Band 
IV.
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Politische Fastenpredigten

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! für sehr wichtig für sein Fachwerk, damit er sich! niedersetze» konnte und vor meinen Auge» das^ Hauptsächlichste niederschreibe» und mich um Un-terstützung seines Gedächtnisses bitte» durfte; aber: ich wußte wohl, daß der Kauz die Rede nur für ei»neu Spaß ansah, der gedruckt trefflich zu gebrau-i chen wäre.

i Nachts übertraf das Bombenfeuer — weil eszwei Mörser machten — jedes, dessen sich die älte-sten Ziebinger erinnerte». Sogar der Komman-^ dank wurde in seiner Andacht gestört, und mußteauS der Kirche heraus, besonders da ihr gegenü-ber das Haus deS Helfers (des Diakonus) zubrennen anfing. Ich bestieg die Leiter, um dieguten Löschanstalten zu besehen. Aber etwasWichtigeres ,zog mich an. ES kam die Helferin imhöchsten Putze auS ihrem Hause herauS; sie hatte, umihre Hände frei zu behalten, und doch ihren Klei-derschmuck zu retten, solchen auf einmal angezo-^ gen. Sie trug zugleich ihr Brautkleid — ihren^ Traueranzug — ihr Abendmahlkleid — ihr weißesSvitzenkleid—dann das feuerfarbne seidne, undauf dem Kopfe einen majestätischen Hut mit Fe.

^ dern und in den Händen alle ihre feinen Hem-den. Ader sie wollte mehr retten. So schwer siesich als Selbervallenbinderin m dieser Kleiderge-i schwulst bewegen konnte, so schritt sie Loch zu demder Gefahr nahen Schweinstall hin, um h-er ein! Kleinod aus der Gefahr zu ziehen. Nachdem sie

> die Hemden aufS Schweindach gelegt, suchte sie im

- Stalle mit den Händen nach der Schweinmutter,

^ um solche auS dem Koben herauszuholen, Sie

fing endlich die Mutter am Schwänze, und wollte(welch unbedachlsameS Unternehmen, und so we-nig schicklich für den majestätischen Hut mit Fe-dern!) und wollte, sag' ich, solche an diesem Hm-,terhefte heraus zerren. Aber nachdem sie daS

- Vieh nach unsäglicher Anstrengung mit den Hin-terfüßen bis an die Schwelle gezogen : so schoß es

i wieder in den Koben hinein wie ein Lheaterdolch

> in seinen Griff. Sie erwischte wieder den! Schwanzhenkel und zog unmenschlich aus Angst,j und brachte daS Thier schon mit den Vorderbei-i »en bis an die Schwelle: auf einmal war es wie-

, der hineingefahren. Envlich erbarmte sich ein! Fleischerknecht des zu großen JammerS und faßtei die Bestie bei den Ohren und schleppte sie dahin,! wo die Dame vorausging.

> Am Morgen hätte der wackere Ich sterbe^ tä.glich und mein Leben nicht bei sich sein

> müssen, sondern des Teufels, wenn er, nachdem, zwei Mörser und ein Brand da waren und Regen,

und daS WetterglaS unter Sturm, nicht endlich^ dem Andringen nachgegeben hätte, in der nächstenNacht auszufallen. Die ganze Festung spanntesich darauf. Es wurdewirklich ausgefallen. Manschlich durch das untere Thor hinaus (das oberewar das andere), aber kein Feind war zu finden.Der ausfallenden Besatzung wuchs der Muth vonSchritt zu Schritt, und sie fluchte leise terribeldarüber, daß sie ihn nicht zeigen konnte. Endlichhörte sie am obern Thore Gelärme. Der Ausfallwar trefflich gewählt, denn dieDiebSfehraner woll-ten eben einen Einfall thun durchs obere Thor,und so sich die Stadtschlüssel oder Stadtdietricheselber schmieden. Die Ziebinger zogen um die

halbe Festung herum, und nun zeigte ein zufälli- ,ger Mondblick Feind dem Feind. Schrecklicher An-blick!—Die Geschichte meldet, baß der großegriechische Feldherr AratuS stets vor einer Schlachteinen heftigen Durchkält bekam, der so lauge an-hielt, bis die Schlacht in Gang gekommen. Dieseunschuldige Anekdote mißbrauchte ein ZiebingerKauz, um mit ihr, und gedeckt von der finsternRegennacht, seinen Spaß glaublicher einzuleiten.

ES hätten nämlich, verfocht der Kauz, beideHeere, sobald sie einander erblickt hätten, sich in !eben so viele Feldherren AratuS verwandelt: so- !gleich hätten beide durch Winke, oder Parlamen-taue, oder sonstige Zeichen (hier will es mit der !Wahrscheinlichkeit schlecht fort) einen halbviertel- ^stündigen Waffenstillstand geschlossen — während ,desselben hätten beide Mächte einander gebückt ge- !genüber gehalten und erst nach Ablauf der Sache jhätten sie sich einmüthig aufgerichtet zum Angriff!—Doch zu ernster» Gegenständen! Beide Heereginge» auf einander los, nur aber mit einer somißtönigen sich widersckreienden Feldmusik vollGrauS-Lauten, als je eine Kirchenmusik in eineDvrfkirche glühend in die Ohren gegossen; einZeichen der Furcht, woraus man indeß bei Feld-musikanten nichts macht. Die Krieger hingegenginge» mit einem Feuer auf einander zu, daß siedie kleine schon durch daS WetterglaS verkündigteErderschütterung — so wie einmal die Römer undKarthager ein großes Erdbeben unter dem Ge- !föchte — gar nickt verspürten, sondern glaubten,nur sie selber bebten, nicht die Erde.

Wenn man im Gefecht laufende Soldatenmir stehenden vergleicht, so verlieren diese inso fern an Ansehen, in wie fern Rafael, wel-cher seinen Figuren meistens Bewegung, seltenfeste Stellung gab, ein Mann ist, der Schön-heit kennt. Aber Schönheit bei Seite! Ein an-fangendes Laufen beider Heere hatte seine Gründe;lind wenn unter den Waffen die Gesetze schweigen(inter svmn sileot leges), so gehören die Krieg-gesetze, z. B. Deserzionverbote, auch dazu. DieZiebinger merkten nämlich schlau genug, daßeinige DiebSfehraner weiter liefen, und ver-schmitzt witterten sie auS, daß diese wenigen nurein Vvrtrab der übrige» wären, die in das jetztoffen gelassene untere Thor hineinstürzen woll-te». Hier galtS Entschlossenheit. Der ganzeZiebinger AuSfall verkehrte sich auf der Stelle ineinen Gesammt-Achilles,-den Homer bekanntlich !wegen seines Lanfens so pries: Alle liefen, rann- ;ten, flogen— Die DiebSfehraner ihnen nach, aber ^in der That zu langsam und matt — und so er- !reichte» die Ziebinger glücklich als Sieger ihr un-teres Thor. ohne einen eignen Mann verloren,oder einen fremde» eingelassen zu haben. Mantrank die ganze Nacht auf den siegreichen AuSgang.Indeß wird dieser niemals fehlen, wenn ein Ich !sterbe täglich und mein Leben anfüh-ret.

Am Morgen als die Menschen wieder zu sichkamen, was anchStöcklein that, herrschte dennoch !starker Verdruß. So bat noch immer, sagtejeder, das verfluchte Wehren und Siegen keinEnde, und niemand zieht eine» Kreuzer davon.Besonders sah der Buchhändler aus, wie ein