Friedenprevigt.
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einmal durch die auslöschende zu ersetzen, ge-schweige aber die deutsche!; ich habe indeß nichtsweniger als diese Furcht. Einseitigkeit kannan entgegengesetzter sich brechen, ja sich in dieleverlieren. Aber wir w eltseitigen Deutschen,schon längst im geistige» Verkehr mit allenVölkern, und ohne von ihren VVliim's, tirlyrir- .! rio's, und Iior» ck'oeuvre!, mehr anzunehmen als! das Gleichgewicht unserer Kräfte, gerathen ja! seit gestern blos in eine andre Berührung mit! einem schon vertrauter» Volke. Umgekehrt dürf-^ ren vielmehr, wenn uns bisher anders als denalten Völkern, denen Fremder und Feind gleichklang. Fremder und Freund sinnverwandt gewesen,von nun an manche Nachahmungen, die , vorhers Willkür und Ferne verdoppelt und versüßet! hatte, durch die einheimische Nähe der Franzoseni uns verbittert und zuwider werden — weil wir' so ungern das Einkeimische und Nahe nachahmen— ja es wäre möglich, baß die französische Sprache. ei» so gemeines Gut würde, daß man am Endean unsern Höfen deutsch spräche, es wäre möglich,Laß der Vertrag zu Verrinn 8ü3, der Frankreichund Deutschland wieder in zwet Reiche absonderte,
^ sich geistig erneuerte.
Aber wozu diese harte Entgegensetzung zweierj so großen Völker? Bis hieher wurde das deut-s sche Volk wie eine vergoldete Silberstange durchl immer engere Löcher durchgetrieben, um verfej.»ert zu werden, aber eben wie die dicke Stange,lang und dünn ausgezogen, doch noch den Gold-Beleg behält, jo haben wir unser Gold der Welt-seitigkeic und der Treue fort bewahrt. Es scheintdarin» ordentlich, da wir geistige Gütergemein-schaft mit allen Völkern haben — und so wie dieFranzosen die Herren des Landes sind, die Englän-der die des größer» Meeres, wir die der beideund alles umfassenden Luft sind — daß wir des-halb, um ei» Verquickmittel der spröden Völ-ker zu sein, in alle Länder und Klime» ausge-säet worden, wie die Jude», Jesuiten, Eisenund daß Thier, das unsere Treue theilt. Ja,wurde» nicht von jeher alle feindseligen Völkermit Kriegen ins deutsche Reich als in die Quick-mühle, welche durch Aneignung die Metalle schei-det , d. h. durch Frieden, hineingespielt?
Wenn in der ganzen Geschichte die gebildeteNazivn die ungebildete auflöst und polypenartigin sich verwandelt, gleichgültig, ob siegend oderbesiegt; — so ist hier zwischen zwei gebildetenNazionen keine historische Möglichkeit eines nazio-nellen Vertilgung-Friedens.
Unsere literarisctie Entgegensetzung und Eigen-thümlichkeit muß uns auch, als politisch-nazionellebestehen lassen. Was allerdings (wie leider dieneuesten Jahre zeigen) das französische Volk anBildung und Lebensfreiheit voraus hat, vordem noch in manche Roheit (*) und zünftige Un-beweglichkeit eingesunkene» Deutschen, dies holetder Deutsche im Mittel- und Gelehrtensiand wie-der ein, durch die Weltseitigkeit und Tiefe seinerBildung. Sind wir in der Literatur und Recht-lichkeit Kameen und in der Politik und Lebens-
(*) Gleichsam allegorisch waren im Kronunganzlig des! deutschen Kaisers alte.Diamanten umgcschtiffen.
Gewandtheit G e m m e» — so wie umgekehrt dieFranzosen in dieser Edelsteine mit erhabne» Figu-ren — so weiß ich nicht, ob das Näherbringenentgegengesetzter Vorzüge nicht zur Erhebung undVereinigung derselbe» wirke.
VI.
Politische Freiheit.
Weniger über die politische als über die Reli-givnfreiheit können wir am gewissesten sein. DieVerstandes-Kraft der Zeit, die Gewalt und derGlanz großer Beispiele und Gesetze, ganz mitLicht bedeckte Länder und selber der Mangel anReligion-Feuer sagen den, Religion-Lictite die alteFortbreilung zu; löscht heute den Firsternhim-msl aus, er leuchtet noch viele Jahre in unsereNächte hinein, blos weil sein Licht schon so langeunterwegs ist.
Hingegen die politische Freiheit? DieGewalt kann höchstens die Enkel zu Blindenmachen, aber schon die Väter zu Knechten,und, wie bei den zum Erschießen Verurtheilten,zielen zwei Kugeln auf die Brust und nur eineauf den Kopf. — Aber verwechselt hier die Be-sorgniß nicht den Einfluß des Kriegs in den Frie-den mit dem Frieden selber? Aus dem Kriegeals aus einem blosen Lvosezjehe» der Gewalt unddes Faust-Unrechts, trägt man leicht ei» Stückdieser willkürlichen Gewalt in den Anfang desFriedensausGewohnheit hinein; zu oft ist der Frie-denschluß selber nur die letzte Schlacht, und dieTaube mit dem Oelblatt gleicht oft den zwei Tau-ben, welche man in England den Verwandten nachder Hinrichtung zufliegen läßt, zum Zeichen, daßder ihrige keine Gnade gefunden. Der Kriegverfälscht mit feinen Gewalt-Bewegungen aufeinige Zeit die Gewissen-Regungen, wie das Erd-beben die Magnetnadel irrig und lügend »iacht.Aber wie der zufällige Wind nur den ersten Fadendes Spinngewebes anklebt und bestimmt, und dar-auf an diese» das Kunsilhier die andern ganz geo-metrisch knüpft: so kann, was die Gewalt gründet,nur das Gesetz bewahren und beschirmen, undwas Seneka von Gott in Rücksicht der Natur-! gesetze sagte: sumsl jussit, sempvi- parvt, gilt> von dessen Statthaltern. Der Tempel der Bellonaund des Vulkans dursten nicht innerhalb derrömischen Mauer» sei». Zum Glücke darf mansagen, daß schon in einigen neugegründeten Staa-ten der Friede sich immer mehr vom Kriege, reinigt und die Fürsten gle'ch der Gerechtigkeitnach dem Einstecken des wilden geschwungenen^ Schwertes mit stillerer Hand die Wage halten.
Da eine Schweiz keine Schweizerin ist, für^ Kammer und Kabinet — ein Holland keine iHolländerei — ein Deutschland keine Deutsch- ljänderei — ei» Land keine Länderei —: so würde lsich gegen einen gekrönten wilden Jäger alles sel- .ber wende», und ihn, nicht ihm jagen. Wie in ;Frankreich ein willkürlicher Druck gleichsam die ^ganze Nazion zum Feuern abdrückte, und wie diese