Band 
IV.
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Herbst»Blumine.

und sagte, er hatte seine Elephantenjagd nach Wel-ten; aber er warf Sonne nach Sonne wie Fruchteganz herab, und nur ihre Erden zerstäubten schonunterwegs. —

Da kamen plötzlich meine Bruder, und grüßtenmich nicht, sondern der eine sagte sehr ernst:hörst du nichts? Jetzt hört' ich aus dem Bodenherauf, der ein Gottesacker voll lebendig Begrab-ner war, ein verworrenes Gemurmel und Durch-einanderstöhnen von Scheinleichen, und oben aufden Bergen umher standen unzählige Zwerge, undlachten laut über alles, und tanzten lebhaft zusam-men. »Sieh dich doch endlich um!» sagte derzweite Bruder ganz zornig. Hinter mir standenviele Schatten, und tranken mir aus Aschenkrügenzu; sie hatten aber keine Kraft zur Stimme, son-dern warteten auf den großen Aschenregen, woreinsie mit der Zunge ihre Gedanken leserlich schrei-ben wollten. Da strich schnell durch die weichenSchatten eine hohe Jünglinggestalt, aber ganz ein-geschleiert, sogar Hände und Füße, und hielt einBuch. »Welche Zeit ists, Freunde?" fragte dieGestalt mit süßer Stimme meine Brüder...

»Alle Sonnenuhren sind rückwärts gegangenund zeigen auf Null/- rief ein springender Zwergauf einem ganz fernen Gebirge. --Es ist nichtwahr," jagte die Gestalt, und der Zwerg stürztevom Gebirg.

--Du armes Herz,-- sagte sts dann wie ei» Lau-tcn-Ton zu mir, --du hast jetzt einen schwerenTraum; aber hier hab' ich das Traumbuch;Träume bedeuten stets ihr Gegentheil; bitte Gottum die schlimmsten, so wird es dir Wohlergehenbeim Erwachen." — Ack du, ach du! ich kennedich gewiß! rief ich. — --Nenne keine Na-men, befahl sie stark, sonst erwacht alles, vorzüg-lich der Teufel.-Die Schatten schienen per-

fchwunde», meine Brüder schritten weil von mirauf Felsenspitzen auf einander zu, und konnten sichnirgends erlangen und traten rückwärts, und diemeisten Zwerge wurden erquetscht. Wir beidewateten schwer und schwerer; das Ungeheuereoder Las Nichts umgriff, durchgriff mein Leben,und ich weinte beklommen, aber iininer nur schwülinS anschwellende Herz zurück. --Ich höre endlichdas böse Gruben-Alp-Horn, aber du noch nicht -v schön ! schön geträumt nach dem Traumbuche!»sagte die Gestalt und ihr Schleier schleppte immerlänger und weiter um ste. Neugeborne Kindermit Kränzen aus Giftblumen lagen am Wege.„O viel versprechend,-- sagte die Gestalt. In ei-nem Garten machten Kinder Blasmusik und dieGreise mußten darnach tanzen und zwar in ihreGräber hinein, bis man nur noch den darin hü-pfenden Kopf wahrnahm, und endlich gar nur dasVerwesende, das, so gut es konnte, stäubend fvrt-wirbelte. — --Sehr gut,-- sagte die Jüngling-Ge-stalt zu mir, nur weinst du mir nicht genug;richte dich doch genauer nach dem Traumbuch;etwas anderes und gefährlicheres wären Freuden-Thränen!--

Darauf fanden wir in einem Thäte zwei mitDvlchspitzen gekrönte Tyrannen an den beidenFelswänden langgestreckt Herunterliege», welchestch mit einander freundlich besprachen; aber jedesWort wurde ein lebendiges Thier und fuhr herunter

bald als ein Wolf, als ein Tiger, als eine Kröte oderals ein Geier. Sie lagen auf zwei durchsichtigenBergen, deren Goldadern und Silberadern zer-sprangen, so, Laß aus den einen Blut, und ausden andern Thränen flößen. Endlich schütteltenstch beide Tyrannen die Hände, aber jeder that esmit einer fremden abgehauenen Hand; der einehatte die weiße eines weiße» Mohren, der anderedie schwarze eines Blaufärbers. Jetzt riß michder Jüngling aus der Bergkluft, und sagte : daists! Ich sah eine» schwarzen Bühnen-Vvrhang,der von, Himmel auf die Erde hing, und eine Höllewar künstlich darauf gemalt; um ihn gaukelteämsig der Sturmschmetterling und verlangtedurchaus hinein.

Jetzt hörte auch ich das böse Alpgrubenhorn,und der Vorhang fuhr gen Himmel.

Auf einer unabsehlichen Ebene standen zweiKriegheere einander still gegenüber; sie bestandenaber blos in den aus den Siegheeren der Erdenach Hause ziehenden Verstümmelten, nur lauterMenschen mit Einem Arme, Einem Auge, mit wei-ten Wunden; und ich sah durch tausend hinterein-ander gestellte Wunden die Sterne deutlich blitzen.Jetzt begannen ste die sogenannte stumme Schlachtmit Windbüchsen — man hörte nichts, nur Ge-stalt nach Gestalt stürzte um, und jede drückte stchselber mit ihrer Hand die Augen zu. Aus einerlieblich-hcllen Wolke bot ein Arm sich wie zurHülfe an, aber er war dreimal zerbrochen undblutete. Die Sternenflecke» waren weiße Fleckendes Himmeltigers, und hoch oben auf der Sonnestand still der alte Basilisk hinter einem Isis-Schleier. Aengstlich blickten alle hinauf, weil siestarben, sobald er sich aufdeckte und die Welt an-sah Da trat in meiner Bangigkeit der Ur-Teufelvor mich, der taubstumm war; mit den Graus-Lauten der Stummen, mit ihren wilden Gebärdenquälte er sich vergeblich ab, um mir unsäglichenJammer deutlich anzusagen, und winkte immerzum Basilisken hinauf, um stch faßlich zu machen;endlich da ich noch nicht genug verzweifelte, griffer mit einer Kralle, die sich unaufhörlich ver-längerte, hinauf zum verschleierten Drachen, umden Schleier von dessen all-tödtenden Augen zureißen.

"Liuta, nun bist du erlöset, wach' auf!--sagteder Jüngling. Und ich träumte, daß ich erwache.Im Schein-Erwachen stand er noch bei mir aLerohne Schleier, und ich erkannte ihn längst. Wirstanden beide auf einer kristallenen Gondel, diesich auf einem Meere von weichen Tulpen wie aufWogen bewegte,und zwei große Schmetterlingflügelwehten als Segel, und Flvtenköne hauchten uns aufden Blumsnglocken weiter.

--Leb' ich oder du?-- sagt' ich. Du und ich, (sagte jder Jüngling) heile, heile, wunde Seele!-- —

O sag' es immer fort, rief icb; er sagte es fort,aber seine Laute senkten mich in süßes tiefesSterben hinunter, und immer süßer und tiefer;meine Augen schloß sein Tönen; aber ich sah ihndurch die Augenlieder — ich that sie auf voll Fren-denthränen; aber ich sah ihn Lurch die Thrä-nen;-ich trocknete sie; da war sein Blick meinKuß. Der Himmel über uns war gestirnt blos mitweißen Perlen, nur das Z w i I l i n g g esti rn