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Politische Fastenpredigten.
Zweite Nachdammerung.
! BürZerliche Ehrenlegionen oder Volkadel.
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' Der Wunsch und Trieb, nicht blos im eigenenBewußtsein, sondern auch ini fremden, Vollkom-menheiten zu besitzen, erfocht bisber größereWunder, als alle übrigen Triebe zusammen ; denner überwand oft diese selber. Die Heiligkeit die-ses Triebs, der wie die Liebe, die einsamen Ichalle nach außen zu Einem Geisterbunde einichlingt,der zum eignen Oberhaupt oder Gewissen einzweites sucht, und der, wie die Sittlichkeit, überLeben und Tod hinaus begehrt im Nachrühme,verdient eine tiefere uud mehr würdigende Unter-! snchung, als ihm bisher seiner Avartunge» wegen! zu Theil geworden. An einem andern Orte wird! sich starker zeigen lassen, wie der Ehrtrieb unterallen der nächste Nachbar der Sittlichkeit undgleichsam ein Gewissen nach außen sei, indem er,wie das erste nach innen, nur sittliche Vorzüge zuseinen Preis-Ausstellungen erwählt, so sehr auchl gegen diese Ansicht das Prunken mit Schönheit,
; Verstand, Geld und Glück zu streiten scheint (*).
: Doch ohne weitere Erforschung dieser Quellebrauchen wir sie nur als Strömung durch dieganze Geschichte reißen zu sehen, um zu erstaunen,
> daß sie noch >o wenig zum Bewegen der großen^ schweren Streit-Maschinen zugeleitet worden.Bedenkt: Verachtung rädert den innern Menschenvon »nie» auf und sticht, kommt eigne dazu, ei-nen fortlebenden Kopf auf das Rad. Au Duell-i »nd Krieg-Ehre sterbe» Völker, wie an Scham; über unverschuldete Zufälle Jungfrauen auf der^ Stelle. — Noch vielleicht kein Mensch blieb in so! finstere kalte Ehrlosigkeit eingegraben, welchen! irgend eine Seele durch anwärmendes kleinesWerthhalten vor deut grimmigen Selber-Gefrie-ren (wie es et» Selber-Eutzündeu gibt) errettet !hätte, — Ruhige Aushaltung eines eigenen, öffent-lichen Ehr-Bankbruchs setzt entweder eine fast un-menschliche Tiefe, oder eine übermenschliche Höhevoraus; kurz zwei Fernen von den gewöhnlichenMenschenstimmen , in welche diese nicht hingelan-gen; wiewohl doch der Mensch-Gott auf der Höheimmer eine» Grttmenschen und Gott selber in sei-nem Znnern hat, der ihn auf dem äußern Pran-i ger durch innere Kronen tröstet,j Die Verwunderung über die Vernachlässigungi des längsten Völker-Hebels nimmt zu, wenn manj die Zeit seiner Kraft berechnet; denn er kennt fast1 keine und übermannt nicht nur, sondern überlebt! auch jeden Eigennutz.
Sogar der Güter-Geiz spürt sich durch langes
Denn die sittliche Natur des Menschen bat eine cioncZauberkunst, alle Gaben, Zufälle und Mißfalle des Lebensin sittliche Folgen einzukleiden, Unglück in Strafe, Glückin Lohn u. s. I». Er sinde einen Juwel: so schreibt er vielvon. Glücke seinem Verstände zu, und den Verstand wiederseiner frühern unbekannten Würdigkeit desselben vor derGeburt. Die schöne Frau hält ihre äußere Schönheit fürZeichen und Reichsinssgnien ihrer innern Schönheit undvon da aus mit kurzem Sprunge auch für den Lohn undSiegwagcn derselben. Daher das Zürnen über Dummhci-l teil, als wären sie Sünden.
Bereichern endlich auf einem Geldhaufe» , wie auf ;einen Berg gestellt, von wo aus er in ein Kanaan ;langer Gvldstüffe blicken kann ; aber der Ehrgeizfangt jedesmal von Neuem an — vor einem schän-denden Worte versinkt der Glanz nno Ehrenichatzlanger Jahre — ja dieser Hunger begehrt nochNahrung nach dem Tode des Magens. Wieließ sich nicht Voltaire bei dem fünfzigjährigemJubiläum seiner Silberhochzeit mit den Musen,als er in Paris war lind verschied, wie ließ sichnicht dieser Triumphator unter der Aufführungseiner Irene, seines letzten Trauersviels (leider fürihn lind Literatur ei» fünfter Auszug) sich aus je-dem Auftritte Bote» mit Nachrichten ziifertigen,was gefallen im guten Sinne oder gefallen im bö-sen ? — Und steigt dies nicht bis zu Fürstenhinauf, welche, obwohl im Loibeerwalde ihresHofes und ihres Volkes wohnhaft, doch nach ineuen auswärtigen Lorbeeren die Hand aus- .strecken? ^
Auch gesteht jeder das Streben nach Ruhm sich !und andern ein, aber weniger das nach Nutzen ; und ;die Offenbarung selber leiht dem sich genügsamen iUnendlichen dennoch Freude an unserer Anbe- !tung. ;
Was ist aber alle Wirkung gegen den Feuerreiz, jder durchgreifende» Achtung, welche man von den, jgeliebtenStaake erhält als dessen Bürger und Lieb-haber unter den andern Bürgern und Liebhabern? !Was ist alles Gelb desselben gegen das höhere ,Ehren-Gepräge, womit der Slaat einen Menschenzur Selb-Medaille „mstempelt? — Wie vielAnstheilung der Staatpreise ' wirken, sehen wirin olympischen Spielen und'rvmischen Triumphen— ganze Völker wurden beflügelt; ein leichterflatternder olympischer Blätterkranz hob mitMerkurs Schwingen au Kopf uud Fuß ein ganzes !Volk. >
Was gebraucht denn jetzo, außer den schmutzigenHandhaben des Eigennutzes,der Staat.um die deut-sche Mehrzahl, das Volk, bei LerEhrezu fasse»?—Infamie».Strafen; statt des Lorbeerkranzes dasHalseisen,statt des Oelzweiges den Skaupbesen,stattgriechischer Verehrung »ach dem Tode unehrlichesBeqräbniß, und der Pranger ist Las Fußgestell, woman als Selb.Mvnnmenl und Schand-Bftdsänlesteht; die höchsten Staatmännsr gehen, wie hoheGeistliche, in ihren schwarzen Gallakleidern als hö-here Essenkehrer mit unstchkbaren Besen und Leiterndurch die Straßen, und besteigen znui Abkehrenund Abkratzen den Staat mit Skaupbesen undGalgenleiter. Kurz abführende Mittel sind dieLebensmiltel der Volkehre. Schon andere habengegen diese Seelen - Vernichtung, welche demStaate vvm Bürger nichts zurückläßt, als einekalte gekrümmte Bildsäule, oder noch öfter einenkriechend vergiftenden Erbfeind, genug gesprochen.Wenn der Mann höheren Standes nach Entsetzungseiner Würde wenigstens in einen niedrigen hinab §kriechen, und da noch unter neuen Gleichen lebenkann: so trifft dagegen der ehrenentsetzte gemeineMensch keine tiefere Stelle von Menschen mehran, wo er als einer »och gehen könnte, sonderner bleibt liegendes Gewürm unter aufrechtenMenschen.
Den römischen Triumphator erinnerte eine