Die unsichtbare Loge
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Kopf auf den Arm mit den Augen legen undwünschen, daß mir das Herz breche, so gut wiemeinen Bekannten; ich werde sagen, ich wollt' eswäre vorbei. Dann, geliebter Sohn, geliebterFreund, (der Du als der jüngste meiner Freundemich schon überleben wirst) wird Deine Gestaltvor meine satten müden Augen treten, dannwerde ich sie auswischen und mich an alles erin-nern, und Deine Hand wird mich doch ins stilleLand hinausführen; ich werde den Frühling derErde so lange genießen als ich ihn sehen kaun, undich werde Dir mit drückender Hand ins Gesichtsagen: eS thut mir heute recht wohl, daß ich Dichvor vielen Jahren zum Sohne angenom-men. . . .
Morgen will ich kommen, um meinen Freundzu einer Reise auf die nächsten Tage mitzuneh-men, damit wir den vergangnen aus dem Wegegehen.-- —
Am andernMvrgen geschahS.
Zwei und dreißigster oder 16 No-vember-Sektor.
Schwindsucht — Leichenrede in der Kirche desstille» Landes — Cüroniar.
Es wäre mir vielleicht auch besser, ich suchtebeiden weniger mit der Feder nachzukommen alszu Fuß. Die Lesewelt kann jetzt an meinen Sa-chen kosten und naschen, indeß ich der Ostermeffeentgegen huste, weil ich mir an jenen Sachen undam Schreibtisch, woran ich mich niederkrümme,eine hübsche vollständige Hektik in die zwei Lun-genflügel geschrieben. Das sämmtliche Publikumsagt nicht, hab Dank zu mir, daß ich mich ummeinen gesunden Athem und um meine seUes ge-dacht und empfunden: es ist fast alles an mir z u,und es kann wegen der doppelten Sperrord-nung nach entgegengesetzten Richtungen wenigdurch mich passieren. Ich wandele daher hinterden Pflugschaaren aller Auenthaler, um denBroden der Furchen wie die besten brittischenHektiker thun * — einzuziehen als Mittel gegenmeine Luftsperre und andere Sperre. Gleich-wohl würde mich das einfältige Publikum, indegen Dienst ich mich so elend gemacht) auslachenwenn es mich den Pflug-Ochsen wie eine Krähenachschreiten sähe. Ist daS Rechtschaffenheit? —Muß ich nicht ohnehin alle Nacht zwischen denArmen von zwei Pudeln schlafen, die ich mitmeiner Lungensucht anstecken will, wie ein Ehc-
* Die drei Kuren, die ich oben im Texte gegen, meine Lun-gewucht gebrauche, hab' ich von drei Völkern — Das Nach-tpaiicrcn in frisch gepflügten Furchen rathen die Engländer— das Stärken durch eine Hundc-Schlafgenosscnschaft räthein FranzoS slo In Iticliedauckiene) — das Athmen derLust in Viehställen wird schwedischen Hcktikern vorgeschrie-ben.
mann von Stande? Bin ich aber dann, wennich die zwei Beischläfer durch Nacht- und Morgen-gabe mit meinem Uebel dotiert habe, des Mglumsselber los, oder sagt nicht vielmehr Herr Nadande la Richebaukiere, neue Hunde mußt' ich kau-fen und infizieren, weil eine halbe Hunde-Mena-gerie zum Ruslader eines einzigen Menschennöthig ist? So kann ich mein Honorar blos inHunden verthun. Ich will den Schaden sogarverschmerzen, den meine Rechtschaffenheit dabeileidet, weil ich mich gegen die armen einsaugen-den Hunde, deren Lungenflügel ich lähmen unsbeschneiden will, jo freundlich wie Große gegendie Opfer ihrer Rettung stellen muß.
Inzwischen ist doch das noch das verdrüßlichsteSkandal, daß ich gegenwärtig im — Viehstallschreibe; denn dieser soll auch (nach neuern schwe-dischen Büchern) eins Apotheke und einen See-haven gegen kurzen Athem abgeben: Meinerwollte sich indeß noch nicht verlängern, ob ichgleich schon drei Trinitatis hier sitze und dreilange Sektores (gleichsam Josephs Kinder) amGeburtorte viel dümmerer Wesen in die Welt setze.Man muß selber an einem solchen Orte der Hek-tik wegen im juristischen oder ästhetischen Fache(weil ich beides, Belettrist und Nechtkonsulent bin)gearbeitet haben, um aus Erfahrung zn wissen:daß da oft die erträglichsten Einfälle viel stärkereStimmen als die der literarischen und juristi-schen Richter gegen sich haben und dadurch zumHenker gehen.
Während Fenk und Gustav mehr Traurigkeitals Gels verreisetcn, ob sie gleich nicht so langeausbliebest wie alle meine inrotulierten Akten: soging auch Oefel weiter, nämlich in seinem ro-mantischen Großsultan und tockierte mit demgrößten Vergnügen den Kummer seines Freundeshinein. Oefel dankte Gott für jedes Unglück, dasin einen Vers ging, und er wünschte zum Flor derschönen Wissenschaften, Pest, Hungernoth undandre Gräßlichkeiten wären öfter in der Natur,damit der Dichter nach diesen Modellen arbeitenund größere Illusion daraus erzielen könnte, wieschon den Malern, welche geköpfte Leute oderaufgesprengte Schiffe malen wollten, mit den Ur-bildern dazu beigesprungen wurde. So abermußt' er oft aus Mangel an Akademieen selberseine sein, und war einmal einen ganzen Taggenöthigt, tugendhafte Regungen zu haben, weildergleichen in seinem Werk zu schildern waren— ja oft mußt' er eines einzigen Kapitels we-gen mehremals ins B — gehen, welches ihnverdroß.
Es geht andern Leuten auch so: der Gegenstandder Wigenschaft bleibt kein Gegenstand der Em-pfindung mehr. Die Injurien, bei denen derMann von Ehre flutet und kocht, sind dem Juri-sten ein Beleg, eine Glosse, eine Jllustrazion zndem Pandekten-Titel von den Injurien. DerHospital-Arzt repetiert am Bette des Kranken,über welchem die Fieberflammen zusammen schla-gen, ruhig die wenigen Abschnitte aus seiner Kli-nik , die herpaffen. Der Offizier, der auf demSchlachtfeld — dem Fleischhacker - Stock derMenschheit — über die zerbrochnen Menschenwegschreitet, denkt blos an die Evoluzivnen und