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, Die unsichtbare Loge.
Gegenwart. — Wenn das Schicksal mit sich redenließe: so hätt' ich anf dem ganzen Ball mit ihmgezankt, daß es gerade der Person, die uns heuteso viel Vergnügen gab, das ihrige nahm."
„O — sagte sie — das gute Schicksal gab mirheute mehr Vergnügen als ich geben konnte.»Obgleich der Fürst unter die Personen gehört,mit denen man über nichts sprechen mag: sosagte sie dieses doch mit Empfindung, die abernichts als ein Dank ans Schicksal für die vor-herige srohe Lese-StunLe war.
»Sie sind (sagt' er mit einer feinen Miene,die einen andern Sinn in Beatens Rede legensollte) ein wenig Egoistin.— Das ist Ihr Talentnicht — Ihres muß sein, nicht allein zu fein.Sie verbargen bisher Ihr Gesicht wie IhrHerz; glauben Sie, daß an meinem Hofe niemandwerth ist, beide zu bewundern und zu sehen?"—Für Beata, die glaubte, sie hätte nicht nöthig be-scheiden zu sein, sondern demüthig, war einsolches Lob so gkoß, daß sie gar nicht daran dachte,eS zu widerlegen. Sein Blick sah nach einerAntwort; aber sie gab ihm überyaupt so seltenals möglich eine, weil jeder Schritt die alteSchlinge mit in die neue trägt. Er hatte ihreHand anfangs mit der Miene gesucht, womit mansie einem Kranken nimmt: sie hatte sie ihm gleich-gültig gelassen; aber wie einen todten Handschuhhatte sie ihre in seine gebettet — alle seine Ge-fühlspitzen konnten nicht das geringste Regsamean ihr aushorchen, sie zog sie weder langsam,noch hurtig bei der nächsten Erweiterung ausder rostigen Scheide heraus.
Der Tanz, der Tag, die Nacht, die Stille gabenseinen Worten heute mehr Feuer als sonst darinlag. --Die Loose — sagt' er und. spielte piquiertmit einer Münze der Westentasche, um die geflo-hene Hand zu ersetzen — sind unglücklich gefallen.Die Personen, die das Talent haben, Empfindun-gen einzuflößen, haben zum Unglück oft das feind-selige, selber keine zu erwiedern." Er hefteteseinen Blick plötzlich anf ihre Hemdnadel, an dereine Perle und das Wortglänzte; ersah wieder anf seine Bolognesische Münze, auf derwie anf allen Bolognesischen das Wort Udeutss(Freiheit) stand. »Sie gehen mit der Freund-schaft wie Bologna mit der Freiheit um — beidetragen das als Legende, was sie nicht haben." —Die edleren Menschen können bis. Worte"Freundschaft, Empfindung, Tugend" auchvon den unedelsten nicht hören, ohne bei diesenWorten das Große zu denken, wozu ihr Herzfähig ist. Beata bedeckte einen Seufzer mit ihrersteigenden Brust, der es nur gar zu deutlich sagenwollte, was Empfindung und Freundschaft ihr fürFreuden und für Schmerzen gäben, aber den Für-sten ging er nichts an.
Sein haschender Blick, den er nicht seinem G e-schlecht, sondern seinem Stande verdankte, er-wischte den Seufzer, den er nicht hörte. Ermachte auf einmal wider die Natur der Appella-zion und der Natur einen dialogischen Sprung:"Verstehen Sie mich nicht?" sagt' er mit einemTone voll hoffender Ehrerbietung. Sie sagtekälter als der Seufzer versprach, sie könne heutemit ihrem kranken Kopfs nichts thun als ihn auf
den — Arm stützen, und blos der mache ihr esschwer, die Ehrfurcht einer Unterthan!» und dieVerschiedenheit ihrer Meinungen von den seini-gen mit gleicher Stärke auszudrücken. — GleichNaubthieren haschte er, wenn Schleichen zu nichtsführte, durch Sprünge.. "O! doch (sagt' er undmachte Henris Liebeerklärung zur seinigen) Ma-rie! ich bin ja Ihr Bruder nicht." Eine Fraugewinnt, wenn sie zu lange gewisse Erklärungennicht verstehen will, nichts als — die deutlichsten.Er lag noch dazu in Henris Attitüde vor ihr."Erlassen Sie mir, antwortete sie, die Wahl, eSfür Scherz oder für Ernst zu halten — außerdem Theater bin ich unfähiger, den Rosen - Preiszu verdienen oder zu vernachlässigen; aber SiesindS, die Sie ihn überall blos geben müssen."
— Wem aber? (sagt' er, und man sieht daraus,daß gegen solche Leute keine Gründe helfe») —"ich vergesse über die Schönen alle Häßlichen undüber die Schönste alle Schönen — ich gebe Ihnenden Preis der Tugend, geben Sie mir den derEmpfindung —oder darf ich mir ihn geben?" undhastig zuckten seine Lippen nach ihren Wangen,auf denen bisher mehr Thränen als Küsse waren;allein sie wich ihm mit einem kalten Erstaunen,das er an allen Weibern wärmer gefunden hatte,weder um einen Zoll zu viel noch zu wenig ansund reichte bei ihm in einem Tone, in dem manzugleich die Ehrfurcht einer Unterkhanin, die Ruhr-einer Tugendhaften, und die Kälte einer Unerbitt-lichen fand, kurz in einem Tons als hätte ihreBitte mit dem Vorgegangenen gar keine Verbin-dung, anf diese Art reichte sie ihre unterthänigeSupplik ein, er möchte allergnädigst sich, da ihrder Doktor gesagt hätte, sie könne heute nichtsschlimmeres thun als wachen, sich — wie ich michausgedrückt haben würde — zum Henker scheren.Eh' er so weit ging: badinierte er noch einigeMinuten, kam darüber beinahe wieder in den al-ten Ton, legte seine Jnhäsiv - Pro - Reprotestazi-onsn ein und zog ab.
Nichts als die Ruhe, die sie aus den Händender Tngend und der — Liebe und des Gustavi-schen BriefeS hatte, gab ihr das Glück, daß dieserJakob oder Jack sich an diesem Engel eine Hüfteausrenkte;— was freilich den matten ^neiznssum so mehr verdroß, je mehr der Engel sich un-ter dem Ringen verschönerte, da jede weiblicheUnruhe bekanntlich ein augenblickliches Schmink-und Schönheitmittel wird.
In Euerem ganzen Leben, Gustav und Beata,schlüget Ihr Eure Augen nie mit so verschiednemGefühl vor einem Morgen auf als an dem, wosich Beata nichts und Gustav alles vorzuwerfenhatte. Ueber den ganzen versunkenen Frühlingseines Lebens schichtete sich ein langer Winter;er hatte außer sich keine Freude, in sich keine»Trost, und . vor sich statt der Hoffnung Rene.
Er riß sich mit so vieler Schonung als seineVerzweiflung zuließ, von den Gegenständen seinesJammers los und jagte sein sprudelndes Blutnach Auenthal zu Wuz — in meine Stube. Ichsah an nichts mehr, daß er noch Gefühl und Le-ben hatte, als am Gewitterregen seiner Augen.
— Er fing vergeblich an; unter Blut, Ideen und! Thränen sanken seine Worte unter — endlich