Band 
IV.
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Dämmerungen.

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der steigenden die neue Aussicht als Alltaghelle,und ihr ist die Nacht, was andern nur Schattenist. Wir federn jetzt (wie Höflinge oder über.Haupt die Menschen) desto mehr von der Zeit,je mehrj sie uns gegeben. Konnten wir z. B. jetztertragen , daß ein Land in kurzer Kriegzeit >und durch Krieggewalt viermal sein wechselnderApostat und Renegat geworden? Gleichwohlwürd' es die Pfalz im dreißigjährigen Kriege (*).— Ebenso ist uns der elektriiche Znrückjchlag,oder das durch einen Himmel-Blitz erzeugte Um-Polarisisren des sächsische» Heers, damit es demvorher mitdienenden entgegenschlage, jetzt auffal-lender, als dieselbe Sache unter Friedrich N. ge-wesen, der ja dasselbe gethan- Würde uns jetztdaS vorige hessische Menschen--Versteigern undVersende» nach Nordamerika, für Geld und fürEngland, das kein Bundesland war, nicht ganzanders erschüttern, als nun ein bloßes, ganz unbe-zahltes Mitdienen deutscher Bundeskontingente»ntke» i» europäischen Ländern 's — Und doch hatschon früher Deutschland sich gegen jenen Völker-Schnitt - Handel mit schneidenden Waaren(die Schwerter sollten schneiden) weit stärker er-klärt, als die sich für so viel freier haltende Schweizgegen ihren viel schlimmern Groffo-Handel miteinem Volke gethan. Der Höllen-Minister deLvuvviS sagte: mit den an die Mieth-Schweizerbezahlten Thalern woll' er die Chaussee von Parisbis Basel pflastern. Der General Suppa ver-setzte : und mit dem vergoßnen Blute woll' er ei-ne» schiffbaren Kanal von Paris bis Basel anle-gen. Beide hatten Recht; denn die Schweizerlieferten vvm elften Ludwig a» bis zum vierzehn-ten den Franzosen i,iio7y8Mann für das Schmer-zen - und Rekruten - Geld von ii»6,868l)2ZGulden (*H.

Der Anfang des neunzehnten Jahrhundertskann dergleichen nicht mehr verschmerzen, nochverschulde». Der Anfang des achtzehnten sah denMoloch und Henker der Pfalz (Lonvois) und des-sen Henker-Knecht, General Melac (weswegenjetzt die! besten Hunde, die nicht Bluthunde sind,da häufig so heißen); man trauet zweimal seinenAugen kaum, wenn man erstlich auf dem Papieredie vollstreckte Einäscherung aller pfälzischenStädte und Dörfer, und zweitens in der Wirk-lichkeit deren Wiederherstellung antrifft. Gingin den drei neueste» breiten deutschen Kriegen soviel unter die Erde und in die Luft ?

Montesquieu bemerkt, daß die Römer jedemkleinen griechischen Staate eine eigne Gesetzge-bung unter dem Vorwande der Erlaubniß befoh-len, um dadurch eben allem Gemeinjchaftliche»unter ihnen und folglich jedem Vertheidignng-Bunde vorzubauen. Wie anders kann die neueZeit zielen und wirken, wenn man die Verviel-fachung der Souverainetäten, selber kleinsterStaaten, dagegen hält !

(*) Schiller: Die Pfalz mußte in sechzig Zäh-ren sich zweimal lutherisch, zweimal tuwinisch schwo-ren.

(") Leset nach diese Berechnung in Schlöyers(jetzt wieder zu lesendem) Briefwechsel, Theil VI.Heft XXXII.

Gibts irgendwo in der Weltgeschichte Fußsta-pfen eines Fortschrittes der Menschheit: so sindsie auf den Wegen zur Freiheit so wie zum Lichte.Wenn Griechenland und Rom die höhere Inten-siv» ihrer Freiheit durch die stärkere Eplensivnfremder Knechtschaft, und gleichsam Freihäuserund Freistätten durch ganze Sklavenmärkte undSklavenküsten erkauften; wenn später Freiin,Freifrau und Freiherr nur die regierende Aus-nahme war, aus der regierte» Mehrzahl — bloswieder den sogenannten Freimanu davon, aus-genommen, den Henker — : so dehnt sich jetzt diezwar mehr monarchische und Staat-Zwecken un-tergeordnete moderne Freiheit Lurch die Gesetzbü-cher bis zu Kolouisen, Negern und Juden undErbunterlhänigen aus. Ich fahre im Evangeli-sieren fort. Erlebt der vielfach gekrönte Geist, andessen Krone kleinere Kronen als eingesetzte Edel-steine schimmern, ein hohes Friedenaller — wasnach der Geschichte allen glücklichen Weltstür-mern und Bildnern zugefallen: — so hinterläßter, wenn er in die andere Welt zieht, eine neuein Europa, also ei» neues Europa nicht sowohl(denn dies hat er schon geliefert), sondern sonsteinen neuen Welttheil, sei es Asien oder Amerika.Denn solche Kräfte des Krieges können sich, alsKräfte des Friedens gebraucht, um so mehr nurdurch neue Wunderwerke der Welt aussprechen undbefriedigen. Da er schon jetzt mitten im Wehendes Kriegs geistige Slaatgebäude im Vorüberge-he» aufgebauet, was läßt sich nicht weissagen,wenn erst die Jahre das Feuer gemildert und dasLicht gemehret haben ? Nichts ; denn nicht ein-mal die Geniuskrafl selber kann sich ihre Schö-pfungen voraussage», geschweige ein Zuschauer.Indeß kann (scheint es) ein Geist, der nicht blosLand, sonder» Länder, nicht blos Unterthanen,sondern auch deren Fürsten unter den Hülfvölkernseiner Kraft gehabt, schwerlich dem bisherigenGenuß des Macht-Gefühls, den mehr das Aus-als Eigen-Land gewährt, auf eine an.ere Weiseim ewigen Frieden entsagen, als dadurch, daß erstatt der Krieger Gesandten schickt, und Zeit undGegner ändert durch Oinle und nicht durchBlut.

Große Krieger steigen von Sulla rc. an bis zuFriedrich H. so leicht aus dem Blutbade der Zeitauf die nächste Küste» - Aus und sind still Umdie Schleifer der Jahrhunderte fliegen wie ummechanische an großen Schleifmaschinen so vielFunken, daß sie ganz in Feuer stehen; aber sieschleifen doch nicht, um ewig Feuer zu gebe».Möchte dann einem Napoleon in einer über derZeit erhabnen Stunde der edle Geist Kein«richslV. erscheinen und ihm sagen: thue für Europa,was ich gewollt und Du vermagst.

Erscheinungen der Geister sind indeß nochschwerer zu weissagen als die der Körper.

Deutschlands Unglaube an sich wird aufhörenwie neulich sein Glaube a» sich. Nach den Katho-liken geschehen vor ketzerischen Ungläubigen keineWunder; hingegen floß das feste Blut des h. Ja-nuars (*) sogleich, als sich der dabei stehende Ke-tzer bekehrte. Dem Täufling ist nicht Reue, nur

(*) vihliatheqne universelle, T. IX p. 429,