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Politische Fastenpredigten
i Literatur an sonst auf immer Verlornen Werkenanfangender Schriftsteller von 18 oder 81 Jahrensein! Unehre, lieber Stöcklem, macht ohnehin einschlechtes Buch nicht dem, der es verkauft und nichtliefet, sondern höchstens denn der es kauft und lie>et,und ei» Riklergulbesttzer handelt ohne Bestechungseines Wappens mit Schweinen und Fusel. Auchbefürchtet kein Vernünftiger, wie Sie, es werdeetwa ei» Autor sich schämen, a» einen Dutzend-buchhändler (nach Aehnlichkeit der Dutzendmalerund Outzenduhren) etwas zu schicken, was Einige, Buchhändler abgewiesen. In London war die; Gasse Grubstreet zum Pferch erbärmlicher Autoren,in allen Büchern verschrieen; und dennoch zog einernach dem andern ohne Scheu hinein. Aber jederi mit Recht. Er konnte innerlich lächeln, und in-dem er seine fünf Treppen hinaufkletterte, ver-
- gnngl sagen: --Der Rock macht nicht den Mann,und die Gaste nicht den Autor; best» schlimmer,daß meine Schreibnachbarn wahre ausgemachteNarren sind.-- Eben so wird der Autor, wenn erseine Handschrift an den Dutzendhändler schicktschalkhaft denken: --Wenn der Narr im Ernste,auf ein miserables Buch aufsteht, so hab' ich ihn
, gewaltig geprellt; das Werk ist göttlich :
Stöcklem, Sie müssen hier Vorurtheile fahrenlassen, die ich selber sonst gehegt. Schlechte Auto-ren habe» wahren Werth für schlechte Leser, ofti für ganze Provinzen ; allein gegen zwei Tausend
- Leser gibt es kaum zwei schlechte Schreiber. Ist
- aber das Publikum dem Chöre des Aristophanes,i das bald aus Wespen, bald aus Wolken, baldj aus Fröschen bestand, so ähnlich: so sollte mani doch auf das ernsthaft denken, was es nöthig hat.
Auch scheint der Himmel, um eiiugermaßen demverhältmßmäßigen Mangel an gemeinen Autorenabzuhelfen, ihnen desto größereFiuchtbarkeitverlie-hen zu haben, so daß ste in jeder Messe mit Dril-linge», Fünflingen, SechSlingen niederkommen;so bemerkt 0. Iahn --über die Kinderkrankhei-ten,-- Laß gerade bei Armen und SchwächlingenZwillinge am häufigsten erscheinen.
Auch treffen Sie ja in der Unterklasse derSchreiber alle Exemplare der Oberklasse, nuraber verkleinert an, kleine niedliche deutliche Klov-stocke, Goethe, Herder u.s.w.; so wie sogenanntefliegende Hirsche oder Stiere, fliegende Böcke,fliegende Ferkel unter den Käfern. Dies magvielleicht die Ursache sein, daß aus solchen schlechtenWelken so viele feinere Leser übergroßes Vergnü-gen schöpfen, wie wenigstens der Ekel nachderen Lesung bezeugt, welcher gewöhnlich dasUebermaß der Lust begleitet; denn schon Cicerosagt, überall werden gerade die höchsten Wol-i löste durch Ekel und Ueberdruß begränzt und be-schlossen (*).
Ich weiß, Slöcklein, daß Sie an das schnelleDahinfahren und Versterben der Sudelbücher sich^ am wenigsten stoßen; aber haben Sie nicht Recht?Die Hebräer haben kein ki'wssns, die Buchhänd-ler kein S'l'tunum; denn was hilft Las Auflebeneines Verlagartikels nach dem Ableben des Ver-1 legers, wenn der selber ei» Ladenhüter des Sargs
(*) In omniöus rebus, voluplatiöus maximis lasU-> illum lmüimam esi. llic cle Oral. III. 28.
geworden; viele Werke sollen ihrer Natur nachwie Kalender, nicht ins Blaue hinaus leben;Tagschriften z. B. gleichen den Terzien-Uhren,welche desto kürzer gehen, je feiner theilend stein die Zeit eingreifen; ste müssen — in einemdeutlicheren Bilde — warm wie Eselmilch, sowie ste von dem Thiere kommt, genossen wer-den.
Endlich sollte ich mich wundern, wenn Sienickt mehr als einmal sich hingesetzt und folgendeserwogen hätten: daß K> üppelbücher einen beson-der» Freibrief genießen. Allerdings gibls in jederbedeutenden Stadt einen Mann, der ihn am aus-gezeichnetsten genießt; jeden Tag gibt er das Dei-nige in Druck und ergreift dann! lausend Leserohne je von einem Kunstrichter (dies ist aber ebender Freibrief) getadelt worden zu sein, so sehr ersich auch wörtlich wiederholt, wiewohl gerade diesseine Leser verlangen und eben darauf bestehen,daß er nichts in Druck gebe als täglich blos denNamen seiner Stazio», wovon er — Postmeisterist. Offenbar sprech' ich von den gedruckten Skäd-tenamen auf Briefen. Indeß hat der Trödelautvrdoch den Antheil am Freibriefe, daß er kurz,selten, und oft zu spät beurtheilt wird. WennNämlich die Kunstrichter mit Slaupbcsen, Pran-gern und Stricken auf der reitenden Post ankom-men in Zsitungpaketen, um ihm kein lebendigesHaar, ja kein graues zu lassen: so hat er ohne-hin keines mehr und alles liegt schon sanft undtief begraben. Betrübt hingegen geht es unsterb-lichen Werken. Wie sonst die zartdufkende Blumeaus der scharfen Zwiebel wächst, so entspringt um-gekehrt aus der poetischen Blume die beißendeKritik. Verdienste reizen zu nichss als zur Haussu-chung »ach Sünde»; und man erfüllt gerade dasGegentheil des preußischen Gesetzes, Läs blos Un-teroffiziere, welche Verdienstmedaillen haben, von derFuchtel freispricht. Ich erstaune oft, daß noch soviele göttlich schreiben. Wen» Plinius die Göt-ter für weniger glücklich halt als die Menschen,weil nur diese sich das Leben nehmen, jene aberunsterblich bleiben müssen: so ist dieser Satz, ob-wohl für sterbliche Menschen grundfalsch, dochfür deren unsterbliche Werke grundwahr. Versu-chen Sie es. Freund Stöcklem, und setzen Sieblos aus Spaß eine nnsterblicke Jlias auf, oderwenns Ihrem Humor mehr zuschlägt, ei» aristo-phanisches Lustspiel; glaube» Sie mir, daß Siedann mit Ihrem so köstlichen Meisterstücke unterdem Arm — das wir alle nicht genug bewundernkönnen, und weshalb ich ordentlich vor Ihnenniederknisen möchte — durch ein Jahrhundertlind Volk nach dem andern kritische Srießruthenoder Gasse» laufe» müssen — jeder frisckgeborneRezensent setzt von Neuem etwas an einem so sel-tenen Werke aus, (ich wollt' ich hätte den Spitz-buben bei der Hand oder bei den Haaren, blosum einen Unsterblichen, wie Sie, zu rächen).Nicht etwa einmal, wie Ihre Verlagschreiber, wer-den Sie rezensielt, sonder» ein paar tausendmal,und fortgestochen so lang es Federn dazu gibt.Daher rath' ich als guter Freund Ihnen nicht dazu,zur Unsterblichkeit. —
Er that, als näh»,'er wirklich den ganzenVorschlag — scherzhafte Züge ausgenommen —