Band 
I.
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Hesperus.

"Las Theater der Geister: vielleicht ergreift die»Todte meine Seele und nimmt sie mit." ...Fürchterlich schwiegen die Gegenden um ihrenWeg. . . die Menschen fahren aus dem Fußbodenwie stumme Knechte, wie Maschinen zur Bedie-nung, und fallen wieder hinunter, wenn sie abge-leeret sind. ... Das Menschengeschlecht zieht wieein fliegender Sommer durch den Sonnenscheinund vaS bethanets Gewebe hängt sich flatternd anzwei Welten an und in der Nacht vergehts. . . .So dachten beide Menschen auf der Wallfahrt zurTodten, sie wunderten sich über ihre eigne schwereVerkörperung und über. das Geräusch ihrer Tritte.— Emanuel heftete seinen Blick auf die ver-schleierte Gestalt, die jetzt niederkniete; er Lachte,sie höre seine Gedanken und fliege zu seinem Her-zen durch das Mondlicht herüber.

Die Brust der zwei Menschen hob sich gleich-sam unter zwei Leichensteinen auf und nieder, dasie die übergrasten langen Stufen zum Kirchhofaufstiegen und LaS schwere Thor, das mit verwit-terten , weggewascheuen Auferstandenen angemaletwar, berührten und aufdrehten. Das warme Er-deublut friert ein und Las weiche Gehirn gerinntzu einem einzigen Schreckenbilde, wenn von derEwigkeit und von der Pforte der Geisterwelt diegroße Wolke wegrückt ; Emanuel rief aus derBühne der Todten wie außer sich "schauderhafter»Geist, ich bin ein Geist wie tu, du stehst auch"Unter Gott; willst du mich todten: so todte mich»durch keinen Schauer, durch keine zermalmende»Gestalt, sondern lächle wie die Menschen unddrehe still mein Herz ab.,, — Da stand die ver-hüllte Gestalt auf und kam — Emanuel griff wildnach seinem Freund, hüllte sich in das Angesichtdesselben und sagre angedrückt: "An dir sterb' ich,"an deinem warmen Herzen —o lebe glücklich, wenn»du nicht mit mir erkaltest, ach! ziehe mit!". .. .

"Ach, KlotilLe:" — sagte Viktor; denn sie wardie Gestalt. Sie war stumm wie das Geisterreich,denn die besuchte Todte umklammerte noch ihrHerz; aber sie war groß wie ein Geist daraus:denn der ätherische Lichtnebel des Mondes. derStand auf Todten, der Blick in die Ewigkeit, diehohe Nacht und die Trauer erhoben ihre Seele,und man vergaß fast, daß sie weinte. — Emanuelhielt seine Flügel noch ausgebreitet über dieSzene und schauete erhaben über die Gräber:"Wie alles hier schläft und ruht auf dem großen"grünen Todtenbelte! Ich möchte darauf erliegen"—Sprach jetzo nichts? — die Gedanken der"Menschen sind Worte der Geister. — Wir--sind schleichende Nachtvogel im dämmernden"Dunstkreis, wir sind stumme Nachtwandler,„die in diese Höhlen fallen, wenn sie erwachen —"Ihr Todten! verstäubet nicht so stumm; ihr"Geister, die ihr aus euren begrabnen Herzen"zieht, flattert nicht so durchsichtig um uns! —

--O der Mensch wäre auf der Erde eitel und Asche--und Spielwerk und Dunst, wenn er nicht fühlte

"Laß ers wäre-o Gott, dieses Gefühl ist!

"Unsere Unsterblichkeit!"-- !

Klotilde, um ihn von dieser verheerenden Be-geisterung herabzuziehen, nahm ihn beider Handund sagte: "Leben Sie wohl, Verehrungwürdiger,„ich nehme heute noch Abschied, weil ich morgen„aus Maienthal gehe — leben Sie glücklich —»glücklich, bis wir uns wieder sehen; mein Herz"vergißet Ihre Größe nie, aber ich sehe Sie baldwieder.». .. Ihre Wehmuth, über den Gedankenan sein geweissagtes Sterben, ihre Furcht einesewigen Abschieds erdrückten die andern Worte,denn sie wollte mehr sagen und wärmer danken.Emanuel sagte:--Wir sehen uns nicht wieder,,-Klotilde; denn ich sterb' in vier Wochen.-- — OGott! nein! sagte Klotilde mit dem innigsten hei-ßesten Tone. — --Mein guter Emanuel, sagte Vik---tor, quäle diese Gequälte nicht. — Fasse dich.»Gemarterte, unser Freund bleibt gewiß bei uns.--— Hier hob Emanuel sein Auge in den Himmelund sagte mit einem Blick, in dem eine Weltwar:--Ewiger! könntest Lumich bisher so ge-täuscht haben? — Nein, »ein, am längsten Tage»ziehen mir deine Sterne auf und deine Erde»kühlt mein Herz. — Und dich, du gute Klotilde,»du Seele von, Himmel, dich seh' ich also heute„gewiß, bei Gott! zum letztenmal mit Leinen schö---nen Wangen und in deiner Erdengestalt — ich--segne dich und sage dir Lebewohl, aber schwer--und trübe, weil ich noch so viele Tage leben soll--ohne dich. Ziehe sanft umweht durchs Leben,--halte dein Herz hoch über den bunten Dunst der--Erde und über ihre Wetterwolken — du hörst»mich ja nicht, du bitter-weinendes Angesicht,--Gott gieße Trost in deine Seele, scheide froher!--— Dein Freund ist bei mir, wann ich von bin-»nen gehe."— Hier faßte Viktor die Hände derwankenden verweinten Gestalt, die sich vergeblichdie Thränen abstreifte, um den Lehrer noch einmalzu sehen und in die Seele zu drücken; und alsViktor ohne Besinnung rief; »Giulia! Selige!»mildere das Weh deiner Freundin in dieser--Stunde, halte dieses brechende Herz-- so sagteEmanuel, unbeschreiblich zärtlich beide anblickend:»Ich segne euch ein wie ein Vater, heiliges See---lenpaar! Nie verlasset, nie vergesset einander--— O ihr seligen Geister hier über dem glimmen---den Moder der zersiückten Särge, gebet diesen"zwei Herzen Frieden und Glück, und wenn ich"einmal gestorben bin, will ich um eure Seelen--schweben und sie beruhigen. Und du, Ewiger--unter deinen Sternen, mache diese zwei Men-„schcn so glücklich wie mich — o nimm ihnen--nichts, nichts auf der Erde als das Leben.—Gute Nacht, KlotilLe!....

—Die «Pfingsttage sind vorüber! —

Und dir, gutes Schicksal, dank' ich, daß dumir die Gesundheit zur Freude gereicht, ein sol-ches flüchtiges gvldnes Zeitalter abzuschatten, damein schwaches so ungleich schlagendes Herz nichtverdient, solche Entzückungen nachzumalen. —Und dir, mein lieber Leser, möge das Pfingstfestirgend einen Brandsvnntag oder eine Marter-woche deines Lebens versüßet haben! —

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