Band 
IV.
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Dämmerungen.

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kandieren; denn jene zeugen mehr Ehre, Liesemehr Unglück.

Das Unglück der Erde war bisher, daß zweiden Krieg beschlossen und Millionen ihn ausführ-ten und ausstanden, indeß es besser, wenn auchnicht gut gewesen wäre, daß Millionen bejchloffenhalten, und zwei gestritten. Denn da das Volkfast allein die ganze Kriegfracht anf Quetschwun-den zu trage» bekommt, und nur wenig von demschönen Fruchtkorbe des Friedens, und oft dieLorbeerkränze mit Pschkränze» erkauft; — da es. in die Mvrdlotterie Leiber und Güter einsetzt,

; und bei der letzten Ziehung (der des Friedens)

! oft selber gezogen, oder als Riete herauskommt:so wird seine verlierende Mehrheit viel seltnerals erleutende Minder - Zahl ausgedehntes O-pfern und Bluten beschließen. Wenn jetzt derKrieg nur wider, nicht für die Menge undfast nur von ihr geführt und erduldet wird —aber dies roch in solchem Grade, daß der Heer-führer schon im eigne» Volke das Pressen an-fangen muß, und daß erS mit alle» Schätzen ma-chen kann wie der Pnlvermüller mit dem Salpe-ter in, Sachsen, wvrnach er, wo er nur will, su-chen und graben darf, nur unter dem Ehebettenicht: so willigte gewiß ein jetziges Land in einenmehr opfernden als reichenden Krieg viel langsa-mer, als sonst die barbarische» hungernde» Völ-- ker, welche nicht, anders sich satt essen konn-! ten, als mit dem Schwerte in der Hand als Ga-

> bei. — Die arme, die rüstige Schweiz, so wie derreiche Hansebunb webrten nur ab, sielen nicht an.Die Staaterhebung durch neue Länder ist häufigdem Volke nur eine Kreuz-Erhöhungzund in derTbat kann eine Million Menschen mcht hoffen,besser regiert zu werden, wen» noch eine neue zu re-gieren dazu kommt; dies hieße einen Lehrer durchdie Vermehrung der Schüler besser lehren lehren.Dem Fürsten wird, wenn Arm und Hand ihmlänger werden, eben darum das Auge kürzer —

> Auch inmmt eigne und fremde Habsucht, folglichdie Kriegnähe mit der Größe der Adlerklaue» und

! des Fanges zu. Neichsdörfer wurden sonst selle-^ »er mediatistert als Reichsstädte. Wenn der! Fürst sich eine neue Kompagnie von Compagnienkauft: so wird eben das längere Land der bessereLangschub feindlicher Kugeln. Auch würde dasVolk wissen, daß jeder Länderansatz für den Für-sten selber nur ein neuer Ansah an die Kriegtrom-mete wäre, und daß niemand weniger genug hat,als wer zu viel hat. Friedrich der Einzige gabim Ganzen das Beispiel einer schönen Ausnahme;er bauete sein Land mehr in die Höhe als in dieBreite, aus, und zeigte eben damit, daß Oester-reich, um ein Riesengebirge, und Rußland, umein Aequatvrgebirge zu werden, nichts brauche! als ihm nachzumachen und — sich selber friedsami zu erobern. Bekommt Friedrich am jetzigen

> gallische» Rachmuster seines Kriegs vollends ein! Rachmuster seines Friedens: welche Macht wider-stände der Allmacht ?

Und Himmel, worüber und wofür wurden nichtoft Kriege erklärt, d. h. Ländern der jahrlangeGeburtschmerz zur Einbildung eines Marterfrie-dcns verordnet ? — Nicht einmal um Länderzu-sätze, oder um arrondierende Vorlegländrr: son-

dern aus afrikanischen Gründen; denn zwei Ne-gerkönige (*) führten wilden Krieg mit einanderüber eine europäische Grenadiermütze, welche bei-der Gemalinnen gern haben und aufsetzen woll-ten. Gott! wie viele Kriege um Grenadier-mützen durch Grenadiermützen in der ganzen Ge-schichte ! Aber Himmel! ists nicht genug, daßein paar fürstliche Lungenflügel sich Staaten alsFlughäute ansetzen, und, daß ihr Athmen wieMvuffons die Völker bewegt: müsse» noch voll-ends die kranken Blähungen des Zufalls dazu-kommen, als Wirbelwinde der armen Staat-schiffe? Doch hat dies eine freudige Nebenaus-sicht. Denn wenn die Vorsehung an den Spin-nenfaden von Privatnerven und Fibern ganzeVölker wie an eine Jupiterskette hängt, oder wiemit einer Sklavenkette zieht; und wenn gleich-wohl die Erde mitte» unter dieser Allmacht derZufälligkeiten um eine höhere Sonne zieht, alswir sehen: so muß gewiß viel Vorsehung und vielGott in diesem Fadenwirrwarr walten-und schlich-ten. — Indessen kann wohl die AushülfUner-schöpflichkeit der Allmacht und Allwissenheit —beide Worte find eins — eine Erdkugel auf einBlutkügelchen stelle»; aber der unverständige undunbeholfne Mensch darf den Zufall nicht auf dieLänderthronen setzen, und darf nur wagen f ü r,nicht wider Allgesehe. Der Krieg, sagt ihr,entwickelt und enthüllt große Völker und großeMenschen, so wie sich bei Regenwetter ferne Ge-birge aufdecken. Sonach hätten wir denn lautergroße Völker; denn alle rohe kriegten bis in dieBildung hinein; die Zauns und Tunarivten,welche bei den Türken für ihre Rittergüter imbeständigen Kriegdienste und als Kinder in Kör-ben und als Greise in Sänften beim Heere seinmüssen, wären ein Kongreß vereinigter Geaster-riesen. Wo aber stteg denn das größte kriegeri-sche, das römische Volk?, welches Jahrhundertelang weniger in. Blute der Völker watete, als aufdem Blute schiffte, endlich aus? Unten amThrone der römischen Kaiser als Krongewürm.Der lange pelvponnestsche Krieg machte keineSparter, aber wohl Lykurg: große Völker entste-hen nur an großen Menschen; und eine großeIdee, eine Gesetzgebung entwickelt die Völkerganz höher als ein Schlachtenjahr; und Preußen-Monarchie wurde nicht von, oder im, sondernhinter dem kurzen Kriege, und trotz demlelbenvon dem langen Frieden gebildet. Nur erscheintuns die Wintersaat des Friedens so leicht als Svm-mersaat des schwülen Kriegs ; aber der unsterblicheKrieg mit Terxes erschuf nicht erst die Griechen,sondern sie ihn, und er setzte sie voraus.

Die Kriege, selber für Freiheit geführt, verlo-ren entweder oder nahmen eine; hingegen dergroße Gesetzgeber — und es gab deren mehre,die keine großen Krieger waren, von Moses,Solon, Lykurg, Christus an — befreiet sein Volk,ohne ein anderes anzuketten; und selber Muham-meds kriegerischen Eroberungen waren vorherseine religiösen untergebauet.

Was man noch außer den Wirkungen des Frie-dens mit denen des Krieges verwechselt, ist die

l*) Zimmermanns geograph. Taschenbuch.