Band 
IV.
JPEG-Download
 

6

Friedenpredigl.

mit Blut, Thränen und Druckschwärzs scharf cin-geätzte Freiheitbriefe nicht erloschen, >onder» wie! sympathetische Schrift vor jeder Hitze-wieber vor-! trete» : so wurde alles wieder kommen, wenndie Regierungen die Völker zum Hassen antrieben.Schnell zusammengepreßte Lust entzündet sich.Wie nach Plato im Gastmahl, jeder ein Dichterwird, wenn er liebt, so kann er auch einer wer-den—und zwar eines Trauerspiels, wenn er haßt,und dann kommt Petri-Kettenfeier-Tag.

Aber ein geistig Großer und geistig Gefürsteterkehrt ewig zum Gesetz zurück; Friedrich des Gro-ßen Friede hatte keine andere Aehnlichkeit mitseinem Kriege als den Glanz, Cäsar hätte dasReich gesetzmäßiger regiert als erobert, und Frank-reich wird von den Gesetzen beherrscht, und vonNapoleon beschirmt und beschienen. Ein Geniusgleicht dem Sparta und dem Deutschland desTacitus und selber dem neuen England, welchenach innen eine strengere Gesetzmäßigkeit bewah-ren, als nach außen. Die Kraftlosigkeit liebtGesetzlosigkeit, denn nicht die Schwäche, nur dieKraft will immer dasselbe, und dasselbe heißt ebenGesetz. Ja man könnte aus den zwei Behaup-tungen des Aristoteles (in seiner Politik) nämlichder einen, daß wer zur rechten Zeit zu zürnenvermöge, zum Herrscher geboren sei, und ausder andern, daß der Besitzer des größten Glucks, das-selbe nur durchdie größteSelbstbeherrschung ertrage,und daß daher im Elysium nur Gerechteste seinkönnten, man könnte aus diesen Sätzen Prophe-zeiungen für den Knoten lösenden MaschinengvttZuropa's machen, wäre es nicht zum Weissagen —zu spät, indem dieser Maschinengvtt oder Maschi-nenmeister durch mehre neueste Schritte kund tkat,daß er nichts als Frieden brauche, und ihn künftigüber Erwarten bewahren werde, um Friedrich denEinzigen zum zweitenmale zum Muster zu neh-men. Im Kriege ist Friedrich der Zweite, nichtder Einzige, bleib' ers auch im Frieden nicht, undwerd' er nicht nur erreicht, sondern auch übertref-fen ! — Und dann ist die Welt beglückt, und ihreVerwundung entschuldigt!

Zur politischen Freiheit gehört die Preß-Freiheit.Auch hier wird der Krieg, der sich mit Preß-,Zeitung-, Brief und Pvstzwang vertheidigen muß,diese Nvthmaßregel» eben so wenig in den Frie-den hinüberziehen als seine übrigen Lasten.Unten an hereinhängende» Lauwinc» wird jedeslaute Sprechen, das sie herunter wälzen kann,verboten; aber soll man denn auf dem ganzenWege schweigen, auf den Ebnen des Friedens?Muß ein Staat erst todt sein, ehe man ihn zer-gliedern darf, und ists nicht besser, durch dessenKrankheitberichte die Sekzionberichte abzuwen-den? Oder soll den Bürgern eines Staats erstein Feind desselben, der die Hände bindet, dieZunge lösen?

Konnte man nicht in sonst so sprechfreienStaaten manche Sachen noch vor dem vier-zehnten Oktober sagen, gerade über die Gewit-ter-Ableiter, deren Rost eben den Schlag herunterführte?

j Uebrigens ist jetzt zu viel politisches Licht; vorhanden, als daß ein Fürst nicht lieber dass ganze zuließe, und er hat in Rücksicht des Vor-

theils nur die Wahl zwischen gänzlicher (obwohlunmöglicher) Sultan- und Mönchverfinsierung,oder zwischen Friedrichs des Zweiten Aufhellung-Freiheit; ein blvses elendes vergittertes Miltel-Licht erinnert an Baczko'S Bemerkung über phy-sische Blinde, von welchen (nach ihm) die miteinigem Schimmer mehr tappen, weniger lernen,und weniger sich helfen als die ganz Blinden.Man kann jetzt der Wahrheit nur den Hofverbieten, nicht Stadt und Land, hinter denstummen Lippe» werden die Zähne knirschen.Man kann Bücher und Autoren an Ketten legen,aber nicht Mienen und Gedanken. Man kann,wenn man jenes thut, denselben Stoff, der sichals Licht mild und still umhergegosse» hatte, zueiner Flamme verdichte», die brausend fortfrißtund niederreißt.

Was ist denn zu wünschen, ja zu hoffen? Dies,daß ein zweiter Schlözer Staatanzeigen schreibe,und ein zweiter Friedrich die Pasquille leserlicherhängen lasse; damit man wieder erlebe, wie sichHanover und die Mark mitten unter Umwälzun-gen betragen — nämlich ruhig.

Luxus.

Die neue Zeit hat sich vor einem Feinde, der diealle besiegte, um so mehr zu fürchten, da sie selberihn entwaffnet hat; dies ist der Luxus, der vorihr das — Geld strecken mußte. Verarmungthut wie dem Einzelwesen, so noch mehr denVölkern so viel Abbruch, als Armuth Vorschub,Liese sperrt jden Luxus mit seinen guten und seinenbösen Kindern zugleich aus, jene wirbt durch diebösen uni den Vater an. Eine Zeitlang werdendie Deutschen — Beispiele zeigen sich — sogarschon — aus Unmulh und Geldmangel verschwen-den. Man hält nur bann am liebsten zu Rathe,wenn man etwas vor sich gebracht, und der reicheGeizhals wäre leicht in seinen liederlichen Erbenumzugießen, sobald man ihm das halbe Vermögenwegzöge. Schätze sparen, heißt Gegenwart opfernund verschwenden ; dazu muntert aber nicht gefürch-tet« Zukunft auf, sondern gehvffte.

Eine Kontribuzion gehört unter die Aufwand-gesetze, aber alle schlagen fehl. Unser jetzt aufhalben Sold gesetzter Luxus bringt alle sittlichenNachtheile eines auf den ganzen gesetzten mit, dieVeruntreuungen an sich und an andern, die Bieg-samkeit und Verbogenheit, die Geldsucht ic.Und werden nicht noch andere Zufälligkeiten dasGift des Luxus noch dicker kochen? z. B. dasBeispiel eines berühmten und vergrößerten Lan-des und besonders dessen Hauptstadt, da sie unsnäher angebt als London — die jedem Kriegenachfolgenden Ueber-Bereicherungen Einzelner —die betäubende Lockspeise neuer Staaten - Einrich-tungen — das Lhrongepränge, welches man demSieger des Jahrhunderts, der sie aus säkularischenGründe» wählte, am leichtesten nachzuspielen hat,ohne mir ihm die Gründe gemein zu haben? j