Band 
IV.
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"Sie könnten dann etwa» die lebendigen Sa-chen ausschneiden; ich wurde, da ich mich etwasweniger darauf verstehe, mich auf die todten le-gen ; z. B. Sie machten den Esel, ich die Elle (?)— Sie machten den Frosch, ich den Flegel — Siedie Gans, ich die Gabel — Sie den Hasen, ich denHammer," fuhr der Magister entflammt fort.

Fibel bekam Rosenkränze auf, und aß Syrupmit Vorleg-Lvffeln; achs nur gar zu herrlich,Herr! sagt' er.

"Ja — feuerte der Magister fort — das Werkwäre zu einem unglaublichen Grade von Jmpor-tanz zu treiben, wenn man gar nicht nachließe,sondern ein Farbenkästchen anschaffte, und darausjedes Thier und Instrument sehr nett für Kin-der anfärbte und illuminierte."

»Um Gottes willen, Herr Pelz, gut ! Ich weißkaum was ich sagen loll" versetzte Fibel; ein Kes-sel voll Rosenöl war auf ihn ausgeschüttet, und esverdampfte an ihm ein Rvsen-Eden.

„Es ist daher auch wohl gescheiter, versetzte Pelz,wenn ich einen gewissen Definitiv- und Funda-mental-Rath vor der Hand noch verschiebe, dasAllerhöchste, womit Sie einmal dermaßen Viktoriaschießen können, daß sich Mann nach Mann vrdent-, lich einen Narre» an Ihnen frißt, auS bloßem! Applaus." —

I Ach, du lieber.'Herre Gott l rief Helf, undfuhr in den Tanz hinein mit der einsamen zwei-händig dastehenden Fleglerin, um mit ihr dieTanz-Sonate N r,untre inains abzuspielen. Frei-lich hätt' er lieber mit Pelzen gewalzt. — „Unddoch— sagt' er zu ihm fortfahrend —steht mir nochder Fundamental-Rath bevor s!" — Aber nur nichtheute, sagte Pelz. — Gott! wie herrlich wirdder erst lauten ! rief Fibel.

Welcher Abend indeß! wie durchströmten diebeiden Paradiesesflüffe der Autorschaft und dieHeirath sich einander! — Er konnte kaum dieViertelstunde erwarten, wo er der kurz- unddünnstämmigen Mutter, und der grvßqebauetenund ungelenken Ballkönigin (Keine lie Kni),seiner Braut, ausführlicher das Glück erzählendurfte, das er in Geldern und Lorbeeren mit bei-den so theilen wollte, daß er höchstens das Drit-tel annahm. —

Endlich nach dem trägen Abfluß aller Gäste, er-fischte er das Glück, Mutter und Brautallein vor sichzu haben und ihnen zu melden, welche Flitterjahreallen dreien bevorständen. Vor beiden allein konnt'er sein Herz ausdrücken. Der Mutter war. daer ihr die gute Nacht anküßte, als ob sie ihreSilberhochzeit feiere, denn sie glaubte beiden Abc-Machern alles aufs Wort. Die Braut fragte nachdem einen weggegangenen ihr verdächtigen Abc-Macher so wenig, daß sie sich schon bei dem an-dern dagebliebenen für selig genug hielt. Mutterund Tochter und Sohn konnten sich kaum von ih-ren wechselseitigen Küssen sondern.

^ (*) Nämlich zum Reime:

i Der Esel träget schwere Sack'

Mit Ellen mißt der Krämer weg.

Und so zu den übrigen bekannten Reiiyen des Abc-Buchs. , i

— Und so waren den» endlich einmal drei Un-schuldige vvm Schicksal nicht beraubt, sondernbeschenkt. — Beinahe möcht' ich meinen Anfangdieses Judas-Kapitels, der die Verlobung überdie Hochzeit heben wollte, Lügen strafen; aberman prüfe Loch selber

19 .

Zudas » Kapitel.

Flitterwochen.

Das rosenfarbiqe Morgenthor der Zukunft waraufgethan und Fibel ging am Arme Pelzens hin-durch.'

In wenigen Tagen hatte dieser die große Welt-dinte, de» Buchdruckerfirniß gekocht — darauf dieerste Seite des neuen Werks als geschickter Setzergesetzt — dann sie als geschickter Drucker abge-drucktUnd konnte sie dem Verfasser als geschick-tem Korrektor darreichen.

Deine erste Druckseite, mein Fibel? DiesenKonfekt-Teller der Schriftstellerei — diese schönstevelle-vue auf Papier — diese» EverdingschenVorgrund eines laugen herrlichen Schreib-Lebens— dieses Lustlager von tausend Hoffnungen be-kamst du in die Hand? Und mit welche» Empfin-dungen? Sprich angehender Autor des künftigenWerks! — Doch lass es! Wir Autoren selberhaben längst diesen Himmel vorempfuuden, Lesernaber, Lie nicht wenigstens ein oder ein paarTrauer-Anzeigen mit Mittrauer-Verboten habendrucksn lassen, ist dergleichen doch Lurch kein Be-schreiben zu beschreiben.

Dabei wurde nun noch gar in Holz geschnit-ten — von Fibel» Menschen und Vieh des Abc's,von Pelzen nur Sachen — die 2» Holzschnitte.Trefflich ähnlich stiegen vom Holze oder Form-bret, dieser Bruttafel und Pflanzstätte der bestenVorbilder, sogleich der Affe und der Apfel wohlge-bildet aufs Papier.

Aber was war Loch dies alles, wenn Fibel seinedrei einzigen Farben nahm, — roth, gelb undgrün, — und damit die abgedruckten. Holzschnittelangsam und prächtig illuminierte und tettauierte?Wenn er die Farben - Toilette seinen Thierenmachte, und gleichsam über dem regendunkeln Holz-schnitt den farbigen Regenbogen langsam zog? —Wenn er Lies alles-that und erlebte, was war,wurde gefragt, alles andere daneben ? Aber aller,dings gab eS noch etwas, welches sich recht gut mitseiner färbenden Freude messen konnte; eS war dasZusammeiifreuen und Zusammenklingen eines drei-stimmigen Seelen - Satzes (Mann und Frau undMutter); sogar der Kauz Pelz warf auf daS Essenden bunten Streuzucker seiner Erzählungen.Seine Mutter ferner hatte es so gut, und wurdevon der Schwiegertochter auf den Händen undLippen getragen, und es fehlte ihr nichts als et-wa» — Arbeit; Drotta's Liebezeichen sog sie