Hesp erus.
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brachte unserm Viktor den Spaß mit dem kranken >Zensel. Er mißfiel ihm gänzlich, so wie ihnSchriften wie der Antihypochondriakus, das Vade-mekum oder die mündlichen Erzähler gedruckterSpäße — die fadesten aller Gesellschafter — ekel-ten. Er konnte nie eine Thierhatze zwischen zweiNarren anlegen: nur der Entwurf eines solchenSchlachtstücks kitzelte seine Laune, aber nicht dieAusführung, so wie er Prügelszenen gern inSmvllet (dem Meister darin) las und darbte,aber niemals sehen mochte. Sogar von den Kör-per-Bonmots und Hand-Pointen am fremdenLeibe dacht' er zu geringschätzig, die ich doch denstummen Witz (wie stumme Sünden) nennenmöchte, und die das wahre attische Salz kleinerStädte find; denn wahrer Witz, dünkt mich. mußsich wie das Christenthum nicht in Worten son-dern in Werken offenbaren. Er sah unsere Thor-heiten mit einem vergebenden Auge, mit humo-ristischen Phantasiern nnd mit dem ewigenGedanken an die allgemeine Menschennarrheit undmit schwermüthigen Schlüssen an. Sobald er denbösen Punkt ausnahm, daß Zensel sich jedem Edel-mann zum Mieththier so lange, bis ihn dieserzurückprügelte, vorstreckte, wie man in ParisSchooßhunde zum Spazierengehen miethen kann:so hatt' er gegen dessen Eitelkeit, da sie zumal inandern Fällen gutmüthig, freigebig und oft sogarwitzig war, wenig einzuwenden. Niemand ertrugEitelkeit und Stolz liebreicher als er: "was hat--denn der Mensch davon,» sagt' er viel zu leb-haft, --wenn er kein Narr ist, oder wo soll er denn»aufhören, demüthig zu sein? Entweder zu gut»oder gar nichts müssen wir von uns denken."
Viktor stattete also bei seinem Hausherrn zu-gleich einen freundschaftlichen und einen ärztlichenBesuch mit seiner theilnehmenden Seele av.Diese Gesinnung griff herrlich in den Plan desApothekers ein, den Doktor anzuwerben, damiter gegen Matzen diene. »Dazu brauche ich nichts(sagte Zeuse! zu Zeuse!), »als daß ich ihn die»Intriguen die das SchleuneSsche Haus gegen»ihn spielt, sehen lasse; denn er ist ohne mich nicht»raffiniert genug dazu.» Denn er hält überhauptden Helden der Hundposttage — ders auch williglitt — ei» wenig für dumm , blos weil dieser gut-müthig, humoristisch nnd gegen alle Menschenvertraulich war. In der That gab ihm das Lebenin der großen Welt zwar geistige und körperlicheGewandtheit und Freiheit, wenigstens größere;aber eine gewisse äußere Würde, die er an seinemVater, am Minister und sogar oft an Matthieuwahrnahm, konnt' er niemals recht oder langeNachmachen; er war zufrieden, daß er eine hö-here in seinem Innern hatte, und fand es fastlächerlich, auf der Erde ernsthaft zu sein, und zugering, stolz auszusehen. Vielleicht konnten sicheben darum Viktor und Schleimes nicht leiden; einMensch von Talenten und ei» Bürger vonTalenten Haffen einander gegenseitig.
Eh' ich dem Apotheker erlaube, alle Fäden desSchleuneSsche» Kanker-Gespinnstes vorzuzeichnen:will ich nur erklären, warum Zeuse! hierüber soallwissend war, und doch Viktor so blind. Dieseraber war es, weil er sich unter seinen Freudenauf das Errathen gleichgültiger oder schlimmer
s Leute gar nicht legte; er schwebte überhaupt, wieein Paradiesvogel immer in der Himmelluft, vvmScbnnitzboken abgetrennt, und stog, wie alle Pa-radiesvogel der losen Federn wegen, immer gegenden Wind; daher bekam er, aus Mangel an Ver-bindungen , die m ü ndliche n Hofzeitungen erst,wenn alle Heiducken, die Lakaien der Pageu unddie Einheizer sie schon schwarz gelesen hatten; —oft gar nicht. — Der Apotheker ist im entgegen-gesetzte» Falle, weil er zwar die schlechten Augen,aber auch die gute» Ohren eines Manlwurfs hat,und weil in der eumens okscuis seines ähnlichenHerzens sich leichter die Bilder der verwandtenKniffe malen; noch dazu setzt er zwei lange Hör-rohre — zwei Töchter — an die Kabinette odervielmehr an ihre Liebhaber an, die daraus kom-men, und horcht durch die Röhren manches weg,was ich in dieser Lebensbeschreibung recht herrlichschon im dritten Heftlein nutzen kann. Es gibtMenschen — der war so — die nur Nachrichtenohne Interesse für den Inhalt erhetzen wollen, undPerionalien ohne Realien, und die alle großeGelehrte, aber keine Gelehrsamkeit — alle großeStaatsmänner, aber keine Politik—alle Gene-rale, ohne Liebe zum Kriege — zu kennen suchen,persönlich und schriftlich.
Es kann sein, daß mancher feine Leser schonaus dem Vorigen von dem, was Zensel jetzt ent-decken will, Wind hat. Ich gebe des ApothekersDarstellung in folgender verjüngten:
»Der Minister habe den Fürsten sonst niemals»in sein Interesse ziehen können, selten in sein»Haus; zwar hab' er zuweilen eine Tochter, die»ihm gefallen konnte, zu vermählen nicht unter-»laffen; aber entweder das verschiedene Interesse»des Tochtermanns war allemal dem seinigen un-»günstig, oder auch der Einfluß seiner Herrlich-»keit (des Lords). Daher sei er mehr zu entschul-digen, als zu verdammen, daß er die Partei des»Schwächer« ergriffen, nämlich die der verlasse-»nen Fürstin, die doch allemal etwas sei, und»welche ihre italiänische» Künste vielleicht nur»noch verdecke. Im ganzen genommen sei eS also»nicht unrecht, daß man die Fürstin, die viel»Temperament habe, durch Matthieu an»Schleunes Haus zu knüpfen suche, worin man»sich »ach ihrer äußern Tugend-Grandezza ge-»niere, indeß man sie durch den Hofjunker über»die Kälte ihres Gemahls beruhige." . ..
Wenn sich der Leser das Schlimmste vorstellt:so begreift er Viktors ungläubiges Erstarren nndVerfluchen; er ließ aber Zensel» erst ausreden.
„Zum Glück habe Herr Hvfmedikus dem Hause„die Ehre erwiese», oft hinzukommen; und die„Schleunesschen werden ihn wahrscheinlich auf„alle Weise zum östern Geschenk seiner Besuche„ermuntert haben, da er zumal dadurch auch den„Fürsten eingewöhne. Er wisse hierüber man-„cherlei von guter Hand.". . .
Viktor errieth, was Zeusel aus Höflichkeit ver-schwieg, den Wink auf Joachime. „Sonderbar„ists doch," dacht' er, „daß mir mein Vater fast„dasselbe schreibt! — Aber ein hübsches Gewirre„von Absichten! ich mache bei meinen Absichten„auf die Fürstin den Minister zu meinem Deck-mantel, und er mich bei seinen auf den Fürsten