Band 
IV.
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Leben Fibels

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, ordentlich für ein herabgefallenes abendrvthes

> Wolken-Stück eine rothe Bohnen-Blüle ansah.

! Endlich hört' ich im Wäldchen einen Menschen

singen, nnd eineOrgel gehen; kurz der alte Manndrehte ungestorben das Abendlied : »Herr, es ist vonmeine», Leben übermal ein Tag dahin.» Daher,und zu seinem Singen kam das der Bögel in derStube und auf fernen Zweigen. Sogar dasSummen der Biene», die in lauer Sommernachtin die Lindenkelche sich vertieften, wehte die Flammemeiner Freude höher auf. —>

Er lebte. — Doch störte ich seinen heiligenAbend nicht; er bleibe bei dem, sagte ich, der ihnmit seinen Gaben und mit Zähren umringt, unddenke a» keinen Menschen hier unten besonders.

Nachdem ich sein Lied bis zum letzten Verseausgehört, um »och gewisser seines Selbst-Ueber-^ lebens zu sein: schlich ich langsam fort, und fand

> zur Freude i» der ewig jungen Natur noch schönel Beziehungen auf seine veralterte, von der Wiesen-i quelle an,dieser ewigen Woge, bis zu einem Nach-

> schwärn, von Bienen, der sich (wahrscheinlich Vor-mittags bor2 Uhr) an ein Lindenbäumchen angesetzt,ordentlich als sollt' er durch ihr Beherbergen ihrBienen-Vater werden, und lange leben; — undjeder Stern winkte mir eine Hoffnung zu.

Gleichwohl tödteten und begruben ihn in mei-, nein Bette die Träume bald so, bald so, doch im-s mer schön genug. Einmal starb mir darin der. Greis in einer Frühlingnacht — einmal wieder

> an einem Neujahrtage — zuweilen saß er an ein

> väterliches Obstbäumchen angelehnt und der Blitz! fuhr blos vom Himmel herab, um ihn in diesens hinauf zu tragen — Einmal trugen seine Bahre

hohe Riesenkinder her, und wurden unter dem" Tragen kleine rvthblüheude bekränzte Greise. —

> In einem ander» Traume drückt' er sich sterbendselber die Augen zu, und sagte: ich will nichtsmehr sehen, es steht Jesus Christus »eben mir. —In einem andern Traume bückte er sich schmerz-

^ haft tief bis ans Grab seiner Muttter nieder und^ bog nur dessen Blumen an sein Gesicht, und brach! keine; auf einmal fuhr die Mutter aus dem! Grabe und fuhr mit ihm über die Wolken in deni nächsten Stern —In verschiedenen Träumen hörte' ich nur die Anfangzeile» unbekannter Skerbelieder:i z. B. An der Ew'gkeit zerrinnt die längste Zeit —längres Leben, kürzre Ewigkeit — Nichtiges hatGott nicht aus nichts gemacht — Todteustaubwird Blütenstaub und die Seele trägt Seele».

So soielt das Schlafen mit dem Menschen wieder Mensch mit dem Wachen.

Viertes Nack-Kapitel.

Letzter Tag.

Da ich zum letztenmale zum Helden dieser Ge-schichte ging, dacht' ich unterwegs an die Stelle,die ich hier schreiben werde: daß nämlich nachdiesem Kapitel ganze Brigaden von Literatoren,die nun daraus erfahren, wo Fibel lebendig zu ha-

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ben ist, aufsitzen, oder einsitzen werden, (manchemachen sich gar nur auf die Beine,) um das alteHerrlein zu besichtigen; — und so hält'ich denndem armen Schul-Wsisel in seinen alten Tageneinen ganzen Bienen-Schwarmsack über feinemgrauen Kopfe ausgeschüttet. — Literatoren, Litera-toren, seid ihr nicht Lurch die Figur der Epizeupis,oder auch Anaphora, welche dasselbe Wort am An-fang zweimal nachdrücklich wiederholt, von euer,,gelehrten Reisen .zu ihm abzubringen? Undwenn ich gar mich der Epiphora bediene, welchedasselbe Wort am Ende wiederholt, und ich rufe:lasset doch einem Mann kurz vor der letzten Ruhedie vorletzte Ruhe: bleibt ihr dann noch des Teu-fels lebendig?

Ich hatte Nachts seinen Alert bei mir behalten,welcher seltsam genug, so gern bei mir blieb, undmit mir ging, ordentlich als ob der Seidenspitzmich als den Lobredner des Post - Spitzes in denHuudpvsttage» kennte und schätzte, was Lochbei seiner Kälte gegen Lektüre nicht denklich ist.Ich will sogleich auf der Stelle die Nach-richt geben — die ich wahrscheinlich nachher ver-gäße— Laß der Bienenrvder, als er die Anhäng-lichkeit dieses Superlativ-Viehs sah, mir mitdemselben ein ansehnliches Geschenk gemacht, Lasbekanntlich noch lebt. Der Hund Alert solltewahrscheinlich ei» Ehrensold sein, ein Ehrenhundoder ein Medaillon—oder ein evangelistischesWap-penthier (wie denn Lukas hinter sich seinen Ochsenhat, Matthäus seinen Engel) — oder ein propheti-sches Wappenthier (da bekanntlich die Propheten,Bileam und Muhamed, jeder einen Esel hat) —oder überhaupt nur eine Andeutung, theis mei-ner persischen Reinlichkeit, theils meiner persi-sche» Abkunft (da wir Deutsche von den Persernabstammen, diesen größten Freunden sowohl derReinheit als der Hunde) oder wollte Las Herr-lei» die Sache blos aus Liebe thun: genug ichhabe den Hund und üuto kratzt er sich lebendigauf meinem Schreib-Kauape ; auch soll er gern je-dem Leser, der sich davon mehr zu überzeugenwünscht, wenn er mir die Ehre eines Besuchs er-weist, inS Bein fahren. Verreckt er einstens füreine bessere Welt als diese ist, — worin er nichtsHeiliges hat, als blos das heilige Bein, das ervc-rlängert als Schwanz nach dem Himmel kehrtund bewegt — so stopf' ick ihn aus mit dem Ve-getabilischen, das er jetzt haßt und das ihm dannbei den, Mangel an Magen so lieb sein kann wieeinem Braminen.

Doch zurück —Alle mein Trauer-Träumen hattemir kein Trauer-Wachen mitgegekn, sondern je-des genommen: wie hätt' ich sonst so froh auf dennächste» Seiten von Alert sprechen können? Ichging recht früh ins Wäldchen, um den Greis nochim Scklafs zu sehen, m diesem alten Vorspiel desTodes, in diesem warmen Traume des kalten To-des. Aber er hatte sich schon in der groß gedruck-ten Bibel bei Hülfe eines stämmigen Morgen-roths weit über die Sündflut hinaus gelesen, wieich aus den Kupferstichen ersah.

Da ichs für meine Pflicht hielt, seine Einsam-keit nicht lange zu stören,so sagt' ich zu ihm, ich schiedeund gäbe ihm blos ein leichtes Abschiedbriefchenstatt.Äbschiedwörtchen — ein Blättche», das wohl