlecht er-wies daß er wenig Welt habe. Sie verließ alle,Umwege und ging ihn gerade zu um eine Abzeich-nung des ganzen Parks für ihren Bruder inSachsen an. Ich nenne das Bitte, was sie eigent-lich allemal im scherzhaften Tone einer Kabinet-vrdre, an Männer komponierte — und mankonnte ihren weiblichen Ukasen nichts entgegen-setzen als männliche.

Eine Fran trage Dir nur einmal ein Geschäftauf, so bist Du mit Leibund Seele ihr; alleDeine sauern Tritte, alle Deine Mühwaltungenfür sie legen sich an ihrem Bilde, das Du an dieBeinwände Deines Kopfes ausgebreitet, als Reize