Band 
I.
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Hesp erus

Ach was er längst vergessen, längst verloren —längst geliebt hatte — Lieder ohne Sinn und Töneohne Worte — namenlose Gespielen — beerdigteWärterinnen — verstorbene Bedienten — diesealle wurden lebendig, aber vor ihnen voraus gingam grvßesten sein erster, sein theuerster LehrerDa höre in England , und sagte zur zerschmolze-nen Seele: "wir waren sonst beisammen." — O,dieser ewig geliebte Geist, der schon damals inunserem Viktor die Flügel sah, die sich nach derandern Welt aufrichten, der schon damals mehrder Freund als der Lehrmeister seines so weichen,so wogenden, so liebevolle», so ahnungvollenHerzens war, dieser unvergeßliche Geist wolltenicht weichen, eine Gestalt schlug den Leichen-schleier zurück, fing an zu glänzen und an zu re-den: "Hvrion, mein Horion, warst du nicht an"Meiner Hand, warst du nicht an meinem Herzen?"Aber es ist lange, daß wir uns geliebt haben,"Und meine Stimme ist dir nicht mehr kenntlich,"kaum noch mein Angesicht — ach die Zeiten der"Liebe rollen nicht zurück, sondern ewig weiter"hinab." Er lehnte sich an einen Baum undtrocknete unaufhörlich das Auge, das den Wegnicht mehr fand, und seine Blicke ruhten fest anden Wäldern, die nach St. Linie gehen, und anden neblichten Bergen, die sich vor Maienthalund vor seinen zweiten Lehrer stellen.. .

— Kuffewiz sprang vor.

Aber zu bald; seine bewegte Seele wollte nochnicht unter fremde Menschen. Es war ihm lieb,daß er an eine umgestürzte Rinne stieß, aus wel-cher Schafe Salz lecken, und an eine» Zaun, dersie zu Nachts behütet, und an die Hütte auf zweiRädern, worin ihr Wärter schläft. Er hatteeine eigne Neugierde und Vorliebe für kleineNachbilder der Häuser: er trat in oder an jedeKöhlerhütte, in jede Jäger- oder Vogelhütte, umsich mit seiner eignen Einschränkung und mit denParodien unsers kleinen Lebens und mit dem Erd-geschoß der Armuth zu betrüben und zu erfreuen.Er ging vor nichts Kleinem blind vorbei, worüberder Welt - und Geschäflmann verschmähend schrei-tet; so wie er wieder vor keinen! Pomp des bür-gerlichen Lebens stehen blieb. Er machte alsoein Thürchen am Fahrbette des Schäfers auf: essah darin so armselig aus, und daS Stroh, dasEiderdunen und Seidensäcke ersetzte, war so nie-drig und zerknüllt, daß er sich unbeschreiblichhineinsehnte; er brauchte jetzt eine Taucherglocke,die ihn aus dem treibenden, drückenden, erhab-nen Meere um ihn absonderte. Ich wollt', mankönnt'es den europäischen Kabinetten, Lei» Reichs-tag und dem Prinzipalkommissarius verbergen,daß er sich wirklich hineinlegte. Hier aber gingdie Anspannung seiner Sinne, sn welche die Bett-pforte nur einen kleinen Ausschnitt vom Himmel-blau einließ, bald in die Erschlaffung des Schlum-mers zurück, und über das heiße Auge sank dasAugenlied.

10. Hundposttag.

Lcidlrr — Vssillicrc» Zeuscls — Äiiliunft derPrinzessin.

Seit einem Positage schläft der Held. Diedeutschen Rez ensoren sollten mir den Gefallenthun, ihn aufzuschreien. — —

Aber Schelme sind sie, diese Nachrichter undMaskopeibrüder der Zensoren; sie wecken wederLeser noch Fürsten, nur homerische Schäfer auf.Die Sonne steht schon tief und kuckt gerade wag-recht in sein D. Grahams-Bette, und er glühtnoch vor ihr...

— Das Schafvieh mußt' es thun durch Blökenund Glocken. Als in seine aufgehenden Ohren dieThurmglvcke aus Groß-Kuffewiz, unter Beglei-tung der Schafglocken, mit einem in Musik ge-setzten Abendgebet eindrang — als in seine aufge-henden Augen der rothe Schattenriß der vergangnenSonne, die seine heutigen Paradiese beschienenhatte, und Las Abendrot!) einfiel, dessen Gold-blättchen der Abendwind den Wolken anhauchte —als die wie sein Blumenstrauß bethante Luft seineBrust erfrischte: so war der heutige schwüle "Nachmittag um eine ganze Woche zurückgerollet;Viktor war in eine neue selige Insel herabgefal-len; neugeboren und froh kroch er rückwärtsaus seiner fahrenden Habe. "O ich tolles Ich!sagt' er — "ich freue mich aber nicht außerordent-»lich darüber, Laß ein halbes Loth Schlafkörner"eine ganze glühende Well im Menschen wegbai-"zen kann, ganz weg — und daß das Umlegen"des Körpers der Erd fall seines Paradieses"imd seiner Hölle wird."

Auf der Landstraße sprangen zwei Sänftenträ-ger in kurzem Gallop zwischen den Tragesiangenihres ledernen Würfels dahin. Er setzte ihnennach — ihre Last, dacht' er, muß ihnen noch vielleichter sein als ein ganzes Land und dessen Zepter,die beide gleichwohl ein Regent wie ein Gauklerden Degen, tanzend zu tragen versieht auf der Nase,auf den Zähnen, auf allem. Sie trugen aberdas schwerste Ding in der Welt, worunteroft Städte und Thronen und Welttheile einbra-chen.

. „Womit setzt ihr so herum?" fragt' er — "Mit"unserem allergnädigsten Herrn!"— Januar wars— es ist aber den ästhetischen Kunstgriffen, womitein Autor die Erwartung seiner Leser so außeror-dentlich anspannt, ganz gemäß, daß ichs nicht ehereröffne, was von Jenner in der springenden Sänftesaß, als in dem folgenden Wort.

Sein Bild wars. Das Bruststück reifste alle-mal vor der Braut voraus, um bei Zeiten inihrem Schlafzimmer anzukommen und sich an dieWand an einen Nagel zu begeben. Auf der gan-zen empfindsamen Reise hatte der Ku b i k i n h a l tder Braut in lauter Zimmern geschlafen, an de-nen der Flächen! n halt des Bräutigams wieeine Kreuzspinne die ganze Nacht herunter-hing... i