Band 
IV.
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H e r b st » B l u m i n e,

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Zimmermanns geographisches Taschenbuchvon 1806.) — und wenn ich den Jtaliäner so vielvon dem Zucker, der »ach Sander durch sechs-unddreißigjähriges Liegen im Magazin giftartiggeworden, hatte zu essen genöthigt, daß er ihm soschlecht bekommen wäre, wie einer Ente bloße fünsQuentchen. Sogar die gute erblindete Madamells Louillon wurde ei» anderer, der mehr als ichihren Magen zum Opfer ihrer Zunge hätte wer-den lassen, noch veranlaßt haben, mehr Blättervom giftigen Kirschlorbeer (er stand bei der Hand)in den Kaffee zu werfen, um ihn äußerst schmack-haft zu machen. Aber ich glaube, für EinenAbend und ei» Abendmahl ist es hier der Ver-wandlungen, der Giflhostien, und der Leidenge-schichte» genug.

Doch vor Lerchen und vor Zucker braucht mannicht zu warnen, wen» nicht jeder Genießende einmedizinischer Polizeibeamte werden soll, der jederankommenden Freude erst Reisepaß und Geburt-brief abverlangt, ehe er ste einläßt. Auch wagensoll der Mensch und kühn sein, um frei zu sein.Legen wir doch jeden Abend den Kopf rnhig aufdas Kiffen, unwissend und unbekümmert zugleichüber die Eisfelder und Schlachtfelder, auf de-nen uns der nächste Traum aussetzt und um-hertreibt, in dessen dunkler Marterkammeruns keine Freiheit, kein Licht und kein Freundbeisteht.

Nur noch vor einem Zufall hab' ich zn warnen,nicht die gute Madame <1e Louillon — die nunblind ist und folglich etwas Verbotenes so weniglesen kann, als etwas Erlaubtes — sondern dieElternwelt. Es betrifft die geistigen Tvllbeerenzuchtloser Werke, welche so häufig mit ihren schö-nen Farben am Wege hangen, und von welchendie Zeitungen die Kinder, die keine lesen, so sehrdurch Beispiele von Opfern abschrecken. Ein un-bedeutendes Buch, in das ich leider des Titelswegen hineinsah, weil von humoristischen Erzäh-lungen die Rede war, bringt mich auf die War-nung. Humoristisch bedeutet aber darin so vielals Satirisieren, in jenem Sinne, wie es der alteherz - kraft- und sprachreiche Fischart in seinerUeöersetzung von Isocttiius Dämonologie ge-brauchte, nämlich das Zeitwort von SalyriastS.So ähnlich als das gemeine - Potztausend » dem"Gott Zebavlh-- ist, auS dem es zusammenge-schmolzen sein soll, so ähnlich ist die Zuchtlostg-keil dieses und anderer deutscher Spaßwerke demHumor.

Redliche Männer wollen unheiligste Schriften,wie die ersten Christen die heiligen, verborgen undunbekannt gehalten wissen; andern dünkt geratedas kühne Widerspiel heilsamer, und sie rufensolche Kolhstädtereien (*) warnend aus. Ich binvon der zweite» Partei. Sogar die Verfasserselber rathen mitten oder hinten im Buche demLeser das Lesen desselben ab, so wie die Warnra-feln vor dem Selberschuß jeden, der hinein trittum sie zu lesen, vor dem Selberschießen nicht nurmit deutlichen Worten, sondern auch mit losgehen-dem Schuße selber warnen. Wenn ihr den re>-

C) Bon Paris, Imlelia, Kothstadt, nach Aehnlichkeitvon Klcinstädtcrei.

neu scheuen Seelen die schmutzigen Fanggruben derPhantasie sichtbar genug absteckt: so wendet ihrden unwillkürlichen geistigen Selbermvrd ab;denn der Reine wird nicht absichtlich ins Unreinetreten. In jeder Lesebibliothek sollte das Stamm-register der Schreiber, die am geistigen Miserere! oder Jleus krank sitzen, und die Schmutzti relsolcher sich selber verbietenden Werke aufgehangensein. sogar im Verzeichniß des Verleihers sollte dieZensur auf folgendem Nachtrag oder Nachartikelbestehen: kurzes Verzeichniß oder Rudel von Hu-ren-Lesebüchern.

Nicht blos die noch weiß gefiederte Psychewürde dann hoch darüber wegfliegen, auch sogareine mehr zum Wiedehopf gewordene würde sichbedenken, am hellen Tage und vor aller Augen inden AugiaS-Stall hineinzuziehen; Musen-Hetärenwerden, wie die andern, nur im Dunkeln gesuchtund also schwerer gefunden. Wer gleichwohl(weniger um ein Herkules darin zu sein, als einAugias-Viehj in dergleichen Orte kröche, dem wärees gern verstattet; was hätte denn dieser noch zuverlieren, oder wir an ihm?

V.

Ursachen, warum der -Verfasser nichtsfür das Taschenbuch aus 1803 lie-fert.

Ein Brief.

Lieber Cotka! Man sagt zwar, ein Wort einMann, aber nicht ein Wort ein Autor; denn einMann kann leicht eines halten, aber nicht ein Autor.Ich breche meines, um nur wieder heiter zu wer-den. Fünf Tage bracht' ich — vertrieben aus demTitan und aus dem schönsten Junius — mit fleißi-gem Anfangen mehrer kleiner Erzählungen zu,und mit Fortfahren; würd' aber bei jeder gewahr,daß ste über ein Alphabet hinaus anlaufen wolle,

ohne die Ausschweifungen.-Freilich warum

gibt man kein Taschenbuch in Quart? Wer maßnoch die Taschen der Nachwelt, deren Röcke viel-leicht, wie Amtkleider, ganz Tasche find? Selberdie Monatschriften — wogegen die Taschenbüchernur Jahrschriflen find, liebliche, über die Jakrzahlhinüberblühende Zeitlosen des Meßherbstes —würden, anstatt daß ste jetzo alles gelehrte.Wissenin Dutzend-Malerei verwandeln, weniger scha-den, wenn man sie dicker gäbe, erwa zu dreißigBogen das Heft — denn es würde den fleißig so-liden Gelelirten in Stand setzen, seine zwölf Her-kules-Arbeiten in eben so vielen Mvnatbänden zuverrichten und er käme zu Wort. Nebenbei stiegedie deutsche Literatur zur französischen hinan undwürde gebunden verkauft. Ueberhaupt müssenerst in unserm Musenberge die Wasserwerkegehen und die Wasseradern abführen, bevor mandie Goldadern holen kann. Hat man wie stille