Band 
IV.
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Herb st» B lumine.

Vorrede-

Kaum kann ich sie vor Begierde erwarten, um ifrüh genug darin den Titel des Buchs vor demLeser gegen den Tadel der Dunkelheit und derAnmaßung zu retten. Der ehrwürdige tiefeSprachforscher Wolkehat im allgemeinen deut-schen Anzeiger (Nr. 170 und lyi dieses Jahres)außer vielen Vorschlägen für deutsche Sprach-Rei-nigung, welche leider (gegen den Lauf des Jahr-hunderts) mehr Recht als Glück haben werden,auch den trefflichen gethan, daß wir in die deutscheEndigung ette und ine die griechischen und la-teinischen Göttinnen übersetzen möchten, alsoPomona in Obstine, Venus in Huldine, Dryadein Vergelte, Flora in Blumine; so wie er zu ebenso vielem Vortheil des Wvhlklangs als der Rei-nigkeit anräth, durch die alte Silbe an eine»handelnden Gott auszuspreche», z B- den don-nernden Jupiter durch Dvnneran, den Vulkandurch Feueran, den Faun durch Waldan rc.

Verjage doch dieser reife edle Deutschmann, jaDeutschan Wolke — als Nachspiel des Incus u„on lueenclc» d. h. als Widerspiel des eignen Na-men — die Sprach - Wolken mehr, aber nurrecht bald, weil er hunderrmal weniger Zeit hatzu schreiben, als die Nachwelt zu lesen.

Wie gern würd' ich, wie er. auch -- prächtig,mächtig, gründlich rc. -- schreiben, um mir gleich zu^ bleiben, da ich schon -- rosig, artig, haltig ic.»schreibet wenn ich nur könnte! Aber hundertMenschen im Leser - Stande würden lachen, wennich zu erhaben wäre <ur meine Person, für einenjetzigen Deutschen.

Seltsam genug aber ists, daß wir — indeßallen anderen Völkern ihre Mißlaute in Laute zer-flossen — umgekehrt auf die frühere Tonleiter diespätere Mißtonleiter anschienten und anbanden,und daß wir — um die Beispiele aus den Vater-unsern zu nehmen — ganz keck jetzt sagen Na-m e n statt, wie sonst allemannisch, Namo, Wil-len statt Willo, Himmel statt gothisch Hi-mina (im Ulphilas), Erde statt Erdu,heute statt h i utu soder im Ulphilas hiin m adoga), von statt fo n a. Noch von den Karo-lingern an klang der Wohllaut obwohl matterhinein in die Zeiten der sächsischen Könige unddie der fränkischen Kaiser bis zu den Minnesin-gern heran. Jetzt sagen wir unaufhörlich »k» wiespottende Kinder, oder ed, was sonst den Bund an-zeigte, der uns auseinander gefallen, und der n

werden wir wie ni, oder namenlose kaumlos.

Wag können in diesem Falle, wenn dies allesrichtig und längst erwiesen ist, die Hrn. Rezensen-ten in der Jenaer Literatur, oder in der Leipziger,oder in der Hallischen etwas anderes gegen den !Titel Herbst-Blumine auszusetzen finden, als denMangel weniger an Sprach- als an Selbst-Kennt-niß, an Bescheidenheit? Aber diesen trefflichenMännern wird auf ihren mich etwassbefremdendenTadel gelassen geantwortet: daß erstlich nichts sohäufig gelesen wird, als ein Titelblatt (der Restschon weniger) und daß man mithin eine Sprack-neuerung zuerst auf das erste Blatt zu pflanze»habe, gleichsam wie eine Auszeichnung ins Gesicht,auf welches sogar der Hund aufmerkt, indeß ihnSchenkel und Nabel gleichgültig lassen, —undzweitens, daß hier eben die stärkste Bescheidenheitsich in Schein-Anmaßung verhüllt.

Die Sache ist beim Himmel bekanntlich so:Almanache und Taschenbücher erscheinen imHerbste als Herbstblumen oder Zeitlosen (welcherletzere Name aus sie doppelt paßt, da nichts sich soschnell aus den Taschen verliert als Taschenbücher ^und keine in die Obstkammern öffentlicher Biblio-theken kommen und da sie nach keiner Zeit fragen,sondern schon im Jahr 1810 sich um eine Jahrzahlälter ausgeben). Bedenke man vollends, daß dieHerbstblumen giftig sind, auf der Weide ungenos-sen bleiben shier muß man sich große Schul- undGeschästmänner denken, die es thun), und daß sieihre Früchte erst nach Dreivierteljahren tragen:so glaub' ich meinem meistens aus Herbst- oderMichaeliskalendern gesammelten Strauße nurmäßig mit dem schönen Titel Herbst-Blumen ge-schmeichelt zu haben. Nur manches Stück wurdeaus alten zwanzigjährigen Zeitschriften gleichsamwie ein Späh» einem Dorfblumenstrauße dazwi-schen gesteckt.

Der Leser findet hier, diese Vorrede, die Zueig-nung und den Schluß ausgenommen, lauter wie-dergedruckte Sachen. Wie schwer fällt dies einemmehr Vor- als Abschreiber! Einige Erleichte-rung schuf ich Mir hinein und suchte zu etwas zukommen, daß ich in manche wiedergedruckte Auf-sätze,z.B. in "Meine Miszellen" oder indie alte --scherzhafte Phantasie vonHasus", einige frische Seiten mit Dinte undDruckschwärze von lSio einschwärzte. Seelen-vergnügter wäre freilich ein Autor geworden, dergar ganze Bücher in einzelne Aufsätze hätte flech-ten dürfen. — Uebrigens sind die ältesten die ver-ändertsten; was vielleicht damit zu entschuldigenist, daß ein Autor sich nicht versündigt, wenn er