Band 
I.
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Hesperus

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nicht seine Seele als einen vollen warmen mitKeimen ausgefällten Boden, der nur auf seinenSommer wartet, mitbringt, der kann wohl einLehrer , aber nicht ein Schüler der zum Brodstu-dium erniedrigten Philosophie sein — und kurz,es ist einerlei, welchen Ort man zur philvphischenSternwarte besteige, einen Thron, oder einenPegasus, oder eine Alpe, oder ein Cäsars-Lager,oder eine Leichenbahre, und sie sind fast alle höherals der Katheder im Hör- und Streitsale.

2. siehe K.

N.

Rezensenten. Ein Redaktor sollte sechsTische haben: am ersten säßen und äßen die An-zeiger des Dasei n s eines Buchs — am zweitendie Bausch-und Bogen-Anzeiger seiner Werths

— am dritten die Anszieher desselben — am vier-ten die Sprachmeister und Sprachforscher, welcheunter das Publikum räsonnierende Verzeichnissefremder Donatschnitzer austheilen — am fünftendie Bekämpfer, die ein neues Buch nicht durchein neues Buch, sondern durch ein Blättchen wi-derlegen — am sechsten stände die kritische Für-stenbank, auf die sich Herder, Goethe, Wielandoder noch einer setzen könnten, die ein Buch soüberschauen wie ein Menschenleben, welche dieIndividualität desselben auffassen, den GeistdeS literarischen Gssch'öpfeS und des Schöp-fers zugleich zeichnen, und die jene Mensch-werdung nnd Verkörperung der göttlichenSchönheit, welche die Gestalt eines Einzelwesensannimmt, trennen von der Schönheit, und dannaufdecken und verzeihen.

Diese sechs kritischen Bänke, die sechs verschiedeneLiteratnrzeitungcn liefern könnten, werden jetztübereinander geworfen und gestalten eine. —Sofreimüthig ich aber gegen diese Zusammcnwerfungvon gelehrten l) Anzeigen, 2 ) Rezensionen,3)AuSzügcn, 4) Sprach-und 5) Sachkritiken und6) Kunstnrtheile» aufstehe: so gern bin ich'bereit,zuzugestehen, daß die rezensierende Fauna undFlora der fünf Tische vielleicht eben so viel Un-krautfechser ausrotte, als sie selber heraustreibtaus eignen Keimen, und ich berufe mich deshalbauf eimn Privatbrief von mir, der außerdemVerdacht der Schmeichelei ist, und worin ich siemit einem Fliegenschwamm znsammcngeselle, der, ober gleich selber bei einem Aufguß (hier von Dinte)ganze Jnsektenheere gebiert, koch die Fliegenausreutet. — Aber da unter den Rezensenten auchAutoren sind wie ich, wie unter den portugiesi-schen Inquisitoren Juden — und überhaupt daich Schaltjahrs lang darüber sprechen wollte:warum einen Schalttag lang? —

S.

Streiche. »Wer seines Herrn Willen weiß»und thut ihn nicht, soll doppelte Streiche lei-ten." — Wer leidet denn die einfachen? der dochnicht, der den Willen nicht weiß und nicht thut?

— Also folgt, daß größere Kenntnisse die mora-lische Schuld nicht erschweren, sondern, ersterzeugen! Denn in sofern ich eins moralischeVerbindlichkeit gar nicht einsehe, ist mein Verstoßdagegen ja nicht kleiner, sondern keiner.

Ich will meine eigne Akademie der Wissenschaf-ten sein, und mir die folgende Preisfrage aufge-ben , die ich selber in einer Preisschrift beantwor-ten will: »Da nur eine Handlung tugendhaft ist,»die aus Liebe zum Guten geschieht: so kann nur»eine sündig sein, die aus bloßer Liebe zum Bö-»sen geschieht, und die Rücksicht des Eigennutzes»muß den Grad einer Sünde so gut wie den»Grad einer Tugend kleiner machen. Was wärS»aber auf der andern Seite noch außer dem Ei-gennutz in unserer Natur, was uns zum Schlim-»men triebe? Und wenn Böses aus reinem Hang»zum Bösen geschähe: so gäbe es ja eine zweite,»obwohl entgegengesetzte Autonomie des Wil-»lens.»

T.

Trübsal, Trauer. Jetzo, da ich diese be-klemmenden Töne schreibe, die mir vorsagen, daßdie Natur nur Dornenhecken, die Menschenaber Dornenkronen machen: so vergehtmir die Lust, mit satirischen Dornen um mich zuschlagen, und ich möchte lieber einige aus euernFüßen oder Händen ziehen.

21. HundpcstLag.

slilitors Krankenbesuche — über töchtervolte Häu-ser — die zwei starren — das Karusscl.

Folgende Anmerkung kömmt nicht aus demTornister des Hundes, sondern aus meinem ei-genen Kopf: inan braucht kein Lvbredner unsererZeiten zu sein, um mit Vergnügen zu sehen, daßjetzt Autoren, Fürsten, Weiber und andere dieunähnlichen falschen Larven der Tugend (z. B.Bigotterie, Pietismus, zeremonielles Betragen)meistens abge'egt, und dafür den ächten ge-schmackvollen Schein der Tugend gänzlich ange-nommen haben. Diese Veredlung unserer Cha-raktermasken , wodurch wir das Aeußere der Tu-gend schöner treffen, ist mit einer ähnlichen desTheaters gleichzeitig, auf dem man nicht mehrwie sonst mit papiernen Kleidern und »»ächtenTressen, sondern mit ächten agiert und tra-giert —

»Sie wurden schon gestern von der Fürstinverlangt» sagte der Fürst zum Hofmedikus, da ermit seinem ausgeleerten Gesicht kaum eingetretenwar. Die Angenentzündung AgnolaS hatte durchdas Herbstwetter, durch die Nachtfeste, durchKnhlpeppers tapfere Hand und durch ihre eigne —denn die rothen Tikclbuchstabsn der Schönheit,nämlich geschminkte Wange», wurden immer neuaufgelegt — sehr zugenommen. Eigentlich warViktor zu stolz, um sich als einen bloßen Arzt be-gehren zu lassen; ja er war zu stolz, um an sichetwas anders (und wärs Philosophie, oder Schön-heit) suchen zn lassen, als seinen Charakter; dennsein Vater, der eben so zartstvl- war, hatte ihn ge-

2ean Paul's Werke. I.

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