Band 
I.
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Quintus Fixlein.

Firlein in meine Hände, ders in der Kirchenagendeseiner Sakristei gefunden hatte. Ich glaube, ichkann das Libell ohne Diebsiahl zu meinen Aufsätze»und Effekten schlagen, da Freudel hinten eineArbeit von mir in seine einfügt; denn ich mache,da eommixtio und avnkuglo ein moüns uäqut->-en<lr ist, aus rechtliche» Gründen aufs GanzeAnspruch. Wenigstens gehören, da er das Papierdazu anS der Sakristei erhob, meinem Gevatterals Herrn des Prinzipale die darauf gesetzten Ge-danken des Vogts als necessoi-inin. Der Konzi-pient hatte sich aus Versehen am Bußtage in dieHukelumer Kirche sperren lassen: — um nun dieLangweile sich so lange vom Leibe zu halten bisihn beim Gebetlänten jemand hinaus ließ, ver-schrieb er die Zeit bis dahin in diesen Kla-gen:

Gewisser ist wohl nichts als daß manchen Men-schen ein tückischer Dämon verfolgt und ihm langeSperrhaken ins Getriebe seines Lebens steckt, wennes gerate am besten umläuft und eben ausschlagenwill. Jeder muß Menschen kennen, die lauter Un-glück im Spielen — Kriegen — Heirathen — inallem haben, so wie andere wieder lauter Glück.Bei mir wird gar Glück und Unglück mutschierung-weise neben und auf einander verpackt in EineTonne, anstatt daß es Jupiter in zwei versüßte.Ist vollends das Vergnügen, die Ehrenbezeugung,die rührende Empfindung, die ich habe, groß, sehrgroß: so verlast' ich mich darauf, daß es nun derDämon gewahr werden und mir alles hinterdreingelegnen werde. So versalzet er mir gern schöneLusif.chrten durch eine» häuslichen Hader; und einEhrenbogen ist für mich ein Regenbogen, der dreielende Tage ankündigt. So hat er mir heute indiese Kirche nachgesetzt, weil er voraus sah, dievlübende Predigt werde mir einiges Vergnügenreiche»; und nun seh' ich mich seit der Vesperpre-tigt in das Gotteshaus inhaftiert und das Schick-sal weiß, wann ich Hinausgelassen werde. Dennich kaun weder Thür noch Fenster ausbrechen unddas größte Unglück ist, daß gerate heute Bußtag ist,wo keine Magd auf den Gottesacker geht; unterallen meinen dummen Schreibern hat ohnehin kei-ner so viel Verstand, daß er mich in der Sakristeiaufsuchte. Diese Kirche ist mir überhaupt aussätzig;ich habe darin schon ein Unglück gehabt, und eswar heute nichts als der Wiederscheiu eines alten,daß ich unter der Hand der ganzen Gemeinde ab-gefangen wurde, indem ich still und vergnügt inmeinem Kirchensiuhle saß, und meine »»gedruckteAnweisung zu einem gerichtlich - blühenden Stylin Gedanken prüfte. Denn ich bin leider in vieleSattel gerecht, eben weil mich der Dämon immeraus jedem hebt.

Ich habe mich sonst mit Versen abgegeben —welches jetzt wenigstens meinem Style zuschlägt— und nachher umgesattelt: denn ich wollte einPfarrer werden, und kein Amtvvgt. Die Ge-schichte ist im Grunde unterhaltend, obwohl aufmeine Kosten. Ich wollte nämlich als Student inmeinem Geburt-Dorfe (eben hier in der Kirche)mit einer Gastpredigt ausstehen und hatte deshalb

eine große Perücke mit einem hohen Tvupee-Ge-mäuer meiner Mutter zur Liebe aufgesetzt. Gleichim Exordio stieß ich auf ein Abenteuer, indemich die Nutzanwendung, die sich auch wie jenesmit --theuerste rc. Zuhörer" anhebt, unglücklichmit dem Eingänge verwechselte; aber ich hielt —leicht und mit zweckmäßigen Veränderungen —den Zuhörern den Schwanz so in meiner Handhin wie ein Endchen Kopf. Tausend andere hättenvon der Kanzel gemußt; ich hingegen kam wohl-behalten vor dem Kauzelliede au und sagte: nunwollen wir ein andächtiges Lied mit einander sin-gen — und das war mein Unglück. Denn da ichmich — wie eS auf den meisten Kanzeln Sitte ist— so mit dem Kopfe aufs Pult hinlegte und nie-derkrempte, daß ich nichts mehr sehen konnte alsden Kanzel-Frak — so wie von mir auch nichtszu sehen war als mein Knauf, die Perücke mit demWall: so mußt' ich, (wollt' ich nicht dumm seinund ins Kanzeltuch hineinsingen) aus Mangel anGesichtempfindungen wahrend dem Singe» den-ken. — Ich suchte also auf dein Pulte den Ein-gang, womit ich schließen wollte, zur Nutzanwen-dung umzufärben — ich wurde von einerSubdivisivn auf die andere verschlagen — ich hattemich wie ein Nachtwandler unter meine Gedankenverstiegen, als ich plötzlich mit Erstarren ver-merkte, daß schon längst nichts mehr sänge unddaß ich nachdächte, während die sämmtliche Kircheauflauerte. Je länger ich erstaunte in meiner Pe-rücke, desto mehr Zeit verlief, und ich überlegte,ob es noch schicklich sei, so spät das Tvupee-Fall-gatter aufzuheben und darunter den Kirchleutenwieder zu erscheinen. Jetzt war — denn der Kan-zel-Uhrsand lief in einem fort — noch mehr Zeitverstrichen; die außerordentliche Windstille derGemeinde lag ganz schwül auf meiner Brust, undich konnte, so lächerlich mir zuletzt der ganze,Ohr und Fuß spitzende Kircheuhause vorkam undso sicher ich hinter meinem Haar-Stechhelm lag,doch leicht einsehen, daß ich weder ewig nieder-gestülpet bleiben noch mit Ehren in die Höhekommen könnte. Ich hiells also für das Anstän-digste, mich zu hären und mit dem Kopfe langsamaus der Perücke wie aus einem Ei aus zu kriechenund mich heimlich mit bloßem Haupte in die andie Kanzeltreppe stoßende Sakristei hinunter zumachen. Ich thats und ließ die ausgekernte aus-geblasene Perücke droben vikarieren. Ich verhalt'es nicht, indeß ich in der Sakristei mit demunbefiederten Kopfe auf und abgieng: so passetejetzt (denn mein brachliegender Adjunktus undGeschäftträger schauete in Einem fort sthweigeudauf die Seelen herunter als Anfang eines Seelen-hirten) so passete, gesteh' ich, jetzt Groß und Klein,Mann und Weib darauf, daß der Kopf-Sockenansienge sich aufzurichten und ihnen vorzulesen undjeden so zu erbauen, wie ja homiletische Kollegienuns alle hoff' ich abrichten. Ich brauche den Le-sern nicht zu sagen, daß die erledigte Perückenicht aufstand, beraubt aller Jnlage und ihresEinsatzes. Zum Glück stellte sich der Kantor aufdie Fußzehen und sah in die Kanzel herein — erstieg saus kr<zon herab und hinauf und zog meineKapuze beim Schwänze in die Höhe und zeigte derParochie, daß wenig oder nichts drinnen wäre