Band 
I.
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Hesp

eingeschriebnen Verbesserungen durchschossene alteDruckexemplar; und ich wünschte wohl, H. Kolbereisete einmal nach Berlin und besähe das Exem-plar. Wenigstens will ich die deutsche Gesellschaftallda, die vor einigen Jahren mich in sich aufge-nommen, ersuchen, in die Verlaghandlung zugehen, um selber zu sehen, was ihr Mitglied ge-macht, welche Durchstriche und welche Ersatz-wörter.

Wer sich eigentlich an der deutschen Sprache,und an denen, welche keine andere verstehen, amstärksten versündigt, dies sind die Natur-geschichtschreiber, welche, wie z. B. Alexander vonHumbold, den ganzen lateinischen Linusemitten in unsere Sprache hineinstellen , ohne an-dere deutsche Abzeichen, als hinten die Aufschwä»-zuug in deutsche Endungen oder Schwanzfedern,womit sie aber dem bloßen Deutschsprecher so we-nig kenntlich werden als ein Mann einem Fremdenhinten durch den bloßen Zopf. Hat unsere uner-schöpfliche Sprache nicht ihre Kräfte zur Schöpfungeines deutschen Linuse schon gezeigt, wenn wireinen Wilhelm», und noch mehr den herz- undsprachdeutschen Oken lesen?

Sonst übrigens wird die deutsche Sprache sogardurch die größte Gastfreiheit gegen Fremdlingeniemals verarmen und einkriechen. Denn stetszeugt sie (wie alle Wörterbücher, beweisen) ausihren immer frischen Stammbäumen hundertmalmehr Kinder und Enkel und Urenkel, als siefremde Geburten an Kindes Statt annimmt; sodaß nach Jahrhunderten die aus unsern forttrei-benden Wurzelwörtern aufgegangne Waldung dienur als Flugsame aufgekeimten Fremdwörter er-sticken und verschatten muß, zuletzt als ein wahrerLianenwalv aufgebäumt, dessen Zweige.zu Wur-zeln niederwachsen, und dessen aufwärts gepflanzteWurzeln zu Gipfeln ausschlagen. Wie fremd-durchwachsen und verwildert wird dagegen nacheinigen Jahrhunderten z. B. die englische Sprachedastehen, mit dem vaterländischen aber kraftlosenStamm voll eingeimpften Wortgebüsches, keinesSchaffens, nur des Jmpfens fähig, und aus demdoppelten Amerika mehr neue Wörter als Waarenabholend! —

Das zweite aber leichtere, was für diese dritteverbesserte Auflage des Hesperus geschehen, warnatürlich, daß ich durch den ganzen Abendsternlangsam hinging mit dem Jätemesser in der Hand,und alles Genitiv- oder Ls-Schmarotzer-Unkrautder Doppelwörter, wo ichs nur fand, — und dieswar leider schon auf dem Titelblatte der Hund-posttage der Fall, — aufmerksam herausstach.Ich stand aber viel dabei aus; der alten Prozesse

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der überreichen Sprache mit sich selber haften zuviele auf ihren Gütern, und ich mußte dahermanches eingenistete Ls-Gesindel da lassen, woes sich zu lange angesiedelt hatte, und sich aufZeugen und O hren berief.

Noch bis auf die Stunde dieser Vorrede wartetder Verfasser der --Morgenblatt-Briefe über dieDoppelwörter-- nicht etwa auf eine durchgreifendePrüfung (was wohl zu frühe wäre), sondernvor allen Dingen auf eine umfassende Lesungderselben, welche freilich der zertheilende Archipe-lagus von auseinander liegenden Jnselblättern solange erschwert, als die Zeitschrift ihren Lesekreisnoch nicht durchlaufen. Dann aber hoff' ich vvmSprachforscher, wenn er sie vollständig im Hausevor seinem Richterstuhle hat, gründliche Wider-legung und Zustimmung.

Endlich drittens wurde nach dem zweimaligenVerbessern von zwei Auflagen (denn die erste er-hielt große Verbesserungen, und zwar vor ihremDrucke) ein drittes vorgenommen, das gegenHärten, Dunkelheiten, Mißverstand und andereUeberlängen und Ueberkürzen der Einkleidung lvs-zugehen hatte.

Aber Himmel, wie oft muß nicht ein Schreib-mensch an sich bessern, der kaum über ein halbesJahrhundert alt ist! Lebte er sich vollends in einMethusalems Jahrtausend hinein und schriebe da-bei : der Methusalem bekäme so viel Bände vonVerbesserungen nachzuschießen, daß das Werkselber ihnen nur als Vorwerk, Anhängsel oderCrgänzblatt beizugeben wäre.

Seit mehre» Jahren hat der Verfasser in seinenältern Werken einen Fehler in hohem Grade, dener bei Ernst Wagner, Fouquö und andern häufigwiederholt oder nachgeahmt angetroffen, nämlichden Fehler der eigenen schriftstellerischen Austrvm-melsucht oder Vorsprecherei der Empfindungen,welche der Gegenstand haben und zeigen soll, abernicht der Dichter. Z. B. --erhaben ruhig antwor-tete Dahore-- — Wozu erhaben beifügen,da es überflüssig, anmaßend und vorausnehmendist, sobald die Antwort wirklich erhebt, oder,wenn sie es nicht thut, alles noch erbärmlicherausfällt? Der Dichter, der auf diese Weise dasVor-Echo seiner Personen ist, nimmt sich ei-nige neue Trauerspieldichter wie Werner, Müll-ner u. a. zum Muster, welche für den Schauspie-ler bei jeder Rede die Buchbinder-Nachrichtenvorsetzen: --mit rührendem Schmerze — mit ei-nem Seufzer schmerzlicher Erinnerung — aus derTiefe des Schmerzens heraus-- — lauter Macht-oder Un machtsprüche, die nur ein pantomimischerTanz nöthig hat und befolgen kann, die aber kein

Leu» Paul'S Werke. I.

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