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Leben Fibels.
niemand zu lesen bekommen soll: — da heftete erso warme Augen darauf, daß ich reine Freudeüber den Eindruck, den das erste kleine Manu-skript von mir auf ihn machte, empfand, bis ermich freundlich fragte, ob ich nicht mehr von die-sem himmlischen Streusand hätte. Es hatt' ihnnämlich besonders der blaue Streusand ergrif-fen, in dessen Aether ich die gestirntem Gedanken! meines Blättchens gestreuet hatte. Er bat wich! geradezu um meine Sandbüchse; denn es kann^ sein, sagt' er, daß ich noch an jemand schreibe,vielleicht an Gott selber. Dabei erzählte er mireinmal recht redselig, daß Las Wort Blau ih»
! überall besonder- gerührt — z. B die blauen! Berge in amerikanischen Reisebeschreibungen biszur Sehnsucht; — und so hab' er die Flachsblüteund die Kornblumen und blaue große Glasschalenvon jeher geschätzt. »Und meine selige Mutter hattenoch im Sarge lebendige blaue Augen» setzt' erdazu.
Ich schied, sehr bewegt, doch verschlossen; eswar nicht die Rührung eines Abschieds, den manvon einem Freunde, einem Jünglinge, einemGreise nimmt, sondern die des Abschieds von ei-nem fremdartigen entfernten Wesen, Las uns nurkaum von seinen hohen kalten Wolken, die eszwischen Erde und Sonne halten, nachblickt. Esgibt eine Seelen-Stille, ähnlich der Körper-Stille im Eismeer und auf hohen Gebirgen; jederSprack-Laut unterbricht, wie einer in einem zar-testen Adagio, zu prosaisch hart. Auch das Wort»zum letztenmal" hatte der Greis schon längsthinter sich.
Außer dem Hunde, schenkte oder vermachte ermir noch eilig meine in Duft und Farbe roman-tische Lieblingblume, eine b laue spanische Wickein einem Thon-Töpfche» ; desto lieblicher, da die-ser Schmetterling von Blume sich so leicht ver-haucht und seinen Düften nachstirbt. Er bat mich,es nur nicht übel zu nehmen, da er sein gewöhn-liches Morgenlied, Nach überlebtem Sterbe-Aben-de, noch nicht angestimmt, wenn er mich garnicht begleite, oder mir nickt einmal nachschaue, und
er könne ohnehin nicht sehr sehen. Daraufsagteer fast wie gerührt: »v recht wohl zu leben, Freund.Auf Wiedersehen, wo meine seligen Anverwandtenauch dabei sein werden, und der große Prediger,dessen Namen ich vergessen habe. Auf Wieder-sehen !"
Sogleich trat er ganz ruhig an seine Drehorgel.Ich lösete mich von ihm wie von einem Leben los.Wiewohl er feine Orgel unter den Bäumen spielte,und sein Gesicht nach mir gerichtet hatte: so wußt'ich doch, daß ich seinen blöden Auge» bald zumunbeweglichen Nebel werden mußte, und bliebdaher stehen, als er das Morgenlied (vvm altenNeander) anfing:
Noch läßt der Herr mich lebe«.
Mit fröhlichem Gemüth
Eil' ich ihn zu erheben;
Er hört mein frühes Lied
Unter dem Singen flogen um ihn seine Vögel;auch die Hunde schienen der Musik gewöhnt undschwiegen, und den Bienenschwarm wehte diesegar in sein Häuschen hinein. So entfernt er mirwar, und so sehr von den Jahren gegen das Grabgebückt, so sah er doch von weitem wegen seinerso langen Gestalt noch aufgerichtet genug aus.
Eben bauete in Abend, wohin mein Weg zu-führte, die Morgensonne einen Regenbogen mit !allen Farben in den frühen Lag hinein, und der !Morgen glühte noch mit seiner einzigen rothen ^nach, und Morgen und Abend, Anfang und Ende, IdieFarbenthore der Zeit und der Ewigkeit, standengegen einander aufgethan, und beide führten nuraus Himmel in Himmel. Ich blieb so lange stehenbis der Greis den letzten (den zwölften) Vers sei-nes Morgenliedes auSgefimgen:
Bereit, den Lauf zu schließen
Arifdeinen Wink, ° Gott!
Und lauter im Gewissen:
So finde mich der Tod —
Dann zog ich meine Straße langsam weiter.