Band 
I.
JPEG-Download
 

Hesperus. 387

»Welt. — Finde Pedanten, die sich von Worten,»nicht von Sachen erhalten und füttern, den Af-»termotten ähnlich, die Wachskuchen fressen und»verdauen, aber keine Honigfladen. — Niemand»gleicht so sehr als die Pedanten den Dohlen, die»zugleich diebi sch undgeschwätzig sind: sie»verwässern und kapern. — In die kritische Hölle»werden geradeLeute nicht geworfen, die derTal-»mud auch von der jüdischen losspricht, nämlich»die Armen, die Zahlunfähigen, und die, welche»am Durchfalle umkommen. — Sei ein Fuchs»und streichle die kritischen Billard-Markörs,»welche Verlust und Gewinn ansagen.»-

Letztes versteh' ich selber nicht, weil der Entwurfschon im Winter geschrieben wurde. Ich kannvielmehr ohne Ironie bekennen, daß mich die kri-tischen Quartal - oder Landrichter beim Leben ge-lassen, und mir weder einen spanischen Mantel,noch ein Demuthkleid, noch ein Blut - undHären-hemd umgeworfen haben. Diese Nachsicht derKritiker für einen Bücherschreiber, der wie einKatholik mehr gute Werke verübt, als er zur Se-ligkeit braucht, ist gewiß nicht ihre schlechteste Ei-genschaft, da sie damit so wohlthätig auf unsereleeren Tage wirken. Denn man muß jetzt frohsein, wenn nur vier oder fünf neue Gleichnisseauf die Ostermesse abfahren, und wenn zur Mi-chaelismesse nur einige Blumen, welche Novitätensind, feil stehen. Unser literarisches Küchenper-sonale weiß uns dasselbe goütöv unter deinScheine sechs verschiedner Schüsseln auf das Tisch-tuch und in den Mund zu spielen, und belustigtuns zweimal im Jahr mit einer Nachahmung desberühmten Kartoffel-Gastmals in Paris: anfangskam blos eine Kartoffelsuppe — dann schon mitanderer Zubereitung wieder Kartoffeln — dasdritte Gericht hingegen bestand aus umgearbeite-ten Kartoffeln — auch das vierte — als fünfteskonnte man nun wieder Kartoffeln servieren, so-bald man nur zum sechsten neu brittantierte Kar-toffeln bestimmte, — und so ging es durch vier-zehn Gerichte hindurch, wobei man noch von Glückzu sagen hatte, daß wenigstens Brod, Konfekt undLikör den Magen aufrichteten und aus Kartoffelnbestanden.-

Tadel ist eine angenehme Zitronensäure amLob; daher werden beide von der Welt nur miteinander gleichsam in einem Sauerhvnig vertheilt;so wie nach dem Talmud auf dem Räuchopferaltareinige Finger voll Teufelsdreck mit geworfen wur-den. Das einzige folglich, was ich an den Re-zensenten nach dem vorigen Lobe aussetzen will,und womit sie wirklich anstoßen, ist dieses, daß sieselten (ihr Herz ist gut) viel von der Sache

oder Schrift «erstehen, worüber sie richten; undselbst dieser Tadel paffet nur anf den größernTheil.-

»Web' eS ein (fährt der Entwurf fort), daß du»nicht herausbekommen kannst, was die jetzige»Enthüllung und Enthülsung der weiblichen»Arme*. Busen und Rücken bedeuten soll, so»wie sonst die Pfauen gerade mit ähnlichen glän-zenden Theilen, mitHälsen, Flügeln und Köpfen,»die nicht abgerupfet waren, in der Bratenschüssel»auftraten. — Es wird daher gut sein, wenn du»vermuthest, daß die schalenlosen Damen heimliche»Zesuitinnen und Freimäurerinnen sind, weil in»beiden Orden die Mysterien und Verhüllungen»mit Entblößung anfangen; oder gib auch diese»unbefiederten Glieder irgend einem Darben schuld,»wie ein Küchlein aus einem Ei, woraus man»nur einige Tropfen Eiweiß wegschöpfte, mit»federlosen Stellen auskriecht — Drohe wenig-»stens, daß Damen und Krebse am liebsten»in der Mauße gefangen und gesotten wer-»den.» -

— Das ist einer von den Fällen, wovon ichoben sagte, daß ich darin Einfälle des Entwurfs,aus Mangel an Zusammenhang mit der ganzenSache, aufgeben und wegwerfen müßte: dennwirklich hat die ganze Gliedermauße nichts mitder Vorrede gemein, als das Jahr der Ge-burt.

»Von andern Autoren (fährt deren Entwurf»fort) muß abgegangen, und über den Beifall,»den du erbeutet, nur stumm weggeschlichen wer-den, damit die Welt sieht, wie du bist. — Man»erwartet von einer Vorrede zur zweiten Auflage»eine kleine Produktenkarte, oder ein Erntere-»gister alles des Nachflors, der die zweite über»die erste erhebt: gib ihnen das Register!» —

Gern! — Erstlich hab' ich verbessert alle Druck-fehler — dann alle Schreibfehler — dann vieleMißklänge der Sprache — auch Wort- undSachschnitzer genug; die Einfälle aber, und diepoetischen Tulpen hab' ich selten ausgerufen. Ichsah, wenn ichs thäte, so bliebe vom Buche (weilich die ganze Manier ausstriche) nicht viel mehrin der Welt, als der Einband und das Druckfeh-lerverzeichniß. Der Theolog hasset juristische An-spielungen — der Jurist theologische — der Arztbeide — der Mathematiker alle vorigen — ichliebe sie alle; was soll man da lassen oder neh-men ? — Der Frau mißfällt Satire, dem Manneerweichende Wärme «Kenn Kälte hält er an

» Ein Jude schied sich sonst von seiner Frau, wenn sie mitnackten Armen erschien; eS ist aber schwer, die jetzigen häu-fige» Ehescheidungen in Pariö daraus herzuleiten.