Band 
IV.
JPEG-Download
 

Dämme

Kug el-Hageln — oder überhaupt die Fürstenbe-stimmung zum Kriege— oder, da esvh »e Kugelndonnert, viel Lärmen-und Demonstrazio» ohneetwas — oder nichts sonderliches überhaupt, son-dern nur den Widerspruch, mit einerlei KnallsJubel und Jammer, mit derselben feurigen ZungeGeburt und Tod auSzusprechen —oder üm die Ach-tung gegen die Kanonenkugeln, womit allein dieKlapperjagd der Menschheit und die Ballotageoder Kugel-Stimmung der Friedenschlüsse zu ma-chen ist, von weitem zur Sprache zu bringen—oderaus musikalischer Liebe zum kriegerischen General-baß der Menschheit — oder um nichts zu sagen,sondern blos zu knallen.

s. Die alten Sachsen leisteten im Kriegeihren Fürsten jeden Gehorsam; der Friede aberführte die unabhängige Gleichheit zurück. Später-hin sagte ein und der andere Staat: '/wir kehrenes besser um. — Im Friede» sind unsere Soldatenhart gehaltene Krieg- Knechte, im Kriege Frie-den-Fü rste n; denn da jeder Krieg kürzer dauertals ein Friede, so wollen wir lieber lange als kurzregieren; und waS hab?» wir dabei noch verlorenals Schlachten, deren ohnehin nie zu wenige seinkönnen.--

6. Die modernen Sittlichkeit-Anstalten gleichen,mit den alte» Zensor-Anstalten verglichen, diesenviel weniger, als mit mehr Vortheil (da sie densittlichen Unrat!) mehr verbergen als verhindern)gewissen nicht-nnheimlichen Gemächern in Galla-Gärten. Denn eben dadurch wird der Garten-Baumeister Geschmack zeigen, daß er solche Ge-mächer zart verkleidet, eS sei in ein Brunnenge-bäude, oder in eine Nische, oder in einen Obelisk,oder in ei» Monument; und wenn Leute darinaufeinander stoßen, sehen sie sich an, ganz ver-dutzt.

v. Die Annalen des lateinischen Johannes vonMüller fand man zuerst in Westfalen auf (»achChateaubriand). Möge der deutsche TacituS unsbald von eben daher einen tiermaoieus, wennauch undeutscher Abkunft, liefern, so wie cks mvvi-Ku8 Kkwmauol'um. Schon jetzt bedeute» wesnäli-! sche Gerichte nicht mehr, wie sonst, heimliche, son-I Lern umgekehrt öffentliche.

L. So ungeheuer weit die Ichsucht die europäi-sche Erde überstricht, und so kurz die Lieb-Zeitder Jugend, und so enge die Lieb-Stätte der Fa-milie ist, und so selten ei» liebendes Genius-Herz(ein Herzen-Herz): so reicht doch die wenige Liebe,welche am starren Zeitalter noch wärmt, zun, Aus-thauen und Bewegen desselben hin ; und eine kleineWärme schmilzt aus den Gletscher» befruchtendeFlüsse, wie etwan in gewissen Gesundbrunnen (*)die warmen Quellen in die einfrierenden Bächefortfließen und sie zum Treiben der Wogen undMühlen erwärme».

(') Wißbadcn.

Zean Pauls Werke. tV.

rungen. 41

VI.

Vorschlag eines neuen Gesandtschaft-Personale für Fürsten, das beinaheunentgeltlich schreibt.

Wenn ein Finanzminister keinem Thiere so ähn-lich ist als einem Menschen, weil dieser, nach Ci-cero, das einzige ist, das rechnen kann; wenn derrechte Financier mehr den Staat heraus als hineinzu rechnen hat: so dürfte der Verfasser diesesvielleicht als ein wackerer Finanzmann den Kam-mer» sehr gefallen, da er hier den Fürsten einneues Gesandten-Personale vorschlägt, das beinahenichts kostet — an Diäten, Depeschen - Porto undsilberne Tafelservice ist ohnehin nicht zu denken.Dieses Personale hält sich in ganz Europa gratisauf, und versendet jährlich so bestimmte Depe-schen aus allen Ländern, daß sie sogar ins Einzelneder Geburt- und Sterbelisten, der LandeS-Vcrfaj-s»»H u. s. w. eingehe». Haben nicht diese wahrenKrinSgesandten des Erdkreises in ihren unschätz-baren Depeschen Sachen gemeldet, wovon diegewöhnlichen Linbasciackoves der Fürsten keinWort gewußt? Haben sie nicht die französischeRevoluzion vorausgesagt — ferner die Jammer-folgen deuttcher Einmischung in diese — dieErhebung Frankreichs — die Napoleons u. s. w. ?Doch ich halte mit dem Preisen ein, da ichselber — wiewohl nicht als Legazionrath —mich als unwürdiges Mitglied an diese ehrwürdigeAmbaffade reihe, welche aus achttausend sechs-hundert und zwei und sechzig Mann besieht,die sich — Schriftsteller nennen, so wie ihreDepeschen Werke (*). Was hätten die Fürstennicht von diesen wahren Botschaftern und N u n -zien (wie die päpstlichen Gesandten auch heißen)ohne alle Nunziaturstreitigkeiten von Glück undUnglück, Kraft und Krankheit eigner und fremderStaaten erfahren können, z. B. — um nicht derGesandten vom ersten Range zu gedenken, einesPlatons, Aristoteles — doch von Gesandten tie-feren Ranges, wie Archenholz, Buchholz, Bü-low ic. ? Wenn andere Gesandten viel öfter Mi-nierkompasse des Kriegfeuers sind, wenn die run-den Fensterscheiben, womit sie Licht geben, soleicht Feuer geben: so sind wir Plenipotenziarenmehr wohlthätige Mistbeetfenster, welche die Stür-me abwehren und das Wachsen antreiben. — Undwas fehlt denn unserem so ehrwürdigen corpsckiplomnlique, dem Friedrich der Einzige (lei-der war dieses Beiwort eine Prophezeiung) sogern Audienz gab 2 Nicht etwan eine Entzifferung-kanzlei (diese trägt ein Fürst im Kopfe unter derKrone) : — nicht Nekreditive (denn die Zeit er-theilt sie); — nicht Kenntnisse (denn wir wissenalles, und die andern Gesandten entziffern underangeln erst manches aus uns); — nicht Glanzund Würde (denn unter unserem Ambaffadenper-

(*) Nach Meusel im I. isoo.