Band 
IV.
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Dämmerungen.

einen Universalmvnarch außer unserm Herrgott,oder in Rücksicht der Thiere außer dem Menschengeben soll. der Erde. welche sich hier Universumnennt, anwüiische», daß es ein deutscher wäre;denn die Allseitigkeit, der Weltsinn und der Kos-mopvlitismuS der Deutsche» fände aufdem höchstenThrone gerade die rechte Stelle.

Man sprach vvi» Grabe einer gewissen Monar-chie. Ist dasselbe zu finden: so mag es wohldem Grabe des h. Johannes in EphesuS gleichen,welcher darin wie in einem Bette schlummernd,den Hügel mit der athmenden Brust auf- undnieder bewegte (*).

Werden wir künftig durch Eiukindschaft undGeselljchaftrechnung mit den Franzosen nicht un-sern Naztonal-Charakter einbüßen und abfärben?Aper warum fürchten denn bei derselben Vermi-schung die Franzose» nichts für den ihrigen? —Ein Charakter, den man so leicht verlöre, werdedenn verloren; denn es wäre keiner. Allerdingsholten bisher die Hof- und Welt-Leute ihren Leibaus Paris, und baueten ihn zustimmen ausxonges <Ie kanis, culs <lv Paris, barlies pos-liclies, venlres postirlres, tlaerr flo vsuplrinund was sonst noch zu Leiber» gehört. Und ebenso machten sie es mit den Iinrdos, xorMs, culsdes innern Menschen. Indeß setzt hier vorige, eitle,freiwillige Nachäffung gerade künftiges Widerspielvoraus, und folglich keine Korrepetitoren der Repe-titoren französischer Oper. Was Sprachen anlangt,so dürsten wir wohl weniger die reichere verlernen,als die Franzosen die ärmere; nicht blos, weil esstets in Deutschland mehr deutsche Bauern gebenwird, als französische darin, — wie den» sogar diepreußischen Krieggefangenen viel Deutsch ausFrankreich heimbringen; — nickt blos, weil unserevielseitige Kraftliteratur sich doch am Ende in diefranzösische hineindrängt, um so mehr, je mehrdieses Feuervolk sich an Napoleon, Frieden undDeutschland weiter stärkt — nicht blos, weil nichtdie literariscke Stärke nachahmt und nachspricht,nur die Schwäche — nicht blos, weil die sonst aufDeutschreden gesetzte Strafe (**) nnS das Deutschedoch gelassen hat: sondern darum, weil Friedrichder Einzige treffliche französiscke Verse geliefertnachdem ihm sein Vater bei Ungnade verboten,auch nur französische Prosa zu sprechen (***). Er-schwer! oder verbietet uns nur deutsch: so spre-chen wir deutsch von der Leber weg, dieser Quelledes Durstes und der Galle. Die deutsche Nachäf-fuug zu deutscher Nachahmung veredelt, würdeeben am leichtesten durch Geschäft und Verhältnißden Franzosen die Vorzüge ablernen, welche unse-rer Ergänzung abgehen. Was die weit wenigernachmachende Volkmenge anlangt, so wird sie ge-rade im Verhältniß des Klimas den deutschenCharaker am festesten forthalken; und so wirdder deutsche Norden, d. h. das größere Deuisch-laud, zu seiner kräftigen Eigenthümlichkeit höch-stens fremde Milderungen sich antauschen, und

(*) Xuguol, in tlommonwr. scl tcckann. XXI. 2ö.

(*») Sonst wurde an Studenten (in der Burse) Deutsch-reden mit Geld bestraft. MciuerS Geschichte der hohenSchul. B. I.

(***) Memoiren von Pöllnitz

nur der Süden wird sich dem Westen zu !sehr zukehren. Denkt an Holland und Elsaß zu- !gleich.

Leibnitz sagte: die Zukunft sei vvm Gegenwär-tigen schwanger. Jupiter schwängerte in Gestalteines Nebels die Jv. Da aber diese Gegen-wart und folglich der Nebel noch da ist: was hei-ßen dann Prophezeiungen? Dennoch rathen alleLandwirthe, zu säe» im Nebel.

7.

Kleine Zwielichter.

X. Napoleon als Pasquino — L Die deutsche Winter-saat ti- Zcituugschrciber — I) Sittlicher Einflußdes Schicksals — h Trost — l' Jetzige Zeit — 0.Zunft und Aucicnnct«'.

Napoleon als Pasquinv.

L- Wider meinen Willen macht die Aufschriftdem Zensor die Ooppelmühe, den 'Artikel anfangszudurch streichen, und dann doch wieder zu u »-terstreichen; weil er es nicht eher als im zweitenKomma lesen kann, daß ich hier aus dem zweitenBande von Lessings Kollektaneeu anführe, daßeinige die schöne Statue Pasquinvs für denAlexander halten, andere für den Mars; wurdenun nicht der französische Mars oder Alexandervon Autoren dazu gemißbraucht, um ihm die Pas-quille auf Preußen anzuhängen?

K. Wenn wir durch ächt-deutsche Erziehungund Literatur der Nachwelt zwei unzerstörlicheDenkmäler Deutschlands nachlassen: so ists genugund gerade nicht weniger als die Geistlichen —»ach dem Sprichworts: Xtt lUerlc! l-vliiiciiiuntpi-mten Ukrvs liverosM« — nachlassen, Bücherund Kinder.

6. Allerdings sind die Zeitungschreiber Billard-Marköre, die uns ansagen, welche K u gs l n rechtgegangen oder nicht. Ist nun ein wahrhafterMann darunter, so braucht man weiter nichts zuthun, als ihm zu glauben, und Ein Schreiber reichtfür tausend Leser zu. Ein anderes ist, wenn diesepolitischen Zeuge» verdächtig sind, oder wirklichlügen: dann können schon nach dem gewöhnlichenrömisch-deutschen Rechte ihrer nicht zu viele sein,in so fern wir ihnen Glauben schenken sollen.Denn rechtlich gelten erst zwei verdächtige ZeugenEinem guten (*) gleich, und um vollends vollstän-dig und glaubwürdig zu beweisen, muß mau sogarvier, welchen nichts zu glauben ist, in Verrath ha-ben und aufstellen. Daher hängt die Glaubwür-

f") Duo lesles suszxwri eomparrmtur uni iclonooM guatuor susgecli zsiene zirohcml. Ilomm. oh-scrv, 210,

Zsan Paul'S W erkc- lV.

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