Band 
IV.
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Herbst-Blumine.

du»g der beide» Gesichter, welche im engen Mvr-genblatte mehre Seiten beseht, in das Zeit-Inte-rim des AuSschl.igenS von 12 Uhr f sogar die vierViertel hatten schon geschlagen) sich einziehen ^mußte. Gleichwohl bleibt dieser Unzeitraum »och ^immer geräumig genug, wenn man dagegen den !kurzen hält, worin Muhamed den halbe» Himmeldurchreiste und auskundschaftete, und nach wel-chem bei dem Erwachen der Wasierkrug, der beidem Einschlafen umgefallen war, noch auSfloß.Statt in Kapitel will ich die Reden des verheira-theten Kopses nach den 12 Glockenschlägen derUhr eintheilen, damit der Leser einigermaßen er-staune, wie man in so kurzen Zwischenräumen solange Reden abthu» kann

Erster Gl 0 ckenschlag.

(Nämlich der Zeitraum vom vierten Viertel zu ihm,)

Beste, Alles gegen mich, antwortete Janus. Omein Hesiis, mein HesuS (*) ist sitzen geblieben,anfangs auf einer Insel, dann auf einer andernund mußte auf St. Helena strandet!, nachdem erauf Elba so fest geankert hatte. In einer mehrheitern Stunde möcht' ich die Sache zu einer ar-tigen Charade verarbeiten, daß einer, welcherParis (karis) als einen Jambus besaß, nunein PariS (Därrs ) als Trochäus werben und soHelena erst nach dem trojanischen Kriege bekom-men mußte, nämlich die heilige Helena, weil dieInseln, wie in Frankreich die Dörfer immer Hei-ligennamen führen. Seitdem mein HesuS, der ei-serne Thürklopfer meiner Pforten, weg ist —dreißig Jahre lang hätt' ich durch ihn Opfer be-kommen wollen verdurstet Niemand mehr dabeials ich JanuS; er selber hat sich Blut genugopfern und vorziehen und kredenzen lassen, undkonnte hinlänglich dick abschiffen; aber meinenTempel verriegelte der dumme Friede, und ichpasse seitdem umsonst in meiner zugesperrten Kir-che auf mein Jannal von Weihrauch, lassen nichtetwa Sie, Madam, mir hinter mir einigen figür-lichen zufließen.

Nicht einmal in Neapel, dessen Schutzpatrondoch der Namenvetter von mir und meinem Mo-nat JanuariuS ist, konnte einer der besten Pfört-ner meiner Pforten, für welche ich nicht umsonstdie Kronen und Münz-n erfunden, etwas aus-richten. Kam nicht der tapfre Mann absichtlich,wie früher der jetzige Helener, von Korsika mitweniger Mannschaft her, brachte aber seinen Kopfmit, und wollte durch dessen Nähe das Blut desJanuariuSland flüssig und fließen machen? Undes gelang ihm mit einem andern als seinem eig-nen ?

Madam, Ihren Gatten kann dabei blos vonWeitem trösten, daß dieses Heldenpaar, dieseDioskuren der Gegcnwahrheit überall noch wahr-haft treue Anhänger und in Deutschland An-hänger ihrer Anhänger zählen; und so wollenwir hoffen, daß den Helener nach so vielen

Hcsus oder Efus war bekanntlich der Mars !der Gallier und bekam auf seinen, Altar blos Menschen- jblut. ^

Windstößen des Meers wieder, die Erdstößeeines Festlandkrieges wiegen.

Zweiter Glocke »schlag.

Bester, wa§ hat 181 s die Diplomatie gethan?fragte Camesena,

Beste, einiges! versetzte der Schlüsselträgerfelaviselss. Sonst entlehnte sie gern von mir denDietrich und den Lunlenstock. Aber LieseSmal nicht;und der beste Handel Frankreichs liegt noch immerdarnieder, der mit Flintensteinen. Uebrigenssagt die Diplvmatik niemal: Alles oder Nichts,sonder» wie Deutsche gewöhnlich: „Alles oderEtwas."

Darauf murmelte Janus unvernehmlich fort biszum

Dritten Glockenschlag.

Bester, was hat 1815 die Poesie gethan?

Beste, viel! Nur muß man nicht nach einigenwenigen, wie Stägeman», Reimar, Fvu-q»6, gleichsam nach den dunkeln Stellen des Gan-zen, dieses selber schätzen. Dbi plurn nitent,vxo von st eoeteia. Der größere Theil zeigtegewiß eine Kraft, in jeder Messe etwas hervorzu-bringen, ohne von außen sich durch schwere Kostund Zufuhr von Stoff und Kenntnissen gedüngtzu haben; so wie der glänzende Goldfisch sichJahre lang im Wasser ohne alle Nahrung auf-hält, und doch immer feinen Unrats, abzusehenvermag. Eine gute Almanachkapsel ist eine aufge-tischte Glasschüffel voll solcher Goldfische. Einewahre innere Ernährung ohne alle äußere, aberdoch nicht eine unerklärliche, da alle diese Goldfi-sche eine so treue Gemeinhut und Milchbrüder-schaft der Ideen, Bilder- und Silbenmaße unter-halten, daß keiner dieser Wahl-, Blut- und Was-serverwandten durch das bloße Gedicht von deinandern zu unterscheiden ist, sondern durch seinenNamen, den er deshalb mit Recht jedem Gedichtuntersetzt, um das Seinige zu behaupten durchden nlmi'uetei' inclelslrilis oder das kurze Signa-lement. Uebrigens werden die Gedichte so schöpfe-risch wie der erste Mensch gemacht: zuerst wirdder Leib, der aus Silbenmaß und Sonetten undandern Reimen besteht, geknetet und gebildet,dann wird dem ausgearbeiteten Erdenklos eineArt von Seele eingehaucht, die freilich, wie oftbei ganzen Menschen, ziemlich geistlos ausfallenkann.

Vierter Givcke lisch lag.

Bester, waS hat 1815 die Bühne gethan?

Beste, nichts, weil schon Alles gethan war.Gab' es doch öfter einen solchen Dreiklang vondrei Weisen, wie ihn bei der deutschen Bühne derDichter, der Spieler und der Hvhrer machen.Alle drei entzücken sämmtlich einander hinüberund herüber, und jede Woche stärker. Demdeutschen Schauspieldichter schreibt nicht, wie beiden griechischen dionysischen Festen, eine rinnende